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Medizin

Multiples Myelom: Adoptiver Zelltransfer erzielt langfristige Remissionen

Donnerstag, 21. Mai 2015

T-Zelle-Wikipedia

Baltimore –. T-Zellen aus dem Knochenmark der Patienten, die im Labor aktiviert und dann den Patienten re-infundiert wurden, haben in einer Pilotstudie in Science Translational Medicine (2015; 7: 288ra78) beim multiplen Myelom die Zahl der Tumorzellen deutlich gesenkt und das Fortschreiten des Krebsleidens über Monate verlangsamt.

Das Immunsystem ist in der Lage, Krebszellen zu attackieren. Dies geschieht durch T-Zellen, die beispielsweise beim malignen Melanom und bei Nierenkrebs den Tumor infiltrieren. Der adoptive Zelltransfer versucht, dieses Phänomen therapeutisch zu nutzen. Die Ärzte isolieren die T-Zellen aus dem Tumor und züchten sie im Labor an. Beim Melanom und bei Nierenkrebs wurden vor Jahren gewisse Erfolge erzielt.

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Eine Behandlung von hämatologischen Malignomen scheiterte bisher daran, dass die Krebszellen keinen Tumor bilden, sondern ungebunden im Blut vorhanden sind. Einen gleichwertigen Ersatz zu den Tumor-infiltrierenden T-Zellen könnten nach Ansicht von Ivan Borrello vom Sidney Kimmel Comprehensive Cancer Center in Baltimore Lymphozyten aus dem Knochenmark (MIL, marrow-infiltrating lymphocytes) sein. Der Immunologe hat in den letzten Jahren ein Verfahren entwickelt, um MIL aus einer Knochenmarkpunktion zu isolieren und im Labor zu vermehren und zu aktivieren. Dies geschieht mit Hilfe von kleinen „Perlen“, die mit Antikörpern gegen CD28 und CD3 besetzt sind, die T-Zellen zur Proliferation reizen.

In einer ersten klinischen Studie wurden 22 Patienten mit neu diagnostiziertem oder rezidiviertem Plasmozytom behandelt. Bei allen Patienten konnten die MIL entnommen und im Labor aktiviert werden. Die Zellen waren später bis zu ein Jahr im Blut der Patienten nachweisbar. In dieser Zeit kam es bei 13 von 22 Patienten zu einer partiellen Remission. Die Zelllast konnte auf unter 50 Prozent unter den Ausgangswert vor Beginn der Therapie gesenkt werden. Bei sieben Patienten wurde sogar eine Reduktion des Tumors um 90 Prozent erzielt.

Bei diesen sieben Patienten vergingen im Durchschnitt 25,1 Monate bis zur erneuten Tumorprogression, bei den anderen 15 Patienten war dies bereits nach 11,8 Monaten der Fall. Der Unterschied war signifikant. Mittlerweile sind mehr als sechs Jahre seit der Therapie vergangen und bei den sieben Patienten mit einer mehr als 90-prozentigen Reduktion der Zelllast wurde die mittlere Überlebenszeit bisher noch nicht erreicht, während die übrigen Patienten im Mittel nach 31,5 Monaten gestorben sind.

Welchen Anteil die MIL am Therapieerfolg hatten, ist allerdings nicht sicher. Vor der Re-Infusion der T-Zellen hatten alle Patienten eine myeloablative Chemotherapie und eine Knochenmarktransplantation erhalten, die ebenfalls zu Remissionen führen kann und heute zur Standardtherapie des multiplen Myeloms gehört. Ein Vorteil der Therapie könnte die gute Verträglichkeit sein. Laut Borrello sind bisher bei keinem Patienten ernsthafte Komplikationen aufgetreten.

Sein Team hat bereits mit zwei Anschlussstudien begonnen. In einer wird der adoptive Zelltransfer mit der ebenfalls in Baltimore entwickelten Krebsvakzine GVAX kombiniert. In der anderen Studie erhalten die Patienten den zur Behandlung des multiplen Myeloms zugelassenen Wirkstoff Lenalidomid. Beide Therapien erzielen ihre Wirkung ebenfalls über die Stimulierung der T-Zell-Antwort. Beim Melanom und beim Nierenkrebs hat sich der adoptive Zelltransfer übrigens trotz anfangs positiver Ergebnisse nicht durchgesetzt. Die Therapie ist aufwändig und bei beiden Tumoren wird inzwischen anderen immunologischen Therapien der Vorzug gegeben. © rme/aerzteblatt.de

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