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Medizin

Thyphus: Resistente Erreger haben sich weltweit ausgebreitet

Dienstag, 12. Mai 2015

Typhus-Bakterien

Hinxton - Ein multiresistenter Stamm von Salmonella Typhi, dem Erreger des Typhus abdominalis, hat sich in den letzten drei Jahrzehnten vom indischen Subkontinent aus nach Afrika, dem Nahen Osten und Südostasien ausgebreitet. Der Stamm H58 scheint andere Stämme zu verdrängen und könnte laut einer Publikation in Nature Genetics (2015; doi: 10.1038/ng.3281) erklären, warum Antibiotikabehandlungen zunehmend schwieriger geworden sind.

Salmonella Typhi kann sich überall dort ausbreiten, wo sanitäre Anlagen fehlen und die Bevölkerung keinen Zugriff auf sauberes Wasser hat. Das Bakterium gelangt durch kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel in den Körper. Nach zwei bis drei Wochen kommt es zu einem hohen Fieber, das über Wochen anhalten kann und mit deutlichem allgemeinen Krankheitsgefühl (Kopfschmerzen, Somnolenz, Abdominalbeschwerden, Gliederschmerzen) einhergeht. Es gibt zwar Impfstoffe, die aber in den betroffenen Regionen fehlen. Die Behandlung besteht aus der Gabe von Antibiotika. Heute kommen statt Chloramphenicol häufiger Fluorchinolone, Cephalosporine der dritten Generation oder Azithromycin zum Einsatz.

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In den letzten Jahren haben sich jedoch Berichte über multi-resistente („MDR“) S. Typhi vermehrt, die auf diese Mittel nicht mehr ansprechen. Die Ursache dafür hat jetzt ein internationales Forscherteam um Vanessa Wong vom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton bei Cambridge herausgefunden. Ihre Genom-Analyse von 1.832 Isolaten aus den Jahren 1992 bis 2013 ergab, dass fast die Hälfte der Bakterien zu einem Stamm, H58, gehören, der über mehrere Resistenz-Gene verfügt.

Eine genetische Stammbaum-Analyse ergab, dass H58 vermutlich vor 25 bis 30 Jahren auf dem indischen Subkontinent entstand. Von dort breitete er sich in den Nahen Osten, nach Westasien, Ost- und Südafrika und nach Südostasien bis auf die Fiji-Inseln aus. Wie Wong berichtet, finden sich im Genom von H58 nicht nur regelmäßig Gene, die den Erreger unempfindlich gegen Ampicillin (blaTEM-1), Trimethoprim und Sulfonamide (dfrA7, sul1 und sul2), gegen Chloramphenicol (catA10) und Streptomycin (strAB) machen können. Auch Resistenz-Gene gegen Fluorchinolone (gyrA, gyrB, parC und parE) haben sich ausgebreitet und erklären, warum das häufig eingesetzte Ciprofloxacin die Infektion nicht mehr zuverlässig stoppen kann.

Wong warnt, dass bei einer weiteren Ausbreitung der resistenten Keime die Therapie­optionen knapp werden könnten. Zum Problem könnten die Erreger auch für die jährlich 50 bis 100 Touristen aus Deutschland werden, die nach der Rückkehr aus den Endemieregionen erkranken, und bei denen es den Ärzten nicht immer sofort gelingt, die Erkrankung zu diagnostizieren. Trotz des klangvollen Namens gibt es beim Typhus kein Kardinalsymptom, an dem die Erkrankung schnell identifiziert werden kann. Eine Ausbreitung in Deutschland droht aufgrund der sicheren sanitären Anlagen jedoch nicht, zumal eine direkte fäkal-orale Übertragung offenbar selten ist.

© rme/aerzteblatt.de

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