NewsÄrzteschaftPsychotherapie muss deutlich flexibler werden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Psychotherapie muss deutlich flexibler werden

Donnerstag, 21. Mai 2015

dpa

Berlin – Bestimmte Patientengruppen in Deutschland erhalten nur sehr schwer eine Psychotherapie, obwohl diese für ihre Erkrankung sinnvoll und leitliniengerecht ist. Das kritisierte die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) heute auf ihrem sogenannten Hauptstadtsymposium. Die Fachgesellschaft fordert eine Neustrukturierung der psychotherapeutischen Versorgung.

Die evidenzbasierten Behandlungsleitlinien empfehlen Psychotherapie neben Psycho­pharmakotherapie und psychosozialen Therapien als notwendigen Therapiebestandteil bei einer Vielzahl psychischer Erkrankungen. „Dazu gehören neben Persönlichkeits­störungen beispielsweise Depressionen, Angsterkrankungen und Suchterkrankungen – und mit neuen psychotherapeutischen Ansätzen auch Schizophrenien und bipolare Erkrankungen“, erklärte DGPPN-Vorstandsmitglied Sabine Herpertz auf der Veran­staltung.

Anzeige

Doch die derzeitige psychotherapeutische Versorgungsstruktur werde diesen unter­schiedlichen Patientengruppen in Deutschland nicht gerecht. Laut der DGPPN bleiben insbesondere Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, Psychose oder Suchterkrankung häufig unterversorgt, weil das starre Gerüst der Richtlinien­psycho­therapie nicht den Bedürfnissen ihrer Erkrankung entspricht.

Die Psychotherapie müsse sich daher künfig viel flexibler an der Schwere, an der akuten Situation des Patienten und gegebenenfalls der Chronizität der Erkrankung ausrichten. Das sei mit der aktuell geltenden Psychotherapierichtlinie aber nicht machbar. „Wir brauchen zum Beispiel für psychisch schwer kranke Patienten die Möglichkeit kürzerer psychotherapeutischer Interventionen, die eben nicht dem starren Rahmen der Richtlinie entsprechen. Darüber hinaus müssen sowohl kurzzeitige intensive Behandlungen in Krisen als auch eine jahrelange niederfrequente psychotherapeutische Unterstützung zur Stabilisierung des Erreichten möglich sein“, sagte Fritz Hohagen, Lübeck, aus dem Vorstand der Fachgesellschaft.

Die DGPPN hofft daher auf eine Revision der Richtlinie. „Mit der Überarbeitung der Psychotherapierichtlinie, wie sie der Entwurf des Versorgungsstärkungsgesetzes vorsieht, können nun die Weichen richtig gestellt werden“, sagte die Präsidentin der DGPPN, Iris Hauth. Dafür sei allerdings ein umfassendes sektorenübergreifendes Gesamtkonzepts nötig, das den Patienten in den Mittelpunkt stelle, so Hauth. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. Oktober 2020
Berlin – Ab dem 1. Januar 2021 können auch Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten eine Ergotherapie verordnen, wenn psychische Erkrankungen beziehungsweise
Psychotherapeuten können ab 2021 Ergotherapie verordnen
6. Oktober 2020
Berlin – Die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) fordert, dass der Innovationsfonds Projekte fördert, die das Potenzial haben, die Versorgung psychisch kranker Menschen tatsächlich zu verbessern. „Um
Psychotherapeutenkammer will Kurskorrektur beim Innovationsfonds
28. September 2020
Berlin – Soziale Isolation und Armut aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie können einen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben, verbunden mit einem Anstieg von Depression und
Coronakrise: Viele Obdachlose auf psychiatrischen Akutstationen
18. September 2020
Berlin - Eine psychiatrische häusliche Krankenpflege darf künftig auch von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten verordnet werden. Bisher waren nur bestimmte
Auch Psychologische Psychotherapeuten dürfen künftig psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen
11. September 2020
Berlin –Seit der Strukturreform der ambulanten Psychotherapie im April 2017 werden Psychotherapeutische Sprechstunden und Akutbehandlungen zunehmend nachgefragt. Das geht aus der Antwort der
Ambulante Psychotherapie: Sprechstunde und Akutbehandlung zunehmend nachgefragt
7. September 2020
Mainz – Die Landespsychotherapeutenkammer in Rheinland-Pfalz hat vor zu hohen Erwartungen an digitale Gesundheitsapps und -programme gewarnt. „Die Qualität muss geprüft werden: was bringt nach vorne
Psychotherapeuten warnen vor zu hohen Erwartungen an Gesundheitsapps
2. September 2020
Berlin – Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) sollen ab sofort für ihr Psychiatriejahr mindestens eine monatliche Vergütung von 1.000 Euro erhalten. Das fordert Gebhard Hentschel, Bundesvorsitzender
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER