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Ärzteschaft

Pathologen mahnen bei neuer Diagnosemethode zu mehr Realitätssinn

Dienstag, 19. Mai 2015

Berlin – Die Analyse von DNA und RNA – also von Nukleinsäuren – und weitere molekularbiologische Analysen an Blut haben das Potenzial, in den nächsten Jahren zu einer neuen wichtigen Methode in der Diagnostik werden – vor allem unter dem Aspekt der personalisierten Medizin. Noch weisen sie aber zu große Unsicherheiten auf, um damit verlässliche Aussagen für Diagnostik oder Therapie zu treffen. Der Einsatz dieser sogenannten Liquid Biopsy Analysen steht daher noch unter Vorbehalt. Darauf hat die Arbeitsgemeinschaft Molekularpathologie der Deutschen Gesellschaft für Pathologie (DGP) hingewiesen.

Die blutbasierte Analytik von Nukleinsäuren soll bei der Früherkennung, Diagnose und Verlaufskontrolle von Erkrankungen wie Krebs einen wichtigen Beitrag leisten. Wollen Ärzte etwa bei einer Krebserkrankung die molekulare Entwicklung von Tumoren verfolgen, um entstehende Resistenzen gegen die verwendeten Therapien frühzeitig zu erkennen, müssen sie dem Patienten nicht jedes Mal invasiv Gewebeproben entnehmen.

Eine Blutabnahme, gefolgt von der Untersuchung der im Blut frei zirkulierenden, zellfreien DNA (cfDNA) ist deutlich weniger belastend und zudem einfach zu wiederholen. „Liquid Biopsy basierte Analysen können eine gute Ergänzung der bisherigen histolo­gischen und molekularpathologischen Diagnostik des Tumorgewebes sein, diese fundamentalen Verfahren aber nicht ersetzen“, erläutert Edgar Dahl, Leiter der molekularpathologischen Diagnostik an der Uniklinik der RWTH Aachen.

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Zellfreie zirkulierende Tumor-DNA ist laut den DGP-Experten nicht bei allen, sondern bei etwa 70 Prozent der metastasierten Tumorerkrankungen nachzuweisen. Es seien große Unterschiede zwischen unterschiedlichen Tumortypen und in Abhängigkeit vom Tumorstadium feststellbar. So sei in fortgeschrittenen Darm- oder Eierstockkarzinomen in fast 100 Prozent der Fälle cfDNA nachweisbar, hingegen sei die Frequenz im Prostata- und Nierenkarzinom auch bei Metastasierung mit 40 Prozent vergleichsweise gering.

„Überraschend und bisher noch kaum erklärbar ist, warum auch innerhalb einer Krebsart die Menge an nachweisbarer cfDNA dramatisch schwankt, beim Dickdarmkrebs zum Beispiel bis zu einem Faktor von über 10.000“, erklärt Dahl und warnt vor voreiligen Schlüssen – auch im Hinblick auf kommerzielle Anbieter, die diesen neuen Diagnostikmarkt gerne rasch erschließen wollten.

Die DGP betont, Liquid Biopsy-Analysen seien nach aktuellem Kenntnisstand nicht für alle Tumorarten und -stadien gleichermaßen geeignet. Weitere Studien mit größeren Fallzahlen zur Übereinstimmung von gewebe- und blutbasierter molekularer Diagnostik seien vonnöten. © hil/aerzteblatt.de

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