NewsMedizinDiabetes: Ketoazidose durch SGLT2-Inhibitoren
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Diabetes: Ketoazidose durch SGLT2-Inhibitoren

Dienstag, 19. Mai 2015

Silver Spring – Die US-Arzneibehörde warnt vor dem möglichen Auftreten einer schweren Ketoazidose unter der Therapie mit SGLT2-Inhibitoren wie Canagliflozin, Dapagliflozin und Empagliflozin. Anlass sind 20 Zwischenfälle, die dem Adverse Event Reporting System der FDA (FAERS) zwischen März 2013 (der Zulassung des ersten SGLT2-Inhibitors) und dem 6. Juni 2014 gemeldet wurden.

SGLT2-Inhibitoren hemmen die Rückresorption von Glukose in der Niere, was zu einer vermehrten Glukose-Ausscheidung über den Harn führt und den Blutzuckerspiegel senkt. Die Medikamente sind nur zur Behandlung des Typ 2-Diabetes zugelassen, Diabetologen setzen sie gelegentlich auch zur Behandlung des Typ 1-Diabetes ein, wo die SGLT2-Inhibitoren die Wirkung von Insulin unterstützen können (Diabetes Care 2015; 38: 412-419). In der Praxis dürfte dies allerdings selten geschehen, weshalb es bemerkenswert ist, dass unter den 20 FAERS-Meldungen einige laut FDA auch Patienten mit Typ 1-Diabetes betrafen.

Bei der Mehrzahl scheint es sich jedoch um Patienten mit Typ 2-Diabetes gehandelt zu haben. Dies ist ungewöhnlich, da die Ketoazidose normalerweise eine Komplikation des Typ 1-Diabetes ist. Auslöser ist ein absoluter Insulinmangel (Menschen mit Typ 2-Diabetes haben in der Regel erhöhte Insulinkonzentrationen). Da die Glukose nicht verwertet werden kann, verbrennt der Körper sie zu Ketonkörpern. Der Blutzuckerspiegel steigt stark an. Patienten mit Typ 1-Diabetes und eine Ketoazidose haben Blutzucker­werte von 250 mg/dl und höher. Bei den 20 FAERS-Meldungen lagen die Blutzuckerwerte unter 200 mg/dl. Dennoch bestand eine ausgeprägte metabolische Ketoazidose mit einer Anionenlücke und einer erhöhten Konzentration von Ketonkörpern in Blut und Urin.

Anzeige

Die Ketoazidose ist eine lebensgefährliche Diabeteskomplikation. Die Patienten leiden unter Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Verwirrung sowie einer ungewöhnlichen Müdigkeit oder Erschöpfung. Alle 20 Patienten mussten wegen der ketoazidose im Krankenhaus behandelt werden. Für die SGLT2-Inhibitoren als Auslöser spricht laut FDA die zeitliche Korrelation zum Therapiebeginn mit SGLT2-Inhibitoren. Die Komplikation trat median zwei Wochen (Bandbreite 1 bis 175 Tage) nach Therapiebeginn auf.

Typische Trigger konnten nur bei weniger als der Hälfte der Patienten nachgewiesen werden. Dazu gehörte eine Urosepsis, ein Trauma, eine verminderte Zufuhr von Kalorien oder Flüssigkeit oder eine reduzierte Insulindosis. Neben einem Insulinmangel können auch eine Hypovolämie, eine akute Nierenfunktionsstörung, eine Hypoxämie, eine verminderte Nahrungszufuhr oder ein Alkoholkonsum in der Vorgeschichte an der Krise beteiligt gewesen sein, berichtet die FDA.

Die FDA empfiehlt, Patienten und Pflegepersonal über typische Anzeichen und Symptome der metabolischen Azidose wie Tachypnoe oder Hyperventilation, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Lethargie, oder Veränderungen des psychischen Zustandes zu informieren und sie anzuweisen, unverzüglich einen Arzt aufzusuchen, wenn sie die Anzeichen oder Symptome bemerken. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

26. April 2019
Berlin – Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat sich erneut für eine nationale Diabetesstrategie ausgesprochen. Diese sei notwendig, um die „Herausforderungen“ stark anwachsender Fallzahlen zu
Diabetes-Gesellschaft erneuert Wunsch nach nationaler Strategie
25. April 2019
Stockholm – Schwangere mit Typ-1-Diabetes haben selbst bei einer guten Blutzuckereinstellung ein erhöhtes Risiko auf eine Frühgeburt. Dies kam in einer bevölkerungsbasierten Kohortenstudie in den
Typ-1-Diabetes erhöht Frühgeburtrisiko
16. April 2019
Sydney – Der SGLT2-Hemmer Canagliflozin, der den Blutzucker durch Herabsetzen der Glukoseschwelle in den Nieren senkt, kann bei Typ-2-Diabetikern mit eingeschränkter Nierenfunktion das Fortschreiten
Canagliflozin verzögert Fortschreiten des Nierenversagens und senkt kardiovaskuläres Sterberisiko
15. April 2019
Edinburgh – Männer, die zur Behandlung einer benignen Prostatahyperplasie regelmäßig einen 5alpha-Reduktasehemmer (Dutasterid oder Finasterid) einnehmen, erkranken häufiger an einem Typ-2-Diabetes.
Prostatahyperplasie: Dutasterid und Finasterid erhöhen Diabetesrisiko
12. April 2019
Berlin – Der GLP-1-Rezeptoragonist Liraglutid wurde in das Disease-Management-Programm (DMP) Diabetes Typ 2 aufgenommen. Das hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gestern mitgeteilt. Bislang
DMP Diabetes Typ 2 um Liraglutid erweitert
9. April 2019
Glasgow – Wer bereits vor dem 40. Lebensjahr einen Typ-2-Diabetes entwickelt, hat nach einer Auswertung des schwedischen Diabetesregisters in Circulation (2019; doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.118.037885)
Typ-2-Diabetes: Herz-Kreislauf-Risiko bei frühem Krankheitsbeginn am höchsten
5. April 2019
Berlin – Eine Nationale Diabetesstrategie könnte noch vor der Sommerpause vorliegen. Das hat Dietrich Monstadt, Berichterstatter für Adipositas und Diabetes der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER