NewsÄrzteschaftDiagnose und Therapie ist urärztliche Aufgabe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Diagnose und Therapie ist urärztliche Aufgabe

Freitag, 15. Mai 2015

Frankfurt am Main - Der Deutsche Ärztetag in Frankfurt hat die Pläne der Bundesre­gierung für einen Direktzugang von Patienten zu Physiotherapeuten abgelehnt.  „Die Stellung einer korrekten Diagnose ist eine urärztliche Aufgabe. Nur auf dieser Grundlage erfolgt die Erstellung eines individuellen Therapieplans“, heißt es in der Entschließung. Die Behandlungen könnten dann an die jeweils zuständigen Berufsgruppen delegiert werden. Die Verantwortung für die Indikation, die Verlaufskontrollen und die Therapieanpassungen liege aber beim Arzt.

Konstruktiv mit Gesundheitsfachberufen zusammenarbeiten
In einer weiteren Entschließung sprach sich der Ärztetag dafür aus, Kooperationen mit Gesundheitsfachberufen konstruktiv zu gestalten. Auch neue akademische Berufsbilder könnten sinnvoll sein, wenn diese dem tatsächlichen Versorgungsbedarf gerecht werden. Voraussetzung sei, dass dadurch keine neue Versorgungsebene mit problematischen Schnittstellen zur ärztlichen Berufsausübung geschaffen wird.

Gegen Substitution ärztlicher Tätigkeiten durch akademisierte Gesundheitsfachberufe
Neue akademische Qualifikationen seien dann sinnvoll, wenn sie geeignete Antworten auf sich entwickelnde medizinische Versorgungsprobleme und reale Erfordernisse des Arbeitsmarktes darstellen. Dies gelte auch für die Studiengänge zum Physician Assistant (Arztassistenten).  Zudem entwickelt die Bundes­ärzte­kammer seit vielen Jahren das Berufsbild der Medizinischen Fachangestellten (MFA) durch Spezialisierungs- und Aufstiegsqualifizierungen weiter, um den vielfältigen Anforderungen in der ambulanten medizinischen Versorgung gerecht zu werden und zugleich das Delegationsprinzip zu optimieren.

Anzeige

Der Ärztetag lehnte die Substitution ärztlicher Tätigkeiten durch akademisierte Gesundheitsfachberufe ab. © EB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #99598
Clemens-X
am Donnerstag, 4. Juni 2015, 02:57

Danke an Nb1date! – Aber es bleibt dabei: Nicht nur Ärzte können diagnostizieren!

Ich danke Nb1date für den Link:
http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=2417
Zu ungefähr 90% bin ich der gleichen kritischen Meinung, wie sie dort in Bezug auf Psychotherapie geäußert wird. Ich war mal Mitglied in einem der größten Heilpraktikerverbände Deutschalands mit zurzeit fast 10.000 Mitgliedern. Ich wagte es, mit den Vorsitzenden in eine Diskussion um Qualitätsmanagement, Qualitätssicherungs- und Zertifizierungsmöglichkeiten und einzutreten. Am Ende erheilt ich nahezu in Klartext: Man wolle solche Qualitätsmaßnahmen nicht einführen, denn damit würde der Beruf Heilpraktiker nur für entsprechend gebildete Menschen zugänglich. Der Verband möchte jedoch den Zugang zu diesem Beruf für jeden offen halten!
Ich hätte schreien können, als ich das hörte. Als Konsequenz bin ich sofort aus dem Laden ausgetreten. Ich erkannte, dass dieser Verband gar keine echte Interessenvertretung für Heilpraktiker ist, sondern lediglich einen Marketing-Kanal darstellt, um neue Kunden für die mit dem Verband eng vebundenen Heilpraktikerschulen zu gewinnen!
Und würde man tatsächlich Wert auf Qualität legen, dann müsste man die Dozenten in dieser "eine der größten Heilpraktikerschule Deutschlands" besser bezahlen. Für das miese Honorar bekommt man natürlich keine qualifizierten und engagierten Menschen. Qualität schmälert also dort den Profit. Und die Profitmacherei ist das oberste Ziel, sowohl bei der Schule als auch bei dem "Berufs"-Verband! Und die Mitglieder werden getäuscht, man hätte hier eine Interessenvertretung gegenüber der Politik und der Ärzteschaft.
Und es stimmt: Fast alle Heilpraktikerschulen versprechen die tollsten beruflichen Chancen und Zukunftsaussichten, beschränken die Ausbildung aber darauf, dass man "die Prüfung schafft". Dieses begrenzte Wissen reicht keinsfalls dazu aus eine seriöse Psychotherapie zu erbringen!

