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Medizin

Depression kann Parkinson ankündigen

Freitag, 22. Mai 2015

dpa

Umeå – Ältere Menschen, die an einer Depression erkranken, haben im ersten Jahr nach der Diagnose ein deutlich erhöhtes Risiko auf einen Morbus Parkinson. Das Risiko steigt mit dem Schweregrad der Depression und geht laut einer Fall-Kontroll-Studie in Neurology (2015, doi: 10.1212/WNL.0000000000001684) in den Folgejahren langsam zurück.

Das Team um Peter Nordström von der Universität in Umeå hat für seine Studie die Daten aller schwedischen Bürger ausgewertet, die Ende des Jahres 2005 das 50. Lebensjahr überschritten hatten. Darunter waren 140.688 Menschen, bei denen in den Jahren von 1987 bis 2012 eine Depression diagnostiziert worden war.

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Diesen Patienten wurden dann jeweils drei Vergleichspersonen gleichen Alters und Geschlechts zugeordnet, die nicht an einer Depression erkrankt waren. In den folgenden 26 Jahren erkrankten 1.485 Menschen oder 1,1 Prozent mit Depressionen zusätzlich an der Parkinson-Krankheit. In der dreimal so großen Vergleichsgruppe erkrankten 1.775 Menschen oder 0,4 Prozent an der Parkinson-Krankheit.

Die meisten Patienten erkrankten in zeitlicher Nähe zur Depression an einer Parkinson-Krankheit. Im ersten Jahr war dies mehr als dreimal häufiger der Fall als in der Kontroll­gruppe. Nordström ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 3,2 (95-Prozent-Konfidenz­intervall 2,5 bis 4,1). Mit zunehmender Dauer sinkt das Risiko. Die Assoziation war mit einer Odds Ratio von 1,5 (1,1 bis 2,0) aber auch 15 bis 25 Jahre nach dem Beginn der Depression noch signifikant um 50 Prozent erhöht.

Das Risiko steigt mit dem Schweregrad der Depression. Patienten, die wegen ihrer Depressionen mindestens fünfmal im Krankenhaus behandelt wurden, erkrankten zu 40 Prozent häufiger an einem Morbus Parkinson als Patienten, die nur einmal im Krankenhaus behandelt wurden (Odds Ratio 1,4; 1,1 bis 1,9). Patienten, die im Krankenhaus wegen Depressionen behandelt wurden, erkrankten 3,5 mal häufiger am Morbus Parkinson als Patienten mit ambulant behandelten Depressionen.

Fall-Kontroll-Studien können nur eine Assoziation, aber keine Kausalität herstellen. Dass eine mentale Erkrankung wie die Depression eine degenerative Hirnerkrankung auslöst, ist kaum vorstellbar. Die wahrscheinlichste Erklärung der Ergebnisse ist, dass die Depression ein frühes Symptom des Morbus Parkinson ist. Die Bewegungsstörung entwickelt sich bekanntlich schleichend über den Verlauf vieler Jahre.

Die typischen motorischen Symptome wie Bradykinese, Rigor und Tremor, die zur Diagnose führen, treten erst allmählich in den Vordergrund. Wenn die Diagnose gestellt wird, dürften viele Patienten schon seit längerem unter unspezifischen Symptomen leiden, was Auswirkungen auf die Psyche hat. Eine Depression ist hier eine plausible Erklärung. Dass beide Erkrankungen gemeinsame Wurzeln haben, kann Nordström durch den Vergleich von Geschwistern ausschließen. In diesem Fall müssten die Geschwister von Patienten mit Depressionen häufiger an einem Morbus Parkinson erkranken und umgekehrt. Eine solche Assoziation war jedoch nicht nachweisbar.

© rme/aerzteblatt.de

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