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Medizin

Therapeutisches Potenzial psychedelischer Substanzen bleibt ungenutzt

Montag, 1. Juni 2015

London – Das therapeutische Potenzial vieler psychedelischer Drogen bleibt in der Medizin ungenutzt, da Substanzen wie Psilocybin oder LSD als sehr gefährliche Substanzen gelten. James Rucker, Psychiater und Wissenschaftler am Kings College London, fordert daher ein Reklassifikation dieser Substanzen, um den Zugang zu Forschungszwecken zu erleichtern. Im British Medical Journal erläutert er in einem „Personal View“ die Gründe für seine Einschätzung (http://dx.doi.org/10.1136/bmj.h2902).

Psilocybin, der halluzinogene Wirkstoff aus „Magic Mushrooms“, und LSD, ein Alkaloid aus dem Mutterkornpilz, wurden 1967 im US-amerikanischen Controlled Substances Act als sehr gefährliche Substanzen bewertet. In vielen anderen Ländern, darunter auch Großbritannien, wurden die Drogen in Folge dessen ebenfalls als besonders gefährlich eingestuft. 1971 verabschiedete die UN die Konvention über psychotrope Substanzen, in denen beispielsweise LSD und Psilocybin in Tabelle I gelistet wurden. Substanzen dieser Tabelle, zu denen auch Cannabis lange zählte, gelten als außerordentlich gesund­heitsgefährdend und ohne oder sehr geringen therapeutischen Nutzen.

Rucker berichtet jedoch, dass die Kategorisierung der Drogen politischen und nicht wissenschaftlichen Motiven folgte. Die bis 1967 durchgeführte Forschung habe in vielen Fälle das therapeutische Potenzial der Mittel offen gelegt. Demgegenüber sei laut eines Reviews aus dem Jahr 1984 das Gefahrenpotenzial im Rahmen kontrollierter klinischer Anwendungen gering.

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Eine akute Toxizität sei ebenfalls kaum vorhanden. Der therapeutische Index, also der Faktor der wirksamen Dosis, der bei fünf Prozent der Konsumenten zum Tod führt, liegt bei LSD und Psilocybin bei 1000. Im Vergleich zu anderen Drogen, wie Alkohol mit einem Index von 10 oder Kokain mit dem Index 15, seien die psychotropen Substanzen daher vergleichsweise sicher.

Konsumenten, die im Rahmen der National Survey on Drug Use and Health 2001 und 2004 zu ihrem Drogenkonsum befragt wurden, berichteten von einem niedrigeren Stresslevel, zeigten weniger psychische Erkrankungen und niedrigere Suizidraten.

Der therapeutische Nutzen der Substanzen wurde bis zu ihrem Verbot in klinischen Studien untersucht. Angststörungen, Alkoholmissbrauch, Zwangsstörungen und Clusterkopfschmerzen wurden in diesen Studien untersucht.

Die Forschung mit LSD und Psilocybin ist nur unter strengsten Auflagen möglich. Durch Lizenzen, die Hersteller besitzen müssen, liegt der Preis von einem Gramm reinen Psilocybins bei 100.000 britischen Pfund. Für den wissenschaftlichen Umgang mit den Stoffen sind ebenfalls teure Lizenzen nötig.

Um das medizinische Potenzial der Psychotropika zu erschließen, fehlt es gegenwärtig an qualitativ guten Studien. Rucker fordert daher im Rahmen der UN General Assembly Special Session on Drugs 2016, psychedelische Drogen neu zu klassifizieren. Im Rahmen der momentanen Klassifikation seien Analysen kaum möglich.

© hil/aerzteblatt.de

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