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Medizin

Adipositas im Adoleszenz-Alter verdoppelt Darmkrebsrisiko

Mittwoch, 27. Mai 2015

dpa

Boston – Schwedische Rekruten, die bei der Musterung übergewichtig oder fettleibig waren, erkrankten später mehr als doppelt so häufig an Darmkrebs wie schlanke Wehrpflichtige. Dies geht aus einer Studie in Gut (2015; doi: 10.1136/gutjnl-2014-309007) hervor, die auch eine Assoziation mit einer erhöhten Blutsenkungs­geschwindigkeit fand.

Das schwedische Militär hat in den Jahren 1969 bis 1976 bei der Musterung von Wehrdienstpflichtigen nicht nur Körpergröße und -gewicht bestimmt. Den 239.658 jungen Männern wurden auch Blutproben zur Bestimmung der Blutsenkungs­geschwindigkeit entnommen. In den folgenden 35 Jahren erkrankten 501 Männer an einem Kolon- und 384 an einem Rektumkarzinom.

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Elizabeth Kantor von der Harvard School of Public Health in Boston und Kollegen setzten die Krebsdiagnosen mit dem Body-Mass-Index (BMI) und der Blutsenkungsge­schwin­digkeit während der Musterung in Verbindung. Für beide Faktoren konnten sie signifikante Assoziationen ermitteln. Die Rekruten, die mit einem BMI von 27,5 bis 30 bei der Musterung übergewichtig waren, erkrankten später 2,08-fach häufiger an einem Kolorektalkarzinom als normalgewichtige Wehrpflichtige (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,40-3,07). Für die adipösen Rekruten war das Risiko 2,38-fach erhöht (1,51-3,76). Die Jugendlichen mit einer Blutsenkungsgeschwindigkeit von 15 mm/h oder höher hatten ein um 63 Prozent erhöhtes Darmkrebsrisiko (HR 1,63; 1,08-2,45).

Trotz der signifikanten Ergebnisse kann eine Kohortenstudie keine Kausalität herstellen. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Übergewicht und Adipositas an sich für das erhöhte Risiko verantwortlich sind. Die Gewichtsprobleme dürften eher auf Ernährungsge­wohnheiten hinweisen, die mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko in Verbindung gebracht werden.

Dazu gehören ein vermehrter Verzehr von rotem Fleisch und Wurstwaren. Die Asso­ziation zur erhöhten Blutsenkungsgeschwindigkeit, einem Marker für Entzün­dungsvorgänge im Körper, passt zu der darmkrebspräventiven Wirkung, die durch den Entzündungshemmer ASS in klinischen Studien erzielt wurde.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in Obesity Reviews (2015; doi 10.1111/obr.12286). Ein Team um Sabrina Schlesinger von der Universität Kiel hat die Daten von 12 Beobachtungsstudien ausgewertet. Eine starke Gewichtszunahme im jungen Erwachsenenalter war mit erhöhtem Darmkrebsrisiko verbunden.

Pro 5 Kilogramm, die die Teilnehmer über die Jahre (im Mittel 12,2 Jahre) zulegten, erhöhte sich das Darmkrebsrisiko um 4 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 2 bis 5 Prozent). Um das Darmkrebsrisiko zu minimieren, sei es wichtig, nicht nur mit zunehmendem Alter auf ein normales Körpergewicht und vor allem einen normalen Körperfettanteil zu achten, sondern bereits schon in jungen Jahren damit zu beginnen, rät Mitautorin Krasimira Aleksandrova vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam.

© rme/aerzteblatt.de

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