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Pädophile Neigung führt nicht zwangsläufig zu sexuellem Kindesmissbrauch

Donnerstag, 28. Mai 2015

Berlin – Pädophile Männer lassen sich von Nicht-Pädophilen anhand von Hirnakti­vierungen durch unterschiedliches Stimulusmaterial unterscheiden. Dieser Befund allein lässt aber nicht auf eine verminderte Verhaltenskontrolle aller Pädophilen schließen. Diese neuen Ergebnisse des NeMUP-Forschungsverbunds deuten allerdings darauf hin, dass Männer mit pädophiler Neigung, die zum Täter werden, charakteristische neurobio­logische Veränderung aufweisen. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse einer dreijährigen Studie, die Vertreter des Forschungsverbundes heute in Berlin der Presse vorstellten.

NeMUP steht für Neural Mechanisms Underlying Pedophilia und ist der Name eines Forschungsverbunds, zu dem sich Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover, der Charité Berlin, der Universität Duisburg-Essen, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Otto-von Guericke-Universität Magdeburg zusammen­geschlossen haben. Seit Mai 2012 haben die Wissenschaftler 240 pädophile Männer untersucht, von denen ein Teil Kinder sexuell missbraucht hatte, ein anderer aber nicht, sowie Kontrollprobanden ohne pädophile Neigung. Das vom Bundesforschungs­ministerium geförderte Projekt kooperierte auch mit dem Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“.

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„Die Erkenntnisse der dreijährigen Forschungsarbeit bestätigen unsere These, dass eine pädophile Neigung nicht gleichzusetzen ist mit sexuellem Kindesmissbrauch. Pädo­philie ist ein besonderer Zustand im Gehirn, der nicht pathologisch ist, sondern eine bestimmte sexuelle Neigung“, erläuterte Klaus Beier, Direktor des Instituts für Sexual­wissenschaft und Sexualmedizin der Charité Berlin. Es gebe im Gehirn eigene Regionen, die für die Verhaltenskontrolle zuständig seien. Diese seien für die Risiko­einschätzung von besonderem Interesse. „Nach unseren Erkenntnissen aus dem Behandlungs­programm des Projekts ‚Kein Täter werden‘ müssten diese Regionen beinflussbar sein“, erläuterte Baier. Das biete gute Aussichten für eine Objektivierbarkeit von Therapie­effekten durch neurobiologische Marker.

„Pädophile, die zum Täter wurden, waren im Durchschnitt sechs Jahre älter als Pädo­phile, die keine Kinder missbraucht hatten“, berichtete Tillmann Krüger, Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover. Viele litten an Depressionen und Angststörungen. Auch die Rate derjenigen mit Persönlichkeitsstörungen und sexueller Dysfunktion war erhöht. „Die meisten hatten keine einfache Lebensgeschichte und waren in der Kindheit emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt“, erläuterte Krüger. © pb/aerzteblatt.de

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Avatar #661913
Doro Maier
am Freitag, 29. Mai 2015, 11:04

Nur Hypothesen!

Ich halte es erstens für wissenschaftlich problematisch, wenn eine an einer "unabhängigen" Studie beteiligte Institution - in diesem Fall die Berliner Charité, bzw. Dr. Beier - gleichzeitig ihr Geld damit verdient, eine in der Studie möglicherweise "gefundene" "Erkrankung" zu behandeln. Zumindest im Fall derjenigen Untersucher/Datenerheber, die in irgendeiner Weise auch mit dem Projekt "Kein Täter werden" ihr Geld verdienen, muss davon ausgegangen werden, dass entweder ihre (bewusste oder unbewusste) Haltung oder ihre daraus resultierende Interpretationsneigung das Ergebnis beeinflusst. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein bewusstes oder unbewusstes Interesse daran besteht, Pädophilie zu einer "Krankheit" (die man z.B. an den jeweiligen "Kein Täter werden"-Instituten behandeln "muss") bzw. einer Veranlagung (die ebenfalls Personalstellen zur "Kontroll-Behandlung" generiert) zu deklarieren.

Dazu kommt, dass eine Studie mit 240 Befragten/Untersuchten zwar eine erste Hypothese begründet, aber eben noch längst keine allgemeine Aussage erlaubt. Die Gefahr besteht, dass man sich zu früh auf diese Hypothese festlegt (die Meldung deutet in diese Richtung), und dabei vergisst, dass es sich um eine Hypothese handelt. Mich erinnert das an frühe "Studien" zur angeblichen "Unschädlichkeit" von sexuellen Übergriffen von Erwachsenen auf Kinder. In den 1970ern lagen hierzu ebenfalls nur vereinzelt Studien vor und diese wiederum basierten ebenfalls nur auf einer sehr kleinen Datenbasis. Dennoch dominierten sie viele Jahre danach die "Fachwelt", wo sich die Hypothese (!), dass entsprechende sexuelle Handlungen für die Kinder nicht schädlich, ja angeblich sogar "gesund" seien, hartnäckig hielt - sehr zum Schaden der vielen betroffenen Kinder. Vorsicht also vor allzuschneller Überleitung einer Hypothese in "Tatsachen"!

Eine letzte Anmerkung: (Zitat) "Pädophile, die zum Täter wurden, waren im Durchschnitt sechs Jahre älter als Pädo­phile, die keine Kinder missbraucht hatten". Für mich ein weiterer Hinweis, die Studienergebnisse höchstens als vorläufig anzusehen. Denn die "Pädophile[n], die zum Täter wurden" waren auch einmal jünger und damals womöglich noch keine Täter. Will sagen: Für mich ist diese Aussage eher ein Hinweis darauf, dass bei Pädophilen mglw. die Gefahr, dass sie irgendwann zum Täter werden, mit dem Alter (bzw. der Erhöhung des Drucks, seine Phantasien ausleben zu wollen) steigt. Und es wäre demnach auch ein Hinweis darauf, dass die untersuchten Gruppierungen (insb. die der Pädophilen, die schon Kinder missbraucht haben, und diejenigen Pädophilen, die noch keine Kinder missbraucht haben) nicht so klar voneinander abgrenzbar sind, wie es laut dem Studiendesign dargestellt wird.

Zuletzt noch einmal der allgemeine Hinweis darauf, dass nicht jedeR, der/die Kinder sexuell ausbeutet, pädophil im o.d. Sinne ist. Zahlreiche sexuelle Übergriffe von Erwachsenen auf Kinder geschehen OHNE eine so genannte (angenommene) sexuelle Präferenzstörung. Es ist dringend angebracht, auch in diese Richtung Forschungen zu betreiben, und es sei davor gewarnt, zu glauben, wenn wir "Pädophilie" identifizieren können, wäre das Problem der sexuellen Gewalt gegen Kinder weitgehend gelöst. Nochmal: So, wie man das Motiv für solche Übergriffe beim Projekt "Kein Täter werden" definiert, erfasst man nur einen (kleinen) Teil der TäterInnen. Pädophilie im Sinne einer sexuellen Präferenzstörung ist nur EINE der (hypothetischen) Erklärungen, warum sich Erwachsene sexuell an Kindern vergehen.
Avatar #111441
borgmann4
am Donnerstag, 28. Mai 2015, 20:14

Ja, was denn nun?


"Pädo­philie ist ein besonderer Zustand im Gehirn, der nicht pathologisch ist, sondern eine bestimmte sexuelle Neigung“, erläuterte Klaus Beier,"
......

„Pädophile, die zum Täter wurden, waren im Durchschnitt sechs Jahre älter als Pädo¬phile, die keine Kinder missbraucht hatten“, berichtete Tillmann Krüger, Oberarzt an der Medizinischen Hochschule Hannover. Viele litten an Depressionen und Angststörungen. Auch die Rate derjenigen mit Persönlichkeitsstörungen und sexueller Dysfunktion war erhöht. „Die meisten hatten keine einfache Lebensgeschichte und waren in der Kindheit emotionaler Vernachlässigung ausgesetzt“, erläuterte Krüger“

Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit, vor allem in der sehr frühen, gilt als eine DER Ursachen für schwere Persönlichkeitsstörungen. Ein Teil der Wissenschaft wertet Pädosexualität als schwerste Form des Narzissmus. Einer Krankheit, die zu Eigen- und Fremdschädigung führen kann.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden
LNS

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