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Medizin

Schwangerschaft: Paracetamol blockiert Testosteronsynthese bei männlichen Feten

Freitag, 22. Mai 2015

dpa

Edinburgh – Eine häufige Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft kann die Testosteronproduktion im Hoden männlicher Feten herabsetzen. Dies zeigen tierexperimentelle Studien in Science Translational Medicine (2015; 7: 288ra80). Sie liefern eine Erklärung für die Befunde epidemiologischer Studien, in denen eine erhöhte Rate von Lageanomalien des Hodens bei intrauterin exponierten Knaben aufgefallen war.

Paracetamol ist weltweit das am häufigsten verkaufte Schmerzmittel. Auch in der Schwangerschaft wird es zumeist bedenkenlos eingesetzt. In den USA sollen 65 Prozent aller Schwangeren wenigstens einmal Paracetamol einnehmen. Dabei gibt es seit längerem Hinweise, dass eine unkritische Verordnung in höheren Dosierungen dem Feten schaden könnte.

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Zuletzt hatte die Generation R-Studie – eine Kohorte niederländischer Kinder, die seit der Schwangerschaft ihrer Mütter begleitet werden – ein um 89 Prozent erhöhtes Risiko auf einen Kryptorchismus gefunden (Odds Ratio 1,89; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,02-3,37) gefunden (Human Reproduction 2012; 27: 1191–1201). Ein Risiko besteht vor allem bei einer häufigen Einnahme im mittleren Trimenon in einer wichtigen Phase der Hodenentwicklung.

Auf der Suche nach den Gründen für diese fetotoxische Wirkung hat ein Team um Rod Mitchell von der Universität Edinburgh auf ein etabliertes Experiment zurückgegriffen. Die Forscher transplantierten kastrierten Mäusen die Hoden von menschlichen Feten unter die Haut. Dann wurden die Mäuse mit Paracetamol in einer Dosis behandelt, die zu den gleichen Wirkstoffspiegeln führt wie beim Menschen. Ergebnis: Nach einer siebentägigen Behandlung sank der Testosteronspiegel bei den Mäusen (das Hormon wird allein von den transplantierten Hoden gebildet) um 45 Prozent ab. Das Gewicht der Samenblasen der Tiere (ein Biomarker der Androgen-Exposition) ging um 18 Prozent zurück.

In einem weiteren Experiment haben die Forscher untersucht, auf welche Weise Paracetamol die Testosteronproduktion hemmt. Sie fanden heraus, dass die utero-Exposition von Mäusen die Bildung von zwei Schlüsselenzymen der Steroidsynthese (Cyp11a1 und Cyp17a1) hemmt, die auch an der Synthese von Testosteron beteiligt sind. Die Ergebnisse legen nahe, dass zumindest die langfristige Anwendung von Paracetamol (etwa über eine Woche) die fötale Testosteronproduktion empfindlich stören kann, was nachteilige Folgen für die Entwicklung der männlichen Hoden haben kann. Der Kryptorchismus gilt als eine mögliche Folge. Er erhöht das Risiko auf eine spätere Infertilität des Mannes.

Die Fachinformationen zu Paracetamol in Deutschland weisen übrigens nicht auf die mögliche Fetotoxizität hin. Epidemiologische Daten zur oralen Anwendung thera­peutischer Dosen Paracetamol hätten „keinen Hinweis auf mögliche unerwünschte Nebenwirkungen auf die Schwangerschaft oder die Gesundheit des Feten/ Neuge­borenen“ ergeben, heißt es dort.

„Prospektive Daten zur Überdosierung während der Schwangerschaft“ hätten keinen Anstieg des Risikos von Fehlbildungen ergeben. Es wird allerdings davon abgeraten, Paracetamol während der Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum, in höheren Dosen oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln einzunehmen „da eine Sicherheit der Anwendung für diese Fälle nicht belegt“ sei.

© rme/aerzteblatt.de

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