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Politik

Alkohol und Tabak sind die Drogen mit dem größten Schadenspotenzial

Mittwoch, 13. Mai 2015

dpa

Berlin - Jährlich sterben über hundertmal so viele Menschen an Alkohol- und Tabakkonsum wie am Konsum illegaler Drogen. Darauf machte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch in Berlin zur Vorstellung des Jahrbuch Sucht 2015 aufmerksam. 2014 seien 1.230 Drogentote hauptsächlich durch Opiatkonsum gezählt worden, durchschnittlich drei pro Tag. An Alkoholkonsum sterben nach den von der DHS zusammengestellten Zahlen jährlich 74.000 Menschen. Zudem würden an den Folgen des Rauchens zwischen 100.000 und 120.000 Menschen sterben, also insgesamt knapp 300 pro Tag.

Im Jugendschutz ist präventiv noch viel möglich
„Alkohol und Tabak sind und bleiben die Drogen mit dem größten Schadenspotenzial“, erklärte Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der DHS. Der Verband fordert deshalb erneut Begrenzungen des Verkaufs von Alkohol sowie ein Verbot der öffentlich zugänglichen Zigarettenautomaten und eine Lizensierung von Tabakverkaufsstellen. Von den eine Million Zigarettenautomaten in Deutschland ständen 400.000 allein in Deutschland. „Auch im Jugendschutz ist präventiv noch viel möglich, wenn er konsequent angewandt würde“, ergänzte Gabrielle Bartsch von der DHS. Zudem könnte die Besteuerung von Bier und Wein, wie in den skandinavischen Ländern, den Konsum reduzieren.

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„Es lassen sich aber auch Erfolge feststellen“, sagte Gaßmann. So wie die Raucherquote bei Kindern und Jugendlichen heute deutlich geringer sei als noch vor 15 Jahren. Aber die E-Zigarette, die bislang nicht dem Jugendschutz unterliegt, könnte diesen Trend umkehren, befürchtete er. Kinder und Jugendliche übten mit den vermeintlich harmlosen Produkten mit süßen oder fruchtigen Geschmacksrichtungen ein Rauchritual ein, das zum Einstieg in den Konsum von nikotinhaltigen E-Zigaretten oder normalen Tabakprodukten führen könne.

Bis zu 440.000 pathologische Spieler in Deutschland
Die DHS legte einen Schwerpunkt in diesem Jahr auf die Glückspielsucht. „Das größte Problem sind die Geldspielautomaten in Spielhallen und Gaststätten ­ 75 Prozent derjenigen, die eine Suchtberatungsstelle aufsuchen, spielen an solchen Automaten“, berichtete Gerhard Meyer von der Universität Bremen, Institut für Psychologie und Kognitionsforschung. Er verwies auf eine aktuelle Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von 2013 nach der zwischen 200.000 und 440.000 Menschen in Deutschland als pathologische Spieler gelten.

„Studien zeigen, dass Spielersperren pathologische Glücksspieler wirksam schützen können“, erklärte Meyer. In Hessen sei im Mai 2014 ein verbindliches landesweites Sperrsystem eingeführt worden. In den ersten acht Monaten hätten sich dort 7.600 Spieler selbst sperren lassen. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen gebe es keine gesetzlich vorgeschriebene Sperroption. In Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt müssten gefährdete Glücksspieler für jede einzelne Spielhallenkonzession einen Sperrantrag einreichen. „Glücksspielanbieter befürchten einen Rückgang der Einnahmen“, sagte Meyer, „nach internationalen Studien werden bis zu 56 Prozent der Erträge von pathologischen Spielern eingefahren.“ © pb/aerzteblatt.de

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