NewsÄrzteschaftGlobale Epidemien: Ärztetag fordert Einrichtung eines medizinischen Hilfswerks
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Globale Epidemien: Ärztetag fordert Einrichtung eines medizinischen Hilfswerks

Mittwoch, 13. Mai 2015

Tankred Stöbe /Jardai

Frankfurt am Main – Als Reaktion auf die späte internationale Hilfe im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika hat sich der 118. Deutsche Ärztetag heute dafür ausgesprochen, ein staatlich finanziertes und organisiertes medizinisches Hilfswerk einzurichten. Mit Hhilfe eines solchen Pools von speziell ausgebildetem Gesundheits­personal lasse sich effizienter medizinische Soforthilfe in Krisengebieten leisten, heißt es in einem Beschluss.

Außerdem hat sich das Ärzteparlament dafür ausgesprochen, mehr öffentliche Gelder in die Forschung und Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen gegen vernach­lässigte Tropenkrankheiten zu investieren. An die Pharmaunternehmen appellierten die Abgeordneten, trotz voraussichtlich geringer Gewinnmargen gezielte Forschung über diese Krankheiten zu betreiben.

Anzeige

Wichtig sei zudem, dass die Weltgemeinschaft die von einer Epidemie betroffenen Länder umfassend dabei unterstützt, die örtlichen Gesundheitssysteme wieder aufzubauen. Man dürfe nicht übersehen, dass beispielsweise in den von der Ebola-Epidemie betroffenen Staaten in Westafrika die Versorgung anderer Krankheiten vollständig zusammengebrochen sei. Das zeige sich unmittelbar in der gestiegenen Mortalität durch Infektionskrankheiten wie Malaria, durch die fehlende Betreuung bei Schwangerschaft und Geburt sowie durch Kinderkrankheiten, weil Impfkampagnen unterbrochen wurden.

Um Ärztinnen und Ärzten Hilfseinsätze zu erleichtern, forderte der Ärztetag die Bundesregierung auf, die gesetzliche Grundlage dafür zu schaffen, dass diesen eine Freistellung vom Dienst ebenso garantiert wird wie eine Rückkehr an ihren Arbeitsplatz.

Internationale Gemeinschaft hat zu spät reagiert
Zuvor hatte Tankred Stöbe, Vorstand der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, eine Bilanz zum Umgang mit der jüngsten Ebola-Epidemie in Westafrika gezogen. Er erneuerte seine Kritik an der schleppenden Reaktion der internationalen Gemeinschaft. Ärzte ohne Grenzen habe im März 2014 erstmals bekanntgegeben, dass in Guinea Ebola ausgebrochen sei. Ende Juni habe man erklärt, dass die Epidemie außer Kontrolle geraten sei.

Erst im August habe die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) den Ernst der Lage erkannt und den globalen Notstand ausgerufen. Am 22. September habe dann auch die Bundesregierung reagiert. Als das Ebola-Behandlungszentrum von Bundeswehr und Deutschem Rotem Kreuz am 23. Dezember schließlich fertig gestellt war, hätten bereits ausreichende Behandlungskapazitäten bestanden. Dort sei nie ein Ebola-Patient behandelt worden. Das Zentrum werde jetzt für die „normale“ Krankenbehandlung genutzt. Stöbe warf der internationalen Gemeinschaft politisches Versagen vor. Die WHO müsse ihrer Führungsrolle besser gerecht werden.

Medizinische Infrakstruktur der westafrikanischen Länder völlig unzureichend
Ähnlich wie Stöbe erklärte auch René Gottschalk, Leiter des Gesundheitsamtes Frankfurt am Main, dass die Ebola-Epidemie in Westafrika auch deshalb derart außer Kontrolle geraten konnte, weil sie auf Staaten und Gesellschaften traf, deren medizinische Infrastruktur nach Jahrzehnten des Bürgerkriegs völlig unzureichend war. Deutschland sei hingegen für die Bekämpfung viral-hämorrhagischer Fieber gut aufgestellt.

Es gebe sieben Kompetenzzentren, sieben Sonderisolierstationen, die untereinander gut vernetzt seien, sowie zwei funktionsfähige Hochsicherheits­labore. „Unsere Kapazitäten sind ausreichend“, sagte Gottschalk. Als problematisch habe sich beim jüngsten Ebola-Ausbruch jedoch das mangelnde Wissen des Gesundheitspersonals in Deutschland über die Erkrankung erwiesen. Das habe zum Teil zu unbegründeten Ängsten geführt. Viele seien zudem unerfahren im Umgang mit Schutzkleidung.

Gottschalk wies darauf hin, dass Wissenschaftler bereits 1982 nachgewiesen hätten, dass Ebola in Westafrika endemisch ist. Diese Forschungsergebnisse seien aber in einer Fachzeitschrift publiziert worden, die viel zu teuer sei, als dass sie Wissenschaftler in den betroffenen Ländern zur Kenntnis nehmen könnten. „Wissen muss aber den Menschen zur Verfügung stehen, die die Informationen benötigen“, erklärte Gottschalk. © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2020
Silver Spring/Maryland – Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einen Antikörpercocktail der Firma Regeneron zur Behandlung von Ebola-Erkrankungen zugelassen. Der Hersteller hofft auf eine Signalwirkung
Signalwirkung für SARS-CoV-2? FDA lässt Antikörpercocktail für Ebola zu
7. September 2020
Frankfurt – Das Zaire Ebolavirus wird vermutlich durch verschiedene Flughund- und Fledermausarten übertragen. Der Lebensraum dieser Tiere ist in Afrika größer als gedacht. Das berichten
Lebensraum von Ebola-übertragenden Tieren größer als gedacht
2. Juni 2020
Kinshasa – Die Demokratische Republik Kongo hat einen Ebolaausbruch im Nordwesten des Landes vermeldet – nur wenige Wochen bevor es hoffte, das offizielle Ende der Epidemie im ganzen Land ausrufen zu
Neuer Ausbruch von Ebola im Kongo
15. April 2020
Goma − Im Kongo ist ein weiterer Ebolafall aufgetreten. Das siebenjährige Mädchen aus der Stadt Beni ist innerhalb kurzer Zeit der dritte infizierte Mensch, der von den Behörden des
Ebola im Ostkongo weiterhin aktiv
17. März 2020
Berlin/Mainz – Der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer (BÄK) hat den 123. Deutschen Ärztetag abgesagt. Er sollte vom 19. bis 22. Mai 2020 in Mainz stattfinden. „Die Ärzteschaft begrüßt den Beschluss von
Bundesärztekammer sagt 123. Deutschen Ärztetag in Mainz ab
3. März 2020
Johannesburg – Bei der Ebola-Epidemie im Kongo ist nach Auskunft der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) die letzte Patientin entlassen worden. Sie war im ostkongolesischen Beni behandelt worden. „Die
WHO meldet Entlassung von letzter Ebola-Patientin im Kongo
28. Februar 2020
Genf – Im Kampf gegen die Ebola-Epidemie im Kongo gibt es nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) weitere Fortschritte. Wie die WHO gestern Abend mitteilte, wurden zwischen dem 18. und dem
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER