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Medizin

Erste Todesfälle der MERS-Epidemie in Südkorea

Dienstag, 2. Juni 2015

Zwei Südkoreanerinnen mit Mundschutz gehen an einem vorsorglich aufgebauten Quarantänezelt vorbei /dpa

Seoul – Ein 68-jähriger Mann hat nach einer Reise in mehrere Länder der arabischen Halbinsel das Coronavirus (CoV), den Erreger des „Middle East respiratory syndrome“ (MERS), nach Südkorea eingeschleppt. Dort ist es zum bisher schwersten Ausbruch außerhalb der arabischen Halbinsel gekommen. Am Montag gaben die Behörden die ersten beiden Todesfälle bekannt.

Das 2012 entdeckte MERS-CoV war zuletzt aus der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit verschwunden. Die Epidemie ist jedoch keineswegs