Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Onkologen fordern Nutzenbewertung von Arzneimitteln zu überarbeiten

Dienstag, 12. Mai 2015

dpa

Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) befürwortet die frühen Nutzenbewertung neuer Arzneimittel fordert aber, das Verfahren weiterzuentwickeln.

Seit Anfang 2011 werden alle neu zugelassenen Arzneimittel in Deutschland einer frühen Nutzenbewertung nach dem Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG) unterzogen. Das Ergebnis schafft die Grundlage für die Preisverhandlungen zwischen Kranken­kassen und pharmazeutischen Unternehmen.

Gemeinsam mit Experten von 19 wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften sowie der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) hat die DGHO die Ergebnisse der frühen Nutzenbewertung von 2011 bis 2014 analysiert. Die Ergebnisse der Analyse hat die Fachgesellschaft als sechsten Band ihrer gesundheitspolitischen Schriftenreihe publiziert.

Die Zahl der Anträge auf frühe Nutzenbewertung ist in den letzten vier Jahren ange­stiegen. Bis Ende 2014 wurden 98 Bewertungsverfahren mit 192 Subgruppen vollständig durchgeführt. In etwa 60 Prozent der Verfahren wurde kein Zusatznutzen festgestellt. Bei den positiv bewerteten Medikamenten zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den medizinischen Fachgebieten. Drei Viertel der mit „beträchtlicher Zusatznutzen“ bewerteten Arzneimittel stammen aus der Krebs- und der Infektionsforschung

Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arznei­mittel­kommission der Deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), macht auf das Problem einer fehlenden „späten Nutzenbewertung“ aufmerksam. „Zum Zeitpunkt der Markteinführung lässt sich der therapeutische Stellenwert von neuen onkologischen Arzneimitteln häufig nur begrenzt bestimmen“, erläutert er. Daher sei in der Onkologie neben der frühen auch eine späte Nutzenbewertung – beispielsweise zwei bis drei Jahre nach Markteinführung – eine wichtige Voraussetzung für die Bewertung des Zusatznutzens.

Bei der Nutzenbewertung intensiver mit medizinischen Fachgesellschaften und Patientenorganisationen zusammenzuarbeiten fordert Thomas Berg, Leiter der Sektion Hepatologie an der Klinik für Gastroenterologie und Rheumatologie an der Universitätsklinikum Leipzig. „Es besteht die berechtigte Sorge der medizinischen Fachgesellschaften, dass therapeutische Innovationen aufgrund formaler Kriterien in der Methodologie der Zusatznutzenbewertung nicht ausreichend gewürdigt und berücksichtigt werden – dies ist die Schlussfolgerung unserer Erfahrungen zur frühen Nutzenbewertung für die neuen oralen direkt antiviral wirksamen Substanzen zur Behandlung der chronischen Hepatitis C“, so der DGHO-Experte.

Die Nutzenbewertung nicht bloß lediglich als Instrument zur Kostenreduktion aufzufassen, fordert der geschäftsführende Vorsitzender der DGHO, Mathias Freund. Es gelte auch, Innovationen und Qualität zu fördern. „Zentrales Ziel ist es, die Sicherstellung des Zugangs neuer Arzneimittel für unserer Patienten zu garantieren“, so der DGHO-Vorsitzende. © ER/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

04.09.17
Patienten mit Plattenepithel­karzinom im Kopf-Hals-Bereich können von Nivolumab profitieren
Köln – Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich, bei denen eine platinbasierte Chemotherapie nicht ausreichend wirkt, können von einer Therapie mit dem Wirkstoff Nivolumab......
10.08.17
Diabetesgesellschaft kritisiert Bewertungsverfahren für neue Arzneimittel
Berlin – Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat ihre Kritik am Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetz (AMNOG) und damit am Bewertungsverfahren für neue Arzneimittel erneuert. Anlass ist, dass sich......
24.07.17
Nutzen und Schaden der systemischen Therapie bleiben vage
Berlin – Bei seiner ersten Bewertung eines Psychotherapieverfahrens – der systemischen Therapie – kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu uneinheitlichen......
11.07.17
IQWiG: Evidenzbasierte Medizin hat sich noch lange nicht durchgesetzt
Köln – Auf Angriffe gegen wissenschaftliche Standards in der Medizin hat der Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Jürgen Windeler, im neuen......
10.07.17
Nutzen der optischen Kohärenztomografie bei Netzhauterkrankungen weiter unklar
Köln – Nutzen und Schaden der sogenannten optischen Kohärenztomografie (OCT) zur Diagnostik und Therapiesteuerung der neovaskulären altersbedingten Makuladegeneration (nAMD) und des diabetischen......
05.07.17
Nutzen von Tenofoviralafenamid in der Hepatitis-B-Therapie bleibt unklar
Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht auf der Basis der vorliegenden Daten im Augenblick keinen Beleg dafür, dass der antivirale Wirkstoff......
29.06.17
Arzneimittelpreise: Ärzte und Industrie sehen Gesetzgeber in der Verantwortung
Berlin – Nach dem gestrigen Urteil des Landessozialgerichtes (LSG) Berlin-Brandenburg zu Mischpreisen bei neuen Arzneimitteln haben Ärzte und Arzneimittelhersteller rechtliche Klarheit gefordert. Das......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige