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Medizin

Chagas-Krankheit: Impfstoff bei Mäusen wirksam

Samstag, 9. Mai 2015

Nachweis von Trypanosoma cruzi.

Galveston – Ein erster Impfstoff gegen die Chagas-Krankheit, der nach Malaria und Bilharziose dritthäufigsten Tropenkrankheit, hat bei Mäusen eine gewisse Wirkung erzielt, die nach Überzeugung der Autoren in PLOS Pathogens (2015; doi: 10.1371/journal.ppat.1004828) ausreichen könnte, um die Krankheitszahlen in Lateinamerika zu senken.

In Mittel- und Südamerika sollen 11 bis 18 Millionen Menschen mit Trypanosoma cruzi infiziert sein. Der einzellige Parasit wird von bestimmten Raubwanzen (vor allem der Gattung Triatoma) übertragen, die vor allem in den Armutsvierteln des Kontinents verbreitet sind. Die Raubwanze nimmt den Erreger mit einer Blutmahlzeit auf.

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Die Übertragung erfolgt dann über die Faeces, die sich das Opfer infolge des durch den Stich ausgelösten Juckreizes in die Haut oder noch häufiger in die Schleimhäute reibt. In den meisten Fällen bleibt dies folgenlos. Nur bei jedem dritten Infizierten kann der Erreger Fuß fassen. Die Primärläsion ist eine lokale Rötung und Schwellung (Chagom), die am Auge als Romaña-Zeichen kaum übersehen werden kann.

Die akute Phase kann infolge kardialer oder zerebraler Komplikationen zum Tode führen. Meistens kommt es jedoch zur Ausheilung. Ein chronischer Verlauf endet jedoch häufig in einer Kardiomyopathie oder einer Dilatation von Ösophagus oder Colon. Ursache ist eine massive Vermehrung der einzelligen Parasiten in den Muskelzellen von Herz und Darm. Etwa 50.000 Menschen sterben jedes Jahr an den kardialen oder intestinalen Komplikationen der Chagas-Krankheit.

Einen Impfstoff gibt es bislang nicht und aufgrund der Beschränkung auf ärmere Bevölkerungskreise bestand auch kein wirtschaftliches Interesse. Dies änderte sich vermutlich, als serologische Stichproben der US-Centers for Disease Control and Prevention ergaben, dass mehr als 300.000 Personen im Land mit T. cruzi infiziert sein könnten. In den USA gibt es zwar keine Triatoma-Raubwanzen. Eine Übertragung durch Blutkonserven, Organtransplantationen oder von der Mutter auf das Kind sind aber möglich.

Shivali Gupta und Nisha Garg von der University of Texas, Medical Branch in Texas bemühen sich seit Jahren um die Entwicklung eines Impfstoffs, wobei ihnen die vor zehn Jahren gelungene Entschlüsselung des Genoms geholfen hat. Im Erbgut entdeckten sie den Code für elf lebenswichtige Proteine, von denen zwei die Grundlage für einen DNA-Impfstoff bildeten. Bei einem DNA-Impfstoff werden nicht, wie normalerweise, Antigene in den Körper eingebracht, sondern Plasmide mit deren Genen. Die Produktion der Antigene erfolgt dann in den Zellen des Impflings. Das ist zwar umständlich (die Impfung muss immer als Injektion erfolgen) und die Erfolgsrate der Impfstoffe war bislang gering (weshalb dieses Prinzip bei keinem zugelassen Impfstoff angewendet wird). Doch die Herstellung der Impfstoffe (und ihre Anpassung an einen möglicherweise wandlungsfähigen Erreger) ist relativ einfach.

Die einmalige Gabe der DNA-Vakzine erwies sich aber als zu schwach, so dass die Forscher als zweite Dosis einen konventionellen Impfstoff mit Proteinen einsetzten. Einige Tiere erhielten später als dritte Dosis noch einmal eine Auffrischung durch eine erneute Injektion der Proteine.

Auch ohne die Auffrischung erzielte die Impfung bei Mäusen eine langlebige Immunität, die allerdings weit davon entfernt war, die Tiere vollständig zu schützen. Bei etwa einem Drittel der Mäuse bildete sich jedoch ein Pool aus T-Helferzellen, die die Antikörperantwort unterstützen könnte, sowie aus T-Gedächtniszellen, die für eine langjährige Immunität sorgen würden. Wurden die Tiere vier Monate nach der Impfung mit T. cruzi infiziert, lag die Erregerbelastung 2- bis 3-fach niedriger als bei ungeimpften Mäusen. Da der Schweregrad der Chagas-Krankheit von der Zahl der Parasiten im Blut (und später in den Muskelzellen abhängt) könnte auch ein schwacher Impfstoff klinisch wirksam sein. Gupta und Garg hoffen, dass es auch helfen könnte, die Infektionskette zu durchbrechen, was die Zahl der Erkrankten deutlich senkt.

In Deutschland gilt die Chagas-Krankheit als Rarität. Eine mögliche Gefahr sieht das Robert Koch-Institut nur für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. Touristen seien bei organisierten Reisen in der Regel kaum gefährdet. Eine Weiterverbreitung ist mangels Vektor in Deutschland nicht möglich, eine Übertragung durch Bluttransfusionen oder Organtransplantate wäre aber denkbar. Eine antiparasitäre Therapie ist nur in der akuten Krankheitsphase mit Nifurtimox oder Benznidazol erfolgversprechend, aber mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

© rme/aerzteblatt.de

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