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Medizin

C. difficile mit C. difficile aus dem Darm verdrängen

Donnerstag, 7. Mai 2015

Clostridium difficile /wikipedia

Chicago – Ähnliches mit ähnlichem zu bekämpfen, ist derzeit eher ein Prinzip der Homöopathie mit höchst umstrittener Evidenz. Es könnte aber, wenn auch in höherer Konzentration, in der Schulmedizin funktionieren, und zwar bei einer häufigen nosokomialen Infektion, der Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhö (CDAD).

Eine erste Evidenz liefert eine randomisierte Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA (2015; 313: 1719-1727). Dort konnte die gefürchtete Ausbreitung von C. difficile im Darm nach einer Antibiotikabehandlung häufig vermieden werden, wenn die  Patienten über mehrere Tage Sporen von C. difficile zu sich nahmen, die keine Toxine bilden.

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Bei jeder oralen Antibiotikabehandlung kommt es zum Absterben von Darmbakterien. Nicht immer erholt sich die Darmflora. Im ungünstigen Fall breiten sich pathogene Keime aus, die eine chronische Antibiotika-assoziierte Durchfallerkrankung auslösen. Besonders gefürchtet ist C. difficile, da deren Toxine die Darmschleimhaut nachhaltig schädigen. Langfristig kann es zu einer pseudomembranösen Colitis, einem toxischen Megakolon und bei einer Darmperforation oder Sepsis auch zum Tod des Patienten kommen.

Die erneute Therapie mit Antibiotika beseitigt das Problem häufig nur vorübergehend. C. difficile bildet Sporen, aus denen sich die Infektion schon bald wieder erneuert. Nicht alle C. difficile setzen jedoch Toxine frei, und Infektionen mit nicht-toxigenen Clostridium difficile (NTCD) sind in der Regel harmlos. Dies führte zu der Idee, Patienten nach der Behandlung einer CDAD mit NTCD zu behandeln, um die Neubesiedlung des Darms auf günstige Weise zu beeinflussen.

Das Team um Dale Gerding von der Stritch School of Medicine in Maywood bei Chicago hatte bereits vor zweieinhalb Jahren in Antimicrobial Agents and Chemotherapy (2012; 56: 5224-5229) vielversprechende Ergebnisse einer Phase I-Studie vorgestellt, die damals in Basel durchgeführt worden war. Jetzt liegen die Ergebnisse einer Phase II-Studie vor, an der 173 Patienten aus 44 Zentren überwiegend in Nordamerika teilnahmen. Alle waren das erste oder zweite Mal an einer CDAD erkrankt und wurden jetzt mit Metronidazol oder Vancomycin oder einer Kombination beider Antibiotika behandelt. Im Anschluss nahmen die Patienten über sieben oder 14 Tage eine Lösung ein, die 10 Tausend oder 10 Millionen Sporen eines NTCD oder aber Placebo enthielten.

Der primäre Endpunkt waren Sicherheit und Verträglichkeit der NTCD. Hier gab es keine wesentlichen Unterschiede. Durchfälle, Bauch- und Kopfschmerzen waren nicht häufiger als unter Placebo. Die Dosisfindungsstudie sollte darüber hinaus erkunden, wie viele Sporen über welchen Zeitraum eingenommen werden müssen, um eine Besiedlung des Darms mit nicht-toxischen Bakterien zu ermöglichen.

Wie Gerding berichtet, erzielte die Dosis von 10 Millionen Sporen über 7 Tage die beste Wirkung. In dieser Gruppe kam es nur bei 2 von 43 Patienten (5 Prozent) zu einem erneuten CDAD-Rezidiv, im Placebo-Arm erkrankten dagegen 13 von 43 Patienten (30 Prozent). Die erfolgreiche Prophylaxe war bei den meisten Patienten mit dem Nachweis der NTCD in Stuhlproben verbunden.

Gerding vermutet, dass die NTCD die gleiche „Nische“ wie die toxischen Bakterien besiedeln und diese dadurch verdrängen. Für eine abschließende Bewertung war die Fallzahl der Studie aber zu gering. Sollten weitere Studien das Ergebnis bestätigen, könnte die „Bakteriotherapie“ zu einer Alternative der Stuhltransplantation werden, die derzeit diskutiert wird, die aber aufgrund der möglichen Übertragung von Krankheits­keimen mit Vorbehalten betrachtet wird. © rme/aerzteblatt.de

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