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Medizin

Prostatakrebs: Frühe Chemotherapie verlängert Leben

Freitag, 15. Mai 2015

Coventry - Die Erweiterung der hormonablativen Therapie um eine frühzeitige Chemotherapie mit Docetaxel könnte die Überlebenszeit von Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Prostatakarzinom verlängern. Dies zeigen die Ergebnisse einer randomisierten klinischen Studie, die demnächst auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt werden.

Derzeit erhalten Patienten, die unter einem nicht mehr kurativ zu behandelnden Prostatakarzinom leiden, eine hormonablative Therapie. Dabei wird - früher durch eine chirurgische Entfernung der Hoden, heute in der Regel durch eine medikamentöse Kastration – die Testosteronproduktion im Hoden blockiert. Mit dem Ausfall der Hormone (Androgendeprivation) kann das weitere Wachstum des Tumors vorübergehend gestoppt werden. Mit einer Chemotherapie wird erst begonnen, wenn ein Anstieg des PSA-Wertes ein erneutes Tumorwachstum anzeigt. Diese allgemein anerkannte Strategie wurde auf der letzten Jahrestagung des ASCO durch die Ergebnisse der CHAARTED-Studie infrage gestellt.

In der randomisierten Studie hatte die Hälfte der 790 Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom zusätzlich zur Androgendeprivation maximal 6 Zyklen einer Chemotherapie mit Docetaxel erhalten. Nach den von Christopher Sweeney vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston im letzten Jahr auf der ASCO-Tagung vorgestellten Ergebnissen verlängerte die Chemotherapie die durchschnittliche Überlebenszeit der Patienten um fast 14 Monate.

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Bei Patienten mit ausgedehnten Metastasen waren es sogar 17 Monate. Diese Ergebnisse standen im Gegensatz zu den zuvor publizierten Ergebnissen der franko-belgischen GETUG-AFU 15-Studie. Dort hatten zusätzliche maximal 9 Zyklen Docetaxel gegenüber einer alleinigen Androgendeprivation lediglich das progressionsfreie Überleben verlängert, nicht aber das Gesamtüberleben (Lancet Oncology 2013; 14:149-58).

Seither wird von Experten diskutiert, ob den Patienten zu einer frühzeitigen Chemotherapie mit Docetaxel begleitend zur Androgendeprivation geratenen werden soll. Der Arbeitskreis Onkologie (AKO) und die Arbeitsgemeinschaft urologische Onkologie (AUO) kamen zu dem Schluss, dass die Therapie den Patienten „off-label“ angeboten werden kann. Sie ist derzeit aber nicht Bestandteil der Leitlinien.

Ende des Monats werden Nicholas David James von der Universität Warwick in Coventry die Ergebnisse einer dritten Studie zu der Fragestellung vorstellen. Es handelt sich um ein Teilergebnis der STAMPEDE-Studie (Systemic Therapy in Advancing or Metastatic Prostate Cancer: Evaluation of Drug Efficacy). An der größten randomisierten Studie, die jemals zur Behandlung des Prostatakarzinoms durchgeführt wurde, haben seit 2005 mehr als 6.500 Patienten teilgenommen. Darunter waren 2.962 Patienten, bei denen eine Androgendeprivation neu begonnen werden sollte. Es gab hier vier Studienarme. Im ersten erhielten die Patienten eine alleinige Androgendeprivation, in den anderen Gruppen war die Androgendeprivation mit 6 Zyklen Docetaxel, mit Zoledronsäure oder mit beiden Wirkstoffen kombiniert.

Nach einer medianen Beobachtungszeit von 42 Monaten sind 948 Patienten gestorben. Wie aus dem bereits jetzt veröffentlichten Abstract hervorgeht, lebten die Patienten, die Docetaxel erhalten hatten, zehn Monate länger als bei einer alleinigen Androgendeprivation (77 versus 67 Monate). Die Hazard Ratio betrug 0,76 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,63 bis  0,91 statistisch signifikant.

Die frühzeitige Chemotherapie war zwar mit zusätzlichen Nebenwirkungen verbunden, die allerdings nur wenige Teilnehmer zum Abbruch der Behandlung veranlasste. Für James ist die Therapie deshalb eine Option für alle Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom. Da die Chemotherapie auch das Rezidivrisiko senkte, könnte sie nach Ansicht des britischen Experten auch für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom infrage kommen, bei denen es noch nicht zur Entwicklung von Fernmetastasen gekommen ist. Die Behandlung  mit Zoledronsäure wirkte sich dagegen nicht auf die Überlebenszeit aus.

Die ASCO zählt die Studie zu den wichtigsten ihrer diesjährigen Tagung. Die britische Stiftung Cancer UK bewertete die Ergebnisse in einer ersten Stellungnahme positiv. Beobachter erwarten, dass es in den nächsten Monaten zu Diskussionen über den derzeitigen Therapiestandard kommt. © rme/aerzteblatt.de

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