NewsMedizinEbola-Viren überleben in Kammerwasser des Auges
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ebola-Viren überleben in Kammerwasser des Auges

Freitag, 8. Mai 2015

Ebola-Viren

Atlanta – Der Augeninnere gehört zu den immunprivilegierten Organen, in denen Krankheitserreger nach Anklingen einer Infektion überleben können. Bei einem US-Patienten verursachten Ebola-Viren noch Monate nach dem Ende der lebens­gefährlichen Krise eine Uveitis, die zu starken Sehstörungen führte, wie die Mediziner im New England Journal of Medicine (2015; doi: 10.1056/NEJMoa1500306) berichten. Ein Infektionsrisiko bestand erst, als eine Kammerwasserprobe entnommen und untersucht wurde.

Dass es nach Abschluss einer Ebola-Infektion zu Augenproblemen kommen kann, ist nicht neu. Laut der Welt­gesund­heits­organi­sation klagt etwa die Hälfte der Überlebenden über Sehstörungen, die neben Gelenk-, Muskel- und Brustbeschwerden als Teil eines Post-Ebola-Syndroms betrachtet werden. Häufig verschwinden die Beschwerden von selbst und werden deshalb eher als unspezifische Spätreaktion des Körpers betrachtet. Die Mediziner vom Emory Eye Center in Atlanta waren aber durch mindestens einen früheren Fall gewarnt. Mediziner aus Johannesburg hatten 1975 das verwandte Marburg-Virus im Kammerwasser eines Patienten nachgewiesen, dessen Erkrankung bereits drei Monate zurücklag.

Anzeige

Auch bei dem 43-jährigen US-Patienten – er gehörte zu den Menschen, die im Sep­tember letzten Jahres in einer spektakulären Aktion aus Sierra Leone auf eine Spezialstation der Emory Universität in Atlanta geflogen wurden – lag die Erkrankung viele Wochen zurück. Der Patient war damals 12 Tage mechanisch beatmet und 24 Tage hämodialysiert worden. Nach 40 Tagen war er als gesund entlassen worden.

Er wurde aber eindringlich gebeten, sich sexuell zu enthalten oder Kondome zu benutzen. Es war bekannt, dass die Ebola-Viren in der Samenflüssigkeit noch über Monate persistieren können. Zehn Wochen nach dem Beginn der Infektion klagte der Patient über zunehmende Sehstörungen, die er als Brennen, Fremdkörpergefühl und ein verschwommenes Sehen beschrieb.

Hinzu kam eine Lichtscheu (Photophobie). Nachdem die Verschreibung einer neuen Brille keine Linderung brachte, wurde er von den Augenärzten des Emory Eye Center genauer untersucht. Ein Ophthalmologenteam um Stephen Yeh entdeckte multiple Narben auf der Netzhaut, die von hellen Höfen (Halos) umgeben waren. In Kenntnis der zurückliegenden Ebola-Erkrankung lautete die Verdachtsdiagnose Choriortinitis, also eine Entzündung der Netzhaut mit der darunter liegenden Aderhaut.

Auf dem linken Auge kam es in den folgenden Wochen zu einer weiteren Zunahme der Sehstörungen. Das Auge war gerötet und der Augeninnendruck deutlich erhöht. Bei der Spaltlampenuntersuchung wurde ein Ödem und Ablagerungen in der Hornhaut sowie entzündliche Veränderungen in der vorderen Augenkammer gesehen. Die Uveitis hatte sich auf den vorderen Bereich des Auges ausgedehnt.

Da sich die Symptome trotz der Gabe von Augentropfen mit Prednisolon und unter­schiedlichen Wirkstoffen zur Senkung des Augeninnendrucks weiter verschlechterten, entschlossen sich die Mediziner zur Entnahme einer Augenwasserprobe über eine Kanüle. Diese Parazentese wurde unter sterilen Bedingungen einer Augenoperation durchgeführt. In den 170 Mikrolitern Augenwasser wiesen die Labormediziner der Emory Universität dann die RNA des Ebola-Virus nach. Ein Abstrich der Bindehaut war dagegen negativ, so dass von dem Patienten kein Infektionsrisiko für das Personal ausgegangen sein dürfte (und auch keine weitere Infektionen berichtet werden).

Die Uveitis verschlimmerte sich in den Folgetagen weiter, bis es dann schließlich innerhalb von 72 Stunden zu einer Besserung kam, ohne dass der Patient antivirale Substanzen erhalten hätte. Die Sehstärke hat sich inzwischen erholt und der Patient scheint vollkommen genesen zu sein, ohne dass die Augenärzte um Yeh derzeit erklären können, woran dies gelegen hat. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Juni 2020
Kinshasa – Die Demokratische Republik Kongo hat einen Ebolaausbruch im Nordwesten des Landes vermeldet – nur wenige Wochen bevor es hoffte, das offizielle Ende der Epidemie im ganzen Land ausrufen zu
Neuer Ausbruch von Ebola im Kongo
15. April 2020
Goma − Im Kongo ist ein weiterer Ebolafall aufgetreten. Das siebenjährige Mädchen aus der Stadt Beni ist innerhalb kurzer Zeit der dritte infizierte Mensch, der von den Behörden des
Ebola im Ostkongo weiterhin aktiv
3. März 2020
Johannesburg – Bei der Ebola-Epidemie im Kongo ist nach Auskunft der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) die letzte Patientin entlassen worden. Sie war im ostkongolesischen Beni behandelt worden. „Die
WHO meldet Entlassung von letzter Ebola-Patientin im Kongo
28. Februar 2020
Genf – Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie im Kongo gibt es nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) weitere Fortschritte. Wie die WHO gestern Abend mitteilte, wurden zwischen dem 18. und dem
Sieben Tagen lang kein neuer Fall von Ebola im Kongo
13. Februar 2020
Genf – Trotz Erfolgen im Kampf gegen das lebensgefährliche Ebola-Virus im Kongo schätzt die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) die Lage weiter als ernst ein. Sie beschloss gestern Abend, die im Juli
Ebola im Kongo weiterhin gesundheitliche Notlage
12. Februar 2020
Goma/Genf – Helfer im Kongo bringen die gefährliche Ebola-Epidemie langsam unter Kontrolle – doch Entwarnung gibt es noch nicht. Die Zahl der neuen Fälle sei in den vergangen Monaten stark gesunken,
Noch keine Entwarnung bei Ebola-Ausbruch im Kongo
16. Januar 2020
Kinshasa – Angriffe auf Helfer bremsen den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo. Wie Hilfsorganisationen zur Wochenmitte mitteilten, werden die Übergriffe von Misstrauen
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER