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Medizin

Leberkrebs: Transplantate von Herztoten ohne Nachteile

Mittwoch, 20. Mai 2015

Rochester – Die Mayo Clinic hat die Warteliste für Lebertransplantationen durch die Verwendung von Organen von herztoten Spendern verkürzt. Eine Studie im American Journal of Transplantation (2015; doi: 10.1111/ajt.13306) zeigt, dass die Ergebnisse bei Empfängern mit hepatozellulärem Karzinom nicht schlechter sind als nach der Verwendung von Organen hirntoter Spender.

Die Bundesärztekammer lehnt Herztote als mögliche Organspender ab, da ein Herzstillstand im Gegensatz zum Hirntod potenziell reversibel ist. Die Mayo Clinic verwendet ebenfalls keine Organe von Patienten, die einen plötzlichen Herztod erlitten haben. Die Organe stammen vielmehr von Patienten, deren Tod absehbar war. Die Ärzte beenden die lebenserhaltenden Maßnahmen und entnehmen die Organe, wenn der Herzschlag ausgesetzt hat (auch diese Strategie ist in Deutschland nicht erlaubt). Zwischen 2002 und 2012 konnten auf diese Weise 241 Organe für eine Leber­transplantation gewonnen werden, die den Pool von 1.633 Lebern, die nach dem Hirntod entnommen wurden, erweiterten.

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Da bei einer Organentnahme nach Kreislaufstillstand eine gewisse Ischämie-Zeit im Körper unvermeidbar ist, gab es anfangs Bedenken hinsichtlich der Organqualität. Sie betrafen bei Patienten mit hepatozellulärem Karzinom (HCC) die Anfälligkeit gegenüber Rezidiven des Tumors, die von im Blut zirkulierenden Krebszellen oder Mikrometastasen im Körper ausgehen.

Diese Befürchtungen haben sich laut Kristopher Croome jedoch als unbegründet erwiesen. Der Transplantationschirurg der Mayo Clinic begründet dies mit den Daten von 397 Patienten mit HCC: 340 Patienten hatten die Leber eines hirntoten Spenders und 57 Patienten die Leber eines herztoten Spenders (Non heart-beating donor, NHBD) erhalten. Laut Croome gab es zwischen beiden Gruppen keine Unterschiede in den Behandlungsergebnissen.

HCC-Rezidive wurden bisher bei 41 Patienten (12,1 Prozent) beobachtet, die die Leber von Hirntoten erhalten hatten, und bei 7 Patienten (12,3 Prozent), deren Leber von einem herztoten Empfänger stammte. Das progressionsfreie Überleben der beiden Gruppen war ebenfalls gleich und die Leber der herztoten Spender war auch nicht häufiger der Ort der ersten Metastase. Für Croome gibt es deshalb keinen Grund, auf die Leber eines herztoten Empfängers für Patienten mit HCC zu verzichten. © rme/aerzteblatt.de

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