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Ärzteschaft

Antibiotika bei Durchfall­erkrankungen nur zurückhaltend einsetzen

Montag, 1. Juni 2015

Berlin – Ärzte sollten bei plötzlichen Durchfallerkrankungen Antibiotika nur in bestimmten Fällen einsetzen, etwa bei Infektionen mit Shigellen oder Salmonellen. Das hebt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) in der neuen Leitlinie „Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple“ hervor.

Die Gastroenterologen erinnern daran, dass Antibiotika häufig auch Ursache schwerer Durchfallerkrankungen sind: In den vergangenen Jahren verzeichneten vor allem Krankenhäuser einen starken Anstieg von teils schweren, manchmal lebensbedrohlichen Clostridium difficile-Infektionen. Besonders ältere Patienten seien hierdurch gefährdet, so die Experten der Fachgesellschaft.

In Deutschland kommt es laut der DGVS jährlich zu etwa 65 Millionen akuten Magen-Darm-Erkrankungen bei Erwachsenen. „Selbst bei Kenntnis des Erregers ist eine Antibiotikabehandlung häufig nicht sinnvoll, da sie die Dauer der Erkrankung kaum verkürzt“, erläutert Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena und einer der beiden Leitlinienkoordinatoren der DGVS.

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Durchschnittlich dauere eine Durchfallerkrankung drei bis vier Tage und verschwände dann von selbst. Bei Infektionen mit Bakterien wie Campylobacter, durch Yersinien und Escherichia coli empfehlen die Autoren der Leitlinie, in der Regel auf Antibiotika zu verzichten. Selbst bei EHEC-Bakterien, die 2011 in Norddeutschland eine Epidemie ausgelöst hatten, ist laut den Experten nicht sicher, dass Antibiotika den Krankheits­verlauf günstig beeinflussen, betont Professor Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinische Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der gemeinsam mit Stallmach die Leitlinie koordiniert hat.

Bei Shigellen sollten die Ärzte hingegen Antibiotika verschreiben. Allerdings seien sie oft gegen Antibiotika resistent, sodass eine Testung nötig sei. Auch bei Salmonellen und in Ausnahmefällen bei Reisedurchfällen könne eine Antibiose sinnvoll sein, insbesondere bei einer Bakteriämie, so Lohse.

Bei weniger gravierenden Magen-Darm-Infekten helfen laut der DGVS normalerweise einfache Mittel um die Symptome zu lindern: So könne der Arzt den Patienten Medika­mente mit dem Wirkstoff Loperamid verschreiben. Zum Ausgleich des Flüssigkeits­verlusts empfiehlt die Leitlinie eine Salz- und Glukosetrinklösung, die in Apotheken erhältlich ist. Fruchtsäfte, Leitungswasser oder Cola seien dagegen ungeeignete Hausmittel, so die Experten. © hil/aerzteblatt.de

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