Man sollte aber auch offen sagen, dass es anerkannte Ausbildungsinstitute für Therapieverfahren meist nur für approbierte Kollegen zugänglich sind, sodass nicht einmal engagierte Heilpraktiker sich qualifizieren könnten.
Auch ich musste mir mein Fachgebiet, die Schematherapie, mit dem Selbststudium zahlreicher Fachbücher und der vorsichtigen Erprobung in der laufenden Praxis erschließen. Dabei hatte ich jedoch den großen Vorteil, bereits in der Rolle als Patient in einer psychosomatischen Klinik die Schematherapie kennen gelernt zu haben. Diese Erfahrungen waren für mich enorm wertvoll und ermöglichen mir heute, eine hocheffiziente Arbeit zu machen.
Meine Qualitätssicherung erfolgt lückenlos durch Fragebögen am Ende jeder Therapie- oder Beratungsstunde. Die statistische Auswertung davon veröffentliche als "Klientenzertifikat" auf meiner Website. Mehr Qualität und (auch für Laien) nachvollziehbare Aussagen und mehr Transparenz geht nicht.

Dennoch möchte ich am Ende meines kommentars nochmals darauf aufmerksam machen: Ich hatte keine Diskussion über die Qualifikation von Heilpraktikern eröffnen wollen, sondern darauf hinweisen wollen, dass ich es arrogant udn anmaßend finde, wenn einige ärztliche Kollegen für sich das Monopol reklamieren, diagnostizieren zu können. Es ist und bleibt Tatsache: Viele andere approbierte und nicht approbierte Menschen dürfen und können ebenfalls Diagnosen stellen und Therapiepläne aufstellen!

Clemens M. Hürten - Heilpraktiker der Psychotherapie
www.lebenslust-jetzt.de
Avatar #699319
Riane
am Mittwoch, 27. Mai 2015, 12:09

Direktzugang von Patienten zu Physiotherapeuten

"konstruktive Kooperationen mit Gesundheitsfachberufen" klingt schon sehr vernünftig
Avatar #88255
doc.nemo
am Dienstag, 26. Mai 2015, 11:56

Beweisaufnahme...


...in Sachen Homöopathie: Norbert Aust liefert derzeit die besten und fundiertesten Argumente gegen pseudowissenschaftlichen Aberglaube, nicht nur bezüglich der Homöopathie, sondern auch zu anderen esoterischen Glaubenssystemen. Er hat sich wirklich die Mühe gemacht, alle maßgeblichen Studien, die von Gläubigen immer wieder zitiert werden, nach wissenschaftlichen Kriterien zu untersuchen. Das Ergebnis ist desaströs - für die H. Danke an Norbert Aust für diese Arbeit!
Avatar #699349
BlimDlam
am Samstag, 23. Mai 2015, 18:44

Danke

Danke, der Link von Nb1date ist wirklich interessant.
Avatar #612077
EEBO
am Freitag, 22. Mai 2015, 23:43

