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Medizin

Rotaviren: Frühe Impfung könnte Komplikationen vermeiden

Donnerstag, 14. Mai 2015

Langen/Berlin - Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut sehen derzeit keinen Anlass, die Impfung gegen Rotaviren auszusetzen, nachdem in Frankreich zwei Kinder vermutlich an Komplikationen der Impfung gestorben sind. Die Behörden weisen jedoch auf das seltene Risiko von Darminvaginationen hin und raten zu einer frühzeitigen Impfung.

Die französische Kommission „Haut Conseil de la Santé Publique“ hatte am 7. Mai ihre Empfehlung, Säuglinge gegen Rotaviren zu impfen, zurückgenommen. Vorausgegangen war eine Risikoinformation der Zulassungsbehörde ANSM vom 31. März 2015 zu den aus Frankreich gemeldeten Verdachtsfällen von Darminvagination nach Rotavirusimpfung.

Darminvaginationen (auch Intussuszeption genannt) sind eine seltene Erkrankung bei Kleinkindern, die insbesondere innerhalb des ersten Lebensjahres auftritt. Das PEI gibt die Inzidenz in Deutschland mit 60 bis 100 Fällen auf 100.000 Säuglinge im ersten Lebensjahr an. Es ist bekannt, dass eine Impfung gegen Rotaviren das Risiko einer Darminvagination erhöht.

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Der erste Impfstoff RotaShield von Wyeth Lederle wurde in den USA 1999 vom Markt genommen, nachdem landesweit 76 Fälle einer Darminvagination beobachtet worden waren. Bei den später eingeführten und heute verwendeten Impfstoffen Rotarix und RotaTeq wurde das Risiko in den Zulassungsstudien sorgfältig geprüft. In den Zulassungsstudien an mehr als 130.000 Kindern wurde zunächst keine erhöhte Rate gefunden.

Später wurde dann aber doch ein geringfügig erhöhtes Risiko entdeckt. In den USA und in Australien traten bis zu sechs zusätzliche Fälle pro 100.000 Säuglingen pro Jahr auf bei einer Hintergrundinzidenz von 33 bis 101 Fällen pro 100.000 Säuglingen (unter einem Alter von einem Jahr) pro Jahr. Die STIKO rechnete anlässlich seiner Impfempfehlung im Epidemiologischen Bulletin (2013; 35: 349-361) mit ein bis zwei zusätzlichen Erkrankungen auf 100.000 geimpfte Säuglinge.

Inzwischen sind beim PEI aus Deutschland 82 Meldungen einer bestätigten Darminvagination eingetroffen. In 68 Fällen konnte der Gesundheitszustand laut PEI wiederhergestellt werden. Bei 12 Kindern (neun männlich, drei weiblich) sei jedoch im Rahmen einer Operation eine partielle Darmresektion notwendig geworden. Fünf dieser Kinder hatten laut PEI neben der vorausgegangenen Rotavirus-Impfung weitere Risikofaktoren für eine Darminvagination: zweimal war dies ein Meckel-Divertikel, einmal eine kongenitale mesenteriale Lücke, einmal ein Lymphom und einmal ein Tumor an der Bauhin’schen Klappe. In zwei weiteren Fällen war zum Zeitpunkt der Meldung der Gesundheitszustand noch nicht wiederhergestellt oder es lagen keine Informationen über den Ausgang vor. Eine Darminvagination mit tödlichem Ausgang, die in Frankreich zur Rücknahme der Impfempfehlung geführt hat, ist in Deutschland bisher nicht berichtet worden.

Die meisten Darminvaginationen treten im Alter von sechs bis zwölf Monaten auf. Eine Impfung ist ab der sechsten Lebenswoche möglich. Die STIKO rät, die Impfserie möglichst frühzeitig, spätestens aber bis zum Alter von 12 Wochen zu beginnen. Bei Rotarix sind zwei Impftermine und bei RotaTeq drei Impftermine erforderlich, zwischen denen jeweils vier Wochen liegen müssen. Die STIKO rät, die Impfungen zügig abzuschließen und die Impfung mit Rotarix möglichst bis um Alter von 16 Wochen (spätestens bis zur 24. Woche) abzuschließen. Bei RotaTeq sollte die Impfung bis zum Alter von 20-22 Wochen (spätestens 32 Wochen) angeschlossen sein.

Das PEI rät den Kinderärzten, die Eltern unbedingt über das mögliche Risiko aufzuklären und ihnen die möglichen Symptome einer Invagination zu nennen. Dazu gehören krampfartige Bauchschmerzen, Nahrungsverweigerung, Erbrechen, ungewöhnliches Schreien und vor allem Absetzen von blutigem Stuhl. Schwere Verläufe könnten durch eine möglichst frühzeitige Behandlung vermieden werden.

© rme/aerzteblatt.de

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