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Politik

Politische Maßnahmen gegen Alkoholkonsum könnten zehntausende Leben retten

Dienstag, 12. Mai 2015

dpa

Paris – Strengere gesetzliche Regeln für Alkoholwerbung und -verkauf, höhere Steuern auf alkoholische Getränke, die konsequente Durchsetzung von Promillegrenzen im Straßenverkehr, aber auch eine frühe Ansprache durch den Hausarzt bei Verdacht auf gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum könnten in Deutschland den Alkoholkonsum deutlich vermindern. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste Gesundheitsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der heute in Paris veröffentlicht wurde.

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„Diese Aussagen des Gesundheitsberichts hält der Berufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) für eine wichtige Maßnahme, alle niedergelassenen Ärzte, Hausärzte wie Neurologen und Psychiater, aufzurütteln und stets aktiv nach Alkoholmissbrauch und Prävention zu fragen“, sagte die BVDP-Vorsitzende Christa Roth-Sackenheim gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Sie wies daraufhin, dass das Ziel einer solchen Ansprache auch ein verringerter Konsum sein könne. „Abstinenz ist nicht immer das oberste Ziel“, so Roth-Sackenheim.

Höhere Steuern und schärfere Gesetzgebung könnten Vielzahl an Erkrankungen verhindern
Laut dem Bericht ist der Effekt politischer Maßnahmen gebündelt größer als isoliert. Ein Maßnahmenpaket aus einer zehnprozentigen Steuererhöhung für alkoholische Getränke sowie einer strengeren Gesetzgebung für Alkoholwerbung und -verkauf könnte es nach OECD-Kalkulationen in Deutschland ermöglichen, die Anzahl der alkoholbedingten Verletzungen im Schnitt jährlich um 138.000 und die der Krebserkrankungen und Leberzirrhosen um etwa 4.300 zu verringern. Die Kosten für ein solches Paket veranschlagt die OECD mit sechs US-Dollar pro Person im Jahr.

Weltweit ist Alkohol die fünfthäufigste Ursache für Tod und Behinderungen: Übermäßiger Alkoholkonsum tötet mehr Menschen als HIV/Aids, Gewalt und Tuberkulose zusammengenommen.

60 Prozent des Gesamtalkoholkonsums erfolgen durch 20 Prozent der Personen, die am stärksten trinken
Im Durchschnitt trinkt jeder Mensch über 15 Jahre im OECD-Raum jährlich den Gegenwert von 9,1 Litern reinem Alkohol. Das entspricht mehr als 100 Flaschen Wein oder gut 200 Litern Bier. Der globale Durchschnitt liegt bei 6,2 Litern. Deutschland gehört mit einem Mittelwert von elf Litern reinem Alkohol pro Kopf zu den Ländern mit dem höchsten Verbrauch. Wie in anderen Ländern entfällt auch in Deutschland der größte Teil des Alkoholkonsums auf eine relativ kleine Gruppe von Vieltrinkern: 60 Prozent des Gesamtalkoholkonsums erfolgen hierzulande durch die 20 Prozent der Personen, die am stärksten trinken.

© hil/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 14. Mai 2015, 23:17

Es sollte doch möglich sein

Alkoholkonsum wie das Tabakrauchen zu einem sozial schädlichen Verhalten zu machen. Es kann ncht so weitergehen, dass in den Medien zwar ostentativ nicht mehr geraucht wird, aber sich bereits nachmittags die Shopping-Queens mit Prosecco vorbildhaft für kleine Mädchen in Stimmung trinken, in Vorabendserien und den abendlichen Krimiserien der Teamgeist aus Weingeist besteht und die Protagonisten einen bedenklichen Feierabendkonsum betreiben, weiter geht es mit reichlich Alkohol in den abendlichen Talkshows bis zum gemeinsamen Besäufnis in Inas Nacht...
Wo bleiben die Infos über die 150.000 Gewaltopfer jährlich, bei denen alkoholisierte Täter ermittelt (!) werden, über die 80% der anonymen Opfer alkoholisierter häuslicher Gewalt...
Können nicht endlich wenigstens die öffentlich-rechtlichen Medien ihrer Aufgabe nachkommen, über die Folgen selbst des ganz noralen Alkoholkonsums nachkommen?
Oder ist die Lobby saufender Politiker, Winzer, Brauer und Schnapsbrenner so stark, dass hier kein Handlungsspielraum bleibt?
LNS

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