Antwort

1. Ich habe eine Verschiebung des Diskussionsthemas verursacht. Das tut mir leid, und ich entschuldige mich dafür. Allerdings hatte ich Clemens-Xs ersten Beitrag so aufgefaßt, daß er die Zulassung von Heilpraktikern im GKV-System zur Debatte stellt. Danke für Ihre Klarstellung.
2. Wenn viele Ärzte und Heilpraktiker bestimmte Verfahren gleichermaßen anwenden, die auch Heilpraktiker gerne nutzen, ist dagegen nichts einzuwenden, aber natürlich werde ich auch ärztliche Kollegen kritisieren, wenn sie Verfahren anbieten, die fragwürdig sind (und womöglich von den Patienten noch selbst gezahlt werden müssen) - was denn sonst?
3. Dank an Nb1date für den Link. Der Inhalt des Blogs mag zwar polemisch daherkommen, aber als Orientierung ist er trotzdem gut geeignet.
4. Beispiele für verantwortungloses ärztliches Handeln (im vorliegenden Fall als "Alternativmedizin" deklariert), habe ich erst letzte Woche erlebt, als ein junger Familienvater nicht nur um viel Geld, sondern auch seine Gesundheit gebracht wurde - er wird sein Kind wohl nicht mehr aufwachsen sehen. Dennoch dürften die dafür verantwortlichen Ärzte mutmaßlich die mündliche HP-Prüfung bestehen, denn sie ist reine Theorie und mit allgemeinmedizinischem Grundwissen wohl zu meistern (zumindest, wenn man den im Blog verlinkten Prüfungsprotokollen folgt).
5. Ich stimme Staphylococcus rex ausdrücklich zu, was die diversen Fallstricke der Kompetenzabgabe anbelangt. Trotzdem muß mir der Ton des Beschlusses des Ärztetags nicht ganz gefallen; etwas mehr Teamgeist würde uns Ärzten guttun (immerhin arbeite ich in meiner Klinik ja auch eng mit Nichtärzten zusammen und schätze deren Erfahrung und auch eigenverantwortliches Handeln in bestimmten Beriechen).
Avatar #648552
Nb1date
am Freitag, 22. Mai 2015, 12:36

Ausbildung Heilpraktiker

http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=2417

Sehr schöne und lesenswerte Übersicht zur Qualität der Ausbildung von Heilpraktikern in Deutschland.
Avatar #99598
Clemens-X
am Donnerstag, 21. Mai 2015, 14:48

Antwort an EEBO

Ich hatte lediglich die Behauptung und Forderung bestimmter führender Ärzte kritisiert, die sich das Exklusivrecht für DSiagnose und Therapie zuschreiben wollen.

Eine Diskussion darüber, ob Heilpraktiker in das GKV-System „eingeschleust” werden sollten, habe ich nie anzetteln wollen, denn dieses Thema stellt sich grundsätzlich nicht: Die meisten Heilpraktiker (und ich ebenfalls) möchten mit dem GKV-System nichts zu tun haben. Die Vorgaben des GKV-Systems mitsamt SGB-V usw. führen fast zwangsläufig zu den Fehlentwicklungen Missständen, die wir heute beobachten:

Enorme Geldmittel verschwinden nutzlos in den Taschen eines aufgeblähten Funktionärs- und Verwaltungsapparats.

Die creativ-therapeutische Arbeit wird erstickt und unsinnigen, ineffizienten QM-Systemen und Verwaltungs- / Abrechnungsaufwand.

Unsäglich aufwendige Regelungen zur Budgetierung, Fallpauschalierung, Deckelung von Mitteln machen den Therapie-Alltag zur Qual.

Und gerade im Bereich Psychotherapie wird die „Lehrmeinung” in den Fachbüchern und die Festlegung in Leitlininen massiv von der Pharma-Industrie korrumpiert. Die unseligen intensiven Verbindungen zwischen DGPPN, Universitätskliniken und deren Drittmittel-Finanzierung sowie der Politik lassen das Ausmaß der Korruption erahnen!

Ich müsste wirklich verrückt sein, wenn ich mich als Heilpraktiker dafür engagieren würde, um in diesen Sumpf einbezogen zu werden!!!

Schade finde ich, dass Sie (EEBO) zusätzlich in die Diskussion unnötige und unsachliche Seitenhiebe glauben einfügen müssen:
Dass es den Beruf des Heilpraktiker so nur in Deutschland gibt, ist historisch bedingt, sagt aber nichts über die Qualität der Berufszugehörigen aus. Sie stellen dies aber so dar!
Zudem ist diese Behauptung unrichtig, denn naturheilkundliche Heilpraktiker dürfen sehr wohl in vielen Schweizer Kantzonen arbeiten.

Das „herzliche Gelächter” über die Qualität oder das Anspruchsniveau einer Heilpraktikerprüfung dürfte Ihnen vergehen, wenn Sie mal eine mündliche Prüfung mitgemacht haben! Die schriftliche Prüfung mit MultipleChoice-Fragen dient doch lediglich dazu, untaugliche Kandidaten von der mündlichen Prüfung fern zu halten.

Die Argumentation von Aura und Globuli entspricht Bildzeitungsniveau. Haben Sie das nötig? Ist Ihnen unbekannt, dass es zahlreiche wirklich wirkungsstarke Verfahren gibt, die sogar auch von Allgemeinmediziniern mit naturheilkundlicher Zusatzausbildung praktiziert werden? Z.B. Akupunktur, Akupressur, Darmsanierung und Vieles mehr. Verunglimpfen Sie mit Ihren Äußerungen dann nicht auch Ihre ärztlichen Kollegen, die auch naturheilkundlich arbeiten?

Ebenfalls übersehen Sie bereitwillig, dass jeder Heilpraktiker ausgiebig Differentialdiagnostik beherrschen muss und wissen muss, wann er eine ärztliche somatische Abklärung anfordern muss. In diesen Fällen ist tatsächlich der approbierte Kollege gefragt. Aber dies ist doch kein Qualitätsmangel speziell bei Heilpraktikern! Jeder approbierte Kollege (Psychotherapeut) ist ebenso dazu verpflichtet, je nach Beschwerdebild eine medizinische Abklärung zur Differentialdiagnostik zu veranlassen, ehe er zu therapieren beginnt. Warum fiel es Ihnen leicht, in Ihrem Beitrag so zu tun, als ob diese Diagnostik von Heilpraktikern nicht praktiziert würde?

Und dass Heilpraktiker dem gleichen Patientenrechtegesetz und der gleichen Sorgfaltspflicht und vielen anderen Vorgaben in gleicher Weise unterliegen, wie ärztliche / approbierte Kollegen, und daher unter vielem Anderen auch eine einwandfreie Dokumentation führen müssen lassen Sie ebenfalls außen vor. Warum? Um abzulästern?


Das Beste zum Schluss:
Wenn ich die glaubhaft nachvollziehbaren Aussagen meiner bisherigen Klienten heranziehe, in denen sie über krasseste Therapiefehler approbierter Kollegen einschließlich der Zustände in Kliniken berichten, dann gehört zahlreichen approbierten Kollegen schlichtweg die Zulassung entzogen!!! – Beispiele gefällig?

2 Jahre lang maximal-dosiertes Citalopram ohne jegliche Ziwschenkontrollen von Blutbild und ohne jegliche Gespräche verordnet.

3 Jahre lang dto jedoch Verordnung von Risperidon, was zudem in diesem Fall kontraindiziert war.

1,5 Jahre lang Verordnung von Tavor, ohne jegliche Zwischenkontrolle oder Gespräche

(Diese Verordnungen erfolgten in einer Praxis, die im Kreis Rottweil auch unter Approbierten spöttisch als „Drogenverteilstelle” bezeichnet wird!)

In zwei Fällen haben approbierte Kollegen munter drauf los therapiert, ohne Depressivität und Suizidalität abzuklären! Damit hätten diese Kollegen nicht mal die Heilpraktikerprüfung bestanden!!! (die ja Ihrer Meinung nach so lächerlich ist).

Clemens M. Hürten – Lebenslust jetzt!
Praxis für Beratung und Psychotherapie, Rottweil
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 18. Mai 2015, 00:59

Wozu ist der Arzt da?

Bei der Diskussion um die Delegierbarkeit ärztlicher Leistungen könnte man folgendes postulieren: Viele Beschwerden bessern sich spontan aufgrund der Selbstheilungskräfte des Körpers. Ein weiterer Teil der Beschwerden kann durch Suggestivkräfte gebessert werden. Das heißt, bei über 50% der Arzt-Patienten Kontakte ist es völlig egal was der Arzt tut, solange er nicht aktiv schadet, wird es dem Patienten besser gehen. Wenn dann noch etwas Kräuterkunde dazu kommt, hat man genau das, was Medizinmänner die ganze Menschheitsgeschichte getan haben. Und genau dieses Prinzip machen sich die Heilpraktiker heute zunutze und haben sicher auch ihre Erfolge damit.

Das Problem an diesem Konzept ist der Anteil an den Patienten, denen damit nicht geholfen wird und denen vielleicht auch noch die Zeit davon läuft. Heutzutage gibt es nicht den Arzt, der alles kann (wenn das jemand von sich behauptet, dann würde ich einen riesigen Bogen um die betreffende Person machen), sondern es gibt viele Fachrichtungen, und der Zweck der ärztlichen Tätigkeit besteht darin, sich innerhalb der Grenzen des eigenen Fachgebiets zu bewegen und der Sinn der Ausbildung besteht darin diese Grenzen zu erkennen. Darin besteht auch der Sinn des Aufrufs zur Kooperation im o.g. Artikel.

Deshalb ist die ganze Diskussion hier völlig überflüssig, selbstverständlich dürfen Physiotherapeuten und Psychotherapeuten diagnostizieren und therapieren, selbstverständlich können sie bestimmte Dinge besser als der Hausarzt, aber ihnen fehlt ein Großteil des medizinische Fachwissens, und bisher sind sie nur verpflichtet als Ausführende in ihrem Fachbereich zu arbeiten. Die Delegierung von Diagnostik und Therapie würde bedeuten, dass der Arzt seine Lotsenfunktion abgibt. Spätestens dann, wenn sich der Behandlungserfolg nicht einstellt und die Angelegenheit vor dem Richter landet, gilt der „Facharztstandard“. Und der kann nun einmal nur durch ein mehrjähriges Studium und mehrjährige fachspezifische Weiterbildung erworben werden. Und solange es keinen Direktzugang gibt, muß der überweisende Arzt als Lotse für die Steuerung bzw. Überweisung des Patienten gerade stehen.

Bei der ganzen Diskussion um die „Fleischtöpfe“ der KV möchte ich aber auch vor den Risiken und Nebenwirkungen warnen: das ist ein hochreglementiertes Minenfeld: Budgetierung, Berufshaftpflicht, Weiterbildungsnachweise, Dokumentationspflichten etc. Wer auf eine Gleichbehandlung mit Ärzten hofft, sollte sich auch mit diesen Fragen auseinandersetzen.
Avatar #612077
EEBO
am Sonntag, 17. Mai 2015, 11:33

Glücklich bin ich über diesen pauschalisierenden Beschluß auch nicht.

Ich bin nicht auf dem Wege zum Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, so daß ich aus den vielen verordnungsfähigen Heilmitteln immer das richtige für den einzelnen Patienten herausfinden könnte. Insofern ist hier auf jeden Fall die Zusammenarbeit mit den Physiotherapeuten gefragt, und sicherlich wäre die Möglichkeit sinnvoll, eine Art von "Blanko"-Verordnung für eine bestimmte Erkrankung ausstellen zu dürfen, so daß der Physiotherapeut dann das am besten geeignete Behandlungsverfahren heraussuchen kann (genauso haben wir es lange Zeit im Krankenhaus bei unseren stationären Patienten gemacht). Es sollte trotz allem eine ärztliche Verordnung zur besseren Koordination geben, und ja, auch ich stehe dazu, daß in anderen im Beschluß angesprochenen Bereichen, der Arzt "den Hut aufhaben sollte", gerade auch aus dem Grund der Verantwortlichkeit und aus Haftungsfragen (zumal ich mir nicht vorstellen kann, daß "Schwester Agnes" eines Tages vor Gericht als Hauptverantwortliche den Kopf hinhalten mag, wenn etwas schiefgelaufen ist).
Aber natürlich kann jeder Mensch, dem lauthalsen Beschluß des Ärztetages zum trotz, auf private Rechnung Krankengymnastik durchführen lassen, die dann aber von der GKV nicht bezahlt werden wird.
Und hier sehe ich das eigentliche Problem: Der Ärztetag beschäftigt sich mit einem Thema, das vor allem die niedergelassenen Kassenärzte angeht - und leistet erfreuliche Schützenhilfe zur Verteidigung der Fleischtöpfe, auch als Budgets bekannt.

