NewsMedizinIntraabdominelle Infektionen: Antibiotikatherapie kann verkürzt werden
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Intraabdominelle Infektionen: Antibiotikatherapie kann verkürzt werden

Donnerstag, 21. Mai 2015

Charlottesville – Patienten mit intraabdominellen Infektionen benötigen nach einer erfolgreichen chirurgischen Herdsanierung in der Regel nur eine kurzfristige Antibiotika-Therapie. Dies ergab jetzt eine im New England Journal of Medicine (2015; 372: 1996-2005) publizierte US-Studie.

Intraabdominelle Infektionen, zu denen es beispielsweise nach einer komplizierten Appendizitis oder nach einer Darmperforation infolge entzündlicher Darm­er­krank­ungen oder Tumoren kommt, sind lebensgefährlich. Die Erstmaßnahme besteht in der chirurgischen Herdsanierung. Im Anschluss daran erhalten die Patienten Antibiotika.

Traditionell wird die Behandlung so lange fortgesetzt, bis sich die Patienten von den „Sepsis“-Symptomen erholt haben. Der Anstieg der Körpertemperatur und die Leukozytose werden heute jedoch nicht mehr als reine Folge der bakteriellen Infektion, sondern als überschießende Reaktion des Immunsystems gedeutet. Das SIRS (für systemisches inflammatorisches Response-Syndrom) hat den Begriff Sepsis abgelöst.

Anzeige

Damit stellt sich die Frage, ob die Antibiotika-Behandlung zum Nutzen der Patienten verkürzt werden kann. Sie war Gegenstand der „Study to Optimize Peritoneal Infection Therapy“ (STOP-IT), an der in 23 nordamerikanischen Kliniken 518 Patienten (mittleres Alter 52 Jahre) mit intraabdominellen Infektionen teilnahmen. Die Patienten wurden nach dem erfolgreichen Abschluss der chirurgischen Herdsanierung auf eine konventionelle Antibiotikatherapie (fortgesetzt bis 2 Tage nach Rückgang von Fieber, Leukozytose und Ileus) oder auf eine Kurzzeittherapie über vier Tage randomisiert.

Wie Robert Sawyer vom University of Virginia Health System und Mitarbeiter mitteilen, gab es im primären Endpunkt der Studie keine Unterschiede. Der Composite aus chirurgischer Wundinfektion, rezidivierender intraabdomineller Infektion oder einem Tod innerhalb von 30 Tagen trat nach der Kurztherapie bei 56 von 257 Patienten (21,8 Prozent) und unter der Standardtherapie bei 58 von 260 Patienten (22,3 Prozent) auf. Es gab nur insgesamt 5 Todesfälle: 3 nach der Kurzzeit- und 2 nach der Standard­therapie. Die frühzeitige Beendigung der Antibiotikatherapie ist deshalb für die Patienten kein lebensgefährliches Risiko, auch wenn sich Körpertemperatur, Darm­funktion und Leukozytenzahl noch nicht normalisiert haben.

Die Verkürzung der Therapie könnte die Patienten vor den Nebenwirkungen der Antibiotika schützen, meint der Editorialist Richard Wenzel vom Virginia Commonwealth University Medical Center in Richmond. Angesichts des häufigen Auftretens – in Deutschland etwa 150.000 Fälle pro Jahr – könnten auch Einspareffekte im Gesundheitswesen erzielt werden, so Wenzel.

Wie immer bei randomisierten Studien gelten die Ergebnisse nur für Patienten, die die Einschlusskriterien erfüllen. Wichtig war hier, dass die chirurgische Herdsanierung erfolgreich war und keine schweren Begleiterkrankungen vorlagen. Nur wenige Teilnehmer litten unter einer Abwehrschwäche. Im Zweifelsfall dürften sich Chirurgen weiter für eine längere Antibiotikatherapie entscheiden. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Oktober 2020
Bonn – Jedes zweite Hähnchen aus den drei EU-weit größten Geflügelbetrieben ist laut einer Germanwatchanalyse mit antibiotikaresistenten Erregern belastet. 51 Prozent der untersuchten Fleischproben
Antibiotikaresistenzen auf jedem zweiten Hähnchen
26. Oktober 2020
Berlin – Deutschland steht bei der Bekämpfung der Coronapandemie nach Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel vor einer schwierigen Phase. „Es stehen uns sehr, sehr schwere Monate bevor“, sagte die
Merkel: Deutschland stehen schwere Monate bevor
26. Oktober 2020
Berlin – Jeden Tag infizieren sich derzeit mehr als 100 Beschäftigte in deutschen Gesundheitseinrichtungen mit SARS-CoV-2. Dazu zählen Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte und anderes Personal in
Jeden Tag 100 SARS-CoV-2-Neuinfizierte in Gesundheitseinrichtungen
23. Oktober 2020
Düsseldorf – Der Vorsitzende des Weltärztebunds, Frank Ulrich Montgomery, hält in Deutschland einen Lockdown für nötig, wenn die Schwelle von 20.000 SARS-CoV-2-Neuinfektionen am Tag überschritten
Montgomery: Lockdown ab 20.000 SARS-CoV-2-Neuinfektionen am Tag
23. Oktober 2020
Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 traf die Welt Anfang 2020 unvorbereitet. Lange ist es her, dass sich ein völlig neuartiges Virus derart rasch pandemisch ausgebreitet hat. Fieberhafte
„SARS-CoV-2 ist ein gutes Beispiel dafür, dass nichts unsicherer ist als die Erkenntnis von gestern“
23. Oktober 2020
Lissabon – In Portugal hat es erstmals seit Ausbruch der Coronapandemie mehr als 3.000 Neuinfektionen gegeben. Binnen 24 Stunden seien 3.270 neue Ansteckungen mit dem Virus SARS-CoV-2 gemeldet worden,
Infektionsrekord in Portugal: Regierung verhängt regionalen Lockdown
22. Oktober 2020
Insel Riems/Madison/Wisconsin – Der Erreger der Röteln, die erst seit 2 Jahrhunderten als Erkrankung bekannt sind, hat 2 enge Verwandte im Tierreich, die US-amerikanische und deutsche Forscher jetzt
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER