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Ausland

WHO will Antibiotikaresistenz bekämpfen

Dienstag, 26. Mai 2015

WHO

Genf – Die Mitgliedstaaten der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) haben sich nach langen Debatten am Pfingstmontag auf einen globalen Aktionsplan für den Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen verständigt. Ziel sei es, eine wirksame Behandlung und Vorbeu­gung bakterieller Infektionen durch effektive und sichere Medikamente auch weiter gewährleisten zu können, erklärte die Organisation.

Eine entsprechende Resolution wurde vom zuständigen Komitee der gegenwärtig in Genf tagenden Weltgesundheitsversammlung verabschiedet, dem höchsten Beschluss­organ der WHO. Sie muss noch zum Abschluss der Konferenz am Dienstag im Plenum abgesegnet werden, was jedoch als wahrscheinlich gilt. An die 194 Mitgliedstaaten ergeht damit der Aufruf, die Ziele des Aktionsplans innerhalb von zwei Jahren in nationale Strategien gegen Antibiotika-Resistenzen umzusetzen.

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Jedes Jahr sterben laut WHO rund 700.000 Menschen an den Folgen einer Antibiotika-Resistenz, in Deutschland sind es mindestens 10.000. Der Aktionsplan fordert unter anderem bessere Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern, um dort Infektionen mit resistenten und daher lebensbedrohlichen Keimen zu verhindern.

Pharmaindustrie setzt zu wenig Gelder für Antibiotika-Entwicklung ein
Auch solle die Gefahr vor Resistenzen in der Ausbildung von Medizinern und Landwirten als zentrales Thema behandelt werden. In der Humanmedizin sowie in der Viehzucht würden Antibiotika häufig ohne eindeutige Diagnose verschrieben, zudem seien solche Mittel vielerorts rezeptfrei erhältlich, kritisieren WHO-Experten. In Viehzuchtbetrieben würden sie nicht selten als Wachstumsförderer missbraucht.

Einige Länder hätten zwar Richtlinien, die den Einsatz antimikrobieller Substanzen regulieren. Diese seien aber teilweise unzureichend und würden oft kaum durchgesetzt, erklärte die WHO. Sie bemängelt zudem, dass die Pharmaindustrie weniger in die Entwicklung neuer Antibiotika investiere als in Medikamente, die höhere Gewinne versprechen.

Dies sei ein „gravierendes Marktversagen”, das die Staaten korrigieren müssten. Möglichkeiten dazu böten öffentlich-private Partnerschaften zur Forschungsförderung sowie zur Entwicklung alternativer Therapiemethoden und einer besseren Diagnostik. Der Plan zielt auch darauf ab, dass Antibiotika für Entwicklungsländer bezahlbar bleiben beziehungsweise werden und diese finanzielle und technische Unterstützung erhalten. Nötig sei zudem, die Ausbreitung multiresistenter Keime effektiver und koordinierter zu überwachen.

Die Bundesregierung hatte am 13. Mai die neue Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie (DART 2020) verabschiedet. Sie will damit künftig schärfer gegen den Missbrauch von Antibiotika und die Ausbreitung gefährlicher Keime vorgehen - national wie international. Deutschland setze sich aktiv dafür ein, die weltweite Ausbreitung von Antibiotika-Resistenzen zu stoppen, erklärte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) zum Auftakt bei der Weltgesundheitsversammlung vor einer Woche.

Antibiotika haben den Kampf gegen bakterielle Krankheiten revolutioniert, die zuvor oft tödlich endeten. Doch durch übermäßige und oft unsachgemäße Nutzung entwickeln Bakterien und andere Mikroorganismen immer mehr Widerstandskraft gegen antibiotisch wirkende Medikamente wie zum Beispiel das Penizillin. Sie wirken dadurch schlechter oder im Extremfall überhaupt nicht mehr. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 26. Mai 2015, 23:38

Der Schein trügt

Die Liste meines Vorredners bezüglich der neuen Antibiotika seit 2011 mag beeindruckend erscheinen, leider ist sie nur für jemanden sehenswert, der sich im Bereich Mikrobiologie wenig auskennt. Abgesehen von den neuen Tbc-Mitteln sind fast alle Mittel Substanzen aus bekannten Stoffgruppen mit einem eher geringen Zusatznutzen gegenüber den bisherigen Referenzpräparaten.

Die eigentliche Herausforderung der letzten Jahre sind die multiresistenten gramnegativen Keime (3MRGN und 4MRGN). Und hier sieht es mit Innovationen ganz schlecht aus. 3MRGN E. coli sind in den letzten Jahren zur Landplage geworden, ein hoher einstelliger Prozentsatz der Isolate sind 3MRGN. Und einen rezidivierenden Harnwegsinfekt nur deshalb stationär einweisen zu müssen, weil es keine oralen Antibiotika für diesen Erreger gibt, ist einfach frustrierend und volkswirtschaftlich gesehen eine Katastrophe. Noch schlimmer ist es bei den Carbapenemasebildnern. Ein schlecht gemanagter Ausbruch kann für ein Krankenhaus existenzbedrohend sein. Und bei den betroffenen Patienten muß man genau abwägen, was schlimmer ist, der Erreger oder die Nebenwirkungen der Therapieoptionen. Und die Überlebenden bleiben auf Jahre hinaus besiedelt und haben mit Stigmatisierung zu kämpfen, wenn es um Plätze in der Reha oder der Pflege geht.

Ob ich einen MRSA mit zwei oder mit fünf Präparaten behandeln kann, bereitet mir wenig Kopfzerbrechen. Die MRSA-Raten sind seit Jahren stagnierend oder leicht rückläufig. Ob die neuen Mittel auch gegen VRE besser sind, dass muß sich erst noch zeigen. Egal wie teuer ein Antibiotikum ist, ein Antibiotikum nimmt man wenige Tage, ein Blutdruckmedikament nimmt man Jahrzehnte. Dies erklärt das Marktversagen und die Notwendigkeit dagegen etwas zu unternehmen. Die Entwicklung neuer Antibiotika ist dabei eine wichtige Säule. Derzeit bin ich gezwungen mit stumpfen Waffen zu kämpfen und kurzfristig wird sich daran nichts ändern.
Avatar #699319
Riane
am Dienstag, 26. Mai 2015, 23:04

WHO will Antibiotikaresistenz bekämpfen

meiner Meinung nach ist das sehr vernünftig. Ich unterstütze es!!!!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 26. Mai 2015, 16:30

Was für ein himmelschreiender Blödsinn,

den die WHO sich da wieder zusammenfaselt, von wegen "Pharmaindustrie setzt zu wenig Gelder für Antibiotika-Entwicklung ein"?

"Neue Antibiotika: Den Vorsprung gegenüber resistenten Bakterien wahren.
Neue Antibiotika gegen Problemkeime werden dringend gebraucht. Forschende Pharma-Unternehmen arbeiten weltweit an solchen Präparaten; darunter sieben Groß- und mehr als zwanzig kleine und mittlere Unternehmen. Und sie erzielen Ergebnisse: 2014 kamen zwei Breitband-Antibiotika und drei Medikamente gegen multiresistente Tuberkulose heraus. 2015 wurde bis dato drei weitere Antibiotika zugelassen.
Antibiotika – Medikamente gegen schädliche Bakterien – zählen zu den größten Errungenschaften der Medizin. Lungenentzündung, Wundinfektionen, Scharlach, Syphilis und viele weitere Krankheiten haben erst durch sie ihren Schrecken verloren. Unter den Todesursachen rangieren bakterielle Infektionen deshalb heute in Deutschland weit hinter den Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs. Rund 80 gegen zahlreiche Bakterienarten wirksame Antibiotika (sogenannte Breitband-Antibiotika) wurden schon entwickelt. Antibiotika gehören verschiedenen Klassen an, die sich jeweils durch eine andere Molekülstruktur und Wirkungsweise auszeichnen (siehe nebenstehende Abbildung). Die meisten neuen Klassen wurden in den 1950er und 1960er Jahren sowie in den frühen 2000er-Jahren eingeführt..." und weiter:

"Die Neueinführungen seit 2011
Auch die Antibiotika, die im aktuellen Jahrzehnt auf den Markt gebracht wurden, sind ausdrücklich gegen Problemkeime entwickelt worden – entweder resistente Formen "gewöhnlicher" Keime oder aber Bakterien, die sich von je her nicht gut haben bekämpfen lassen:
• 2012: Breitband-Antibiotikum Ceftarolin, u. a. gegen den multiresistenten Klinikkeim MRSA wirksam.
• 2013: Antibiotikum Fidaxomicin gegen den Darmkeim Clostridium difficile, der schwere Darmkoliken verursacht.
• Erstes Halbjahr 2014: Bedaquilin und Delamanid gegen Tuberkulose (die ersten neuen Mittel seit 1995), besiegen in Kombination mit älteren Medikamenten multiresistente Keime besiegen. Dazu kam noch der ältere TB-Wirkstoff Para-Amino-Salicylsäure in neuer, besser einnehmbarer Darreichungsform (Granulat). Mehr dazu unter hier.
• Zweites Halbjahr 2014: Antibiotikum Telavancin, speziell gegen MRSA bei im Krankenhaus erworbener Lungenentzündung, sowie das Antibiotikum Ceftobiprol, das gegen Lungenentzündung durch Gram-positive Bakterien (auch MRSA) wie auch nicht-multiresistente Gram-negative Bakterien einsetzbar ist.
• Erstes Halbjahr 2015: Antibiotikum Tedizolid (ein Oxazolidinon), gegen komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen durch Gram-positive Bakterien, auch MRSA (seit 2. Mai)".

Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.
Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Quelle: http://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/neue-antibiotika-den-vorsprung-wahren.html
LNS

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