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Politik

„Wir hoffen, dass internationale Gesundheitsnotstände künftig besser gemanagt werden“

Freitag, 15. Mai 2015

Köln - Angesichts der Ebola-Epidemie in Liberia, Sierra Leone und Guinea haben Hilfsorganisationen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Auf- und Ausbau der Gesundheitssysteme in den betroffenen Ländern gefordert. Aber auch in den westlichen Ländern wird über effektivere Hilfsmaßnahmen diskutiert.

Fünf Fragen an Dr. med. Thomas Grünewald, Klinik für Infektiologie und Tropenmedizin am Klinikum Sankt Georg in Leipzig

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DÄ: Müssen wir künftig mit mehr globalen Epidemien rechnen?
Grünwald: Wir werden immer wieder auch größere Ausbrüche durch bekannte, aber auch durch neue Erreger erleben. Durch die sich kontinuierlich weiterentwickelnde Verkehrsinfrastruktur auch in Ländern mit geringen Ressourcen müssen wir auf den Import solcher Erreger auch nach Deutschland vorbereitet sein.

DÄ: Was ist in diesem Zusammenhang in westlichen Ländern besonders wichtig?
Grünwald: Zwei Punkte: Erstens ist die interdisziplinäre und interinstitutionelle Zusammenarbeit ist von fundamentaler Bedeutung für das Management solcher Erkrankungsausbrüche. Hier gilt es, die bestehenden Strukturen zu optimieren und die Reaktionszeiten noch zu verkürzen. Es ist gerade bei dem derzeitigen Ebola-Ausbruch in Westafrika eine erfreulich zügige und unprätentiöse Zusammenarbeit der involvierten Institutionen auf allen Ebenen zu verzeichnen gewesen.

Der zweite Punkt ist die Bereitstellung von hier vorgehaltenen Infrastrukturen und Ressourcen im internationalen Kontext da. Auch hier hat es im Rahmen des aktuellen Ausbruches eine Lernkurve gegeben: wir hoffen, dass künftige internationale Gesundheitsnotstände besser gemanagt werden können.

DÄ: Sie haben im Rahmen des aktuellen Ebolaausbruchs selbst Ebolakranke mitbehandelt, es waren Ärzte. Sehen Sie die westlichen Länder bei der Hilfe für Helfer noch stärker in der Pflicht?
Grünwald: Es waren nicht nur Ärzte sondern Helfer, die unmittelbar in der Betreuung von Ebola-Erkrankten involviert waren.

Es ist sicher unstrittig dass Helfer aus Ländern die über entsprechende Ressourcen verfügen, ein medizinisches Rescue-System aufbauen um im Falle einer Infektion den sich vor Ort engagierten Kräften die bestmögliche medizinische Versorgung zu sichern (Repatriierung). Die Expatriierung Betroffener in Hochressourcen-Länder bedarf einer entsprechenden Abstimmung im globalen Kontext (WHO, involvierte Länder, gegebenenfalls NGO)

Eine mögliche Optimierung eines solchen Konzepts könnte auch in der Bereitstellung entsprechender Ressourcen und Möglichkeiten Vor-Ort liegen (zum Beispiel dediziertes Behandlungszentrum für betroffene Helfer in der jeweiligen Aufbruchsregion).

DÄ: Mit welchen Institutionen wird die Aufnahme von Patienten mit solch hochkontagiösen und lebensbedrohlichen Erkrankungen wie Ebola in Deutschland abgestimmt?
Grünwald: Es sind viele nationale und internationale Institutionen in die Entscheidung einbezogen: in Deutschland unter anderem das Auswärtige Amt mit Krisenstab und Lagezentrum, das Bundesgesundheitsministerium, das Verkehrsministeriums für Überflug- und Landerechte, und  das Bundesinnenministerium. Es sind auch die entsprechenden Behörden der infrage kommenden Bundesländer involviert. Zudem wird über das Robert Koch-Institut in Berlin fachliche Expertise eingeholt, das RKI bezieht dann den Ständigen Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren hochkontagiöser und lebensbedrohlicher Erkrankungen (STAKOB) mit ein.

DÄ: Sollten sich westliche Länder stärker an der Entwicklung neuer Medikamente und Vakzine zum Beispiel gegen das Ebolavirus engagieren und für welche Gruppen könnte ein Ebolaimpfstoff verwendet werden?
Grünwald: Viele Arbeitsgruppen haben sich mit hoher Expertise über Jahrzehnte in der Entwicklung von Therapeutika und Impfstoffen gegen Erreger wie das Ebolavirus engagiert. In Deutschland gibt es mehrere Institutionen mit einer sehr hohen Expertise, die auch im internationalen Vergleich exzellente Forschung betreiben und sie sollten langfristig unterstützt werden.

Therapie Ebolakranker in westlichen Ländern: Hoher Aufwand, aber auch hoher Nutzen

Globale Epidemien müssen vor allem vor Ort bekämpft werden und beim Aufbau entsprechender Strukturen sollten westliche Länder helfen. Sie selbst müssen mit zunehmend mehr Einzelfällen rechnen. Über die komplexen Therapien Ebolakranker gibt es nun Berichte deutscher Ärzte.

Mehrere vielversprechende Impfstoffe sind mittlerweile in Phase-2-Studien. Es lässt sich aber noch nicht absehen, welcher Personenkreis primär von einer solchen Impfung profitiert: Wird eine reine Riegelungsimpfung bei Ausbrüchen sinnvoll sein oder reicht eine Impfung der involvierten Hilfskräfte aus oder ist eine generelle Impfung der Population in Endemiegebieten angezeigt zum Beispiel auch bei Gelbfieber? All das ist derzeit noch unklar.

© nsi/aerzteblatt.de

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