Aber: Den Auslassungen von Clemens-X kann ich dennoch nicht zustimmen! Den Heilpraktiker letztlich über die Hintertür in das GKV-System einzuschleusen, ist wahrlich luzide. Fragen über Fragen, so z.B: warum es in anderen Ländern gar keine vergleichbaren Berufe gibt, aber auch herzliches Gelächter über den Versuch einer Legitimation über die Heilpraktikerprüfung: Wenn sich jeder mit Hauptschulabluß und einwandfreiem Führungszeugnis ohne weitere normierte Ausbildung zur Prüfung anmelden kann, u n d dann noch die therapeutischen Verfahren von A wie Aura Soma bis Z wie Zuckerkügelchen weder wissenschaftlichen Kriterien genügen, noch wirklich definiert ist, wann welches zum Einsatz kommen soll, dann bleibt als "hartes", gerichtsfestes Kriterieum für Prüfungsfragen neben den rechtlichen Grundlagen eben nur die Diagnostik. Meiner Meinung nach ein kümmerliches Surrogat. Und die hohen Durchfallquoten - hach ja, ich habe mir mal die Mühe gemacht, MC-Musterfragen zu lösen, und siehe da: Für einen Arzt sind sie halt nicht schwer. Aber wenn jemand ohne wirkliche Kenntnisse versucht sie anzugehen, könnte das ganze wohl in einem Desaster enden.
Nota bene: Auch ich kenne vernünftige, gut ausgebildete Heilpraktiker, und ich werde das auch Clemens-X nicht absprechen. Aber auf dass grobe ganze greift seine Argumentation nicht.
Avatar #99598
Clemens-X
am Samstag, 16. Mai 2015, 22:41

...kleine Ergänzung zu meinem Beitrag und Frage

Äußern sich da vielleicht die gleichen Herrschaften, die bei Verhandlungen über die Verteilung der Honorare regelmäßig dazu beitragen, dass ihre nichtärztlichen Kollegen (Psychotherapeuten) ständig krass benachteiligt werden, sodass für sie selbst ein immer größeres Stück vom Kuchen abfällt?
Avatar #99598
Clemens-X
am Samstag, 16. Mai 2015, 22:32

Überheblichkeit und Selbstherrlichkeit bestimmter Ärzte???

Darf ich in Erinnerung rufen, dass es nichtärztliche Psychotherapeuten gibt?
-- diese Kollegen diagnostizieren auch!

Darf ich in Erinnerung rufen, dass es Heilpraktiker (egal welcher Spezialisierung oder Nicht-Spezialisierung) gibt?
-- Prüfungsschwerpunkt ist bei ihnen immer, dass eine einwandfreie Diagnsotik beherrscht wird. (Deshalb auch die hohen Durchfallquoten bei den Prüfungen.)

Darf ich in Erinnerung rufen, dass Physiotherapeuten mit Zulassung als Heilpraktiker gibt, die also zusätzliche umfangreiche Qualifikatioen erworben haben?
-- auch diese dürfen Diagnostizieren!

Angesichts der an allen Ecken und Enden bestehenden Unterversorgung im Gesundheitswesen und dem zugleich politisch vorherrschenden Kaputt-Sparwahnsinn, der das Gesundheitswesen weiter in den Ruin treibt, wäre es an der Zeit, dass auch bei den Ärzten mit Standesdünkeln die Einsicht reift, dass man gemeinsam mehr erreicht, statt die eigenen Pfründe mit dubiosen Argumenten aggressiv zu sichern!

Die gleiche Arroganz, Überheblichekeit und Selbstherrlichkeit erlebe ich als Heilpraktiker der Psychotherapie bei erschreckend vielen approbierten Kollegen, wenn ich sie um Zusammenarbeit bitte, z.B. wenn kurzfristige ambulante Psychotherapie erforderlich wäre, aber kein Therapieplatz erreichbar ist, der Patient aber zur Selbstzahlung bereit wäre, ihm aber das volle Privathonorar eines approbierten Kollegen nicht möglich wäre (das kommt ziemlich oft vor und auch, dass manchen Kollegen ohne Kassenzulassung eine Therapie im Kostenerstattungsverfahren wegen des bürokratischen Aufwands unakzeptabel erscheint).

Teile und herrsche ist das Motto der Herrschenden, denen es nur Recht sein kann, wenn sich die Leistungserbringer im „Gesundheitsmarkt” gegenseitig angreifen statt gegen die Machenschaften der Obrigkeit gemeinsam vorzugehen.

