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Politik

Patienten­selbsthilfe: „Vorsicht bei Spenden und Sponsoring“

Mittwoch, 27. Mai 2015

Berlin – Mehr Transparenz und erhöhte Wachsamkeit bei Kooperationen mit Pharma- und Medizinprodukteherstellern fordern der Verband der Ersatzkassen (vdek), die Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) und die Bundesarbeits­gemeinschaft Selbsthilfe (BAG) von Patientenselbsthilfegruppen und Ärzten auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin.

Die vdek-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner appellierte an die Beteiligten, „mehr Engagement bei der Offenlegung von Geldflüssen und möglichen Interessenkonflikten zu zeigen“. Bei geschätzten jährlich 5,6 Millionen Euro, die von der Pharmaindustrie Richtung Selbsthilfe fließen, bestehe „die Gefahr, dass Selbsthilfeorganisationen für die Interessen der Geldgeber benutzt werden und ihre Unabhängigkeit verlieren,“ monierte Elsner für die Krankenkassen, die mit rund 45 Millionen Euro jährlich qua Gesetzgeber mit rund 38 Prozent Hauptfinanzier der Selbsthilfegruppen seien.

Zuwendungen jährlich veröffentlichen
Elsner forderte die Hersteller dazu auf, die Geldflüsse und Zuwendungen an die Selbst­hilfe mindestens einmal pro Jahr detailliert zu veröffentlichen, ihre Spenden in unterneh­mens­neutrale Fördertöpfe einzuzahlen, deren Gelder dann von unabhängigen Instanzen verteilt werden sollten. Die Selbsthilfe solle mehr als bisher ihre Zuwendungen kenntlich machen, im Zweifel auf Zuwendungen aus der Industrie ganz verzichten.   

Pharmaindustrie spricht Patienten als "Kunden" an
Laut AkdÄ-Vorsitzendem Wolf-Dieter Ludwig zielten zahlreiche Marketingstrategien der Pharmaindustrie auf den Patienten als „Kunden“, um die Nachfrage nach Arzneimitteln, Produkten oder Verfahren zu steigern und schneller im Markt zu verbreiten. Problema­tisch sei die nicht  ausreichende Menge an qualitativ hochwertigen, unverzerrten und evidenzbasierten Informationen zu neuem Mitteln oder Therapiestrategien.

Dagegen erreiche Ärzte und Patienten „eine Flut an Arzneimittelinformationen mit unvollständigen, häufig interessengeleiteten bis hin zu manipulativen Inhalten“. Ludwig: „Diese beeinflussen das Arzt-Patienten-Verhältnis massiv“.

Zentrale Kontrolle von Patienteninformationen notwendig
Der AKdÄ-Vorsitzende forderte eine zentrale Qualitätskontrolle von Patienten­informa­tionen, die Prüfung von Werbeanzeigen und Arzneimittelinformationen durch eine industrieunabhängige Organisation und „größere Transparenz in Bezug auf finanzielle Zuwendungen an Patientenselbsthilfe und Interessenkonflikte der an Informations­broschüren und Veranstaltungen der Selbsthilfe beteiligten Ärzte.“ Kritisch sieht Ludwig auch die vom Verband forschender Arzneimittelhersteller für 2016 angekündigten Transparenzkodex. Wichtig sei die Zustimmung von Ärzten und die Chance der Patienten zu umfangreichen Nachfragen.

Selbsthilfe arbeit mit speziellem Monitoring-Verfahren
Die Selbsthilfe, so BAG-Bundesgeschäftsführer Martin Danner, sei sich der Gefahr von Abhängigkeit und Einflussnahme der Geldgeber durch Sponsoring „sehr bewusst“. Vom BAG zusammen mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband herausgegebene „Leitsätze für die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen im Gesundheitswesen“ und ein speziell entwickeltes Monitoring-Verfahren seien geeignete Hilfen, „damit die Patien­tenselbsthilfe unabhängig handeln“ könne und „in der Zusammenarbeit mit Unternehmen die Kontrolle über die Inhalte“ ihrer Arbeit behalte. © mn/aerzteblatt.de

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Practicus
am Donnerstag, 28. Mai 2015, 00:46

Zunächst einmal

ist es notwendig, eine Veröffentlichungspflicht für industriegesponsorte Studien im Gestrüpp der EU-Verordnungen zu verankern. Ob nun Ärzte, Medien oder Selbshilfegruppen "selektiv" informiert werden, spielt sonst ohnehin keine Rolle.
Auch die "Autoren" wissenschaftlicher Arbeiten müssten verpflichtet werden, eingeschaltete Agenturen und deren Mitarbeiter anzugeben, wenn sie eigentlich nur ihren Namen unter fertig gelieferte Arbeiten setzen

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