Tja, manche begreifen die Zusammenhänge trotz (oder gerade wegen?) des Studiums nicht! Und das ist schade.

Clemens M. Hürten (Heilpraktiker der Psychotherapie)
Lebenslust jetzt! - Praxis für Beratung und Psychotherapie
Avatar #104572
Schildkroete
am Samstag, 16. Mai 2015, 07:48

Diagnose und Therapie ist urärztliche Aufgabe oder der Witz des Tages?


Das ist alles schön und gut, wenn

1. es genug Ärzte geben würde.
2. Ärzte Krankheiten, wie z.B. die ADHS akzeptieren und auch behandeln würden.
3. auch Therapeutenkammern/-Vorsitzende wie auch die KVen Fortbildungen für Ärzte und z.B. Therapeuten forcieren statt abzuschmettern.

Und genau bei 3. führt es weiter in den Teufelskreis hinein.
Forcierung der Fortbildungen würde bedeuten, dass von den KVen z.B. die ADHS "akzeptiert" werden würde. Statt, wie bisher in einigen Regionen üblich, Ärzte zu verunsicheren, dafür zu "sorgen", dass Ärzte trotz vorliegendem Befund die notwendigen Medikamente nicht verschreiben, Ärzte dafür nicht honoriert werden. Resultierend aus der "Akzeptanz" der KVen etc. würde für die KVen wiederum bedeuten, dass die Ärzte etc. entsprechend honoriert werden.

Viele Ärzte sind jetzt schon völlig überlaufen. Termine, die notwendig wären, wie z.B. einer ADHS bedürfen einer ellenlangen Wartezeit. Wenn die Betroffenen dann endlich einen Termin haben, mit viele Glück diagnostiziert sind, statt direkt mit AD über Jahre (!) hinweg "behandelt" zu werden - auch wenn manchmal notwendig - und dann keine Termine und fachliche Anlaufstellen da sind, wo sie aufgeklärt und behandelt werden. Wartelisten mit einer Wartezeit von bis zu 2 Jahren, sofern es überhaupt Wartelisten gibt und mancher Arzt nicht von vornherein sagt, dass er/sie keine neuen Patienten mehr aufnimmt.

Das dies z.B. bei der ADHS-Behandlung tatsächlich an der absolut miesen Bezahlung hängt steht außer Frage. Woraus dann auch die geringe Zeit für die Patienten resultiert. Ärzte, die sich damit auseinandersetzen und auch fachlich fundiert darauf eingehen, aus dem eigenen Portemonaie drauf legen, sofern sie nicht andere "Kniffe" anwenden, damit die Leistung bezahlt wird.

Ich denke, es soll den Menschen geholfen werden. Warum auch nicht in diesem Bereich?!

Warum stellen sich die Ärzte nicht auf die Hinterbeine um vernünftig bezahlt zu werden, mit dem Hintergrund die Patienten richtig behandeln zu können?! Statt die ADHS womöglich zu negieren, Patienten/Betroffene zu verunsichern, im Regen stehen zu lassen und sich Ärzte womöglich "wundern", wenn diejenigen wieder auf der Matte stehen mit anderen Begleiterkrankungen. Trotz hinreichender Studienlage.

Es kann nicht sein, dass Betroffene sich zum "Experten" machen müssen oder Hilfestellungen und Wissensvermittlung, Wissen, welches von Ärzteseite zu erfolgen hat, über die Selbsthilfe bekommen. Selbsthilfe, welche rar gesät ist und auch hier ein Schwund, aufgrund zeitlicher Not, zu verzeichnen ist.

Es heißt Hilfe zur Selbsthilfe. Sprich Erfahrungsaustausch, Hilfestellungen in Form von "was hat dir geholfen (Strategien, Umgang mit einem Selbst wie auch mit den Betroffenen und Umfeld/Schule etc), könnte es auch etwas für mich sein".
Viele haben gar nicht die Möglichkeit sich das nötige fachlich fundierte Wissen anzueignen, da es auch mittlerweile zu viele „Fachleute“ gibt, die zB. die ADHS zum Geschäft gemacht haben.

Ideen, Beschlüsse sind gut. Aber wo und wann ist die Umsetzung?
Wann gibt es mehr Ärzte?
Wann werden zum Studieren nicht nur der NC herangezogen, sondern z.B. auch der EQ und die soziale Kompetenz mit einbezogen? Damit es auch Ärzte gibt, die nicht nur "Fachidioten" (mal überspitzt gesagt) sind, sondern denen ihr Job auch Spaß macht, sie mit den Patienten menschlicher (einfühlsamer) umgehen und auch gewillt sind sich neuen Themen zu widmen und in Betracht zu ziehen. Betrifft nicht nur die medizinischen, sondern alle sozialen Studiengänge.
Würden zur Zulassung zum Studieren vorgenannte Punkte mit einbezogen werden, statt nur auf den NC zu schauen, würden mindestens 50% der aktuell in den medizinischen und sozialen Studiengängen zugelassenen Studierenden keine Zulassung erhalten.

Die Leidtragenden sind dabei die Patienten/Betroffenen.

Es wäre gut, wenn sich hier mehr tun würde.
Grundsätzlich ist der Titel und der Hintergrund richtig und notwendig, da es leider immer mehr "Fachleute" gibt, die sich etwas auf die Fahne schreiben und im Endeffekt keine Ahnung haben, oder nur den Betroffenen/Patienten das Geld mit irgendwelchen "(Heils)Versprechen" aus der Tasche ziehen. Sich an den Betroffenen/Patienten bereichern. Woher sollen die Patienten wissen, was richtig oder falsch ist? Denn sie vertrauen logischerweise, sonst würden sie nicht zu bestimmten Anlaufstellen, auch aus der Not heraus, hingehen.

Insgesamt müssen unter der "Gesundheitspolitik" die Betroffenen/Patienten leiden. Betroffene /Patienten, welche Hilfe, auch in Form von Aufklärung erwarten, weil sie auch nötig ist.

Bei z.B. Krebs wird jeder Patient, wie auch die Angehörigen, entsprechend aufgeklärt, Entstehung, die Folgen, Für und Wider der notwendigen Medikamenten und Therapien - auch psychotherapeutisch - , weitere Anschlussbehandlungen, zu achten auf .... usw. Warum nicht auch bei der ADHS?!
LNS

Nachrichten zum Thema

15. November 2019
Berlin – Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Berufsgruppen in der medizinischen Versorgung ist ein wesentlicher Faktor für den Behandlungserfolg. Darauf haben Assistenzärzte und Medizinstudierende
Interprofessionelle Kommunikation will gelernt sein
14. November 2019
Berlin – Der Bundestag hat heute eine Reform der Ausbildung von pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) verabschiedet. Damit soll die Ausbildung an die derzeitigen Anforderungen in der
Bundestag verabschiedet PTA-Reformgesetz
7. November 2019
Berlin – Der Bundestag hat neue Ausbildungsregeln für änästhesietechnische und operationstechnische Assistenten (ATA/OTA) verabschiedet. Union, SPD und Grüne stimmten bei Enthaltung der übrigen
Bundestag verabschiedet einheitliche Ausbildungsregeln für Assistenzberufe im OP
21. Oktober 2019
Berlin – Die geplante Ausbildungsreform für Anästhesietechnische und Operationstechnische Assistenten (ATA, OTA) stößt bei Experten auf viel Zuspruch. Das geht aus der Anhörung zu einem entsprechenden
Viel Zuspruch für Reform der Anästhesie- und OP-Assistenzausbildung
4. September 2019
Düsseldorf – Das Interesse von Jugendlichen an der Gesundheitsbranche ist weiterhin vorhanden. Das zeigt eine Schülerbefragung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) unter rund 500 Schülern.
Jeder vierte Schüler findet Gesundheitsbranche interessant
2. September 2019
Berlin – Der CDU-Abgeordnete Roy Kühne hat sich in einem Brief an die Vorstände des GKV-Spitzenverbands, des AOK-Bundesverbands und des Verbands der Ersatzkassen (vdek) für weitere Erleichterungen für
CDU ruft nach Entlastung von Heilmittelerbringern
28. August 2019
Berlin – Das Bundeskabinett hat heute eine Ausbildungsreform für pharmazeutisch-technische Assistenten (PTA-Reformgesetz) beschlossen. Das Vorhaben ist nach Angaben der Bundesregierung Teil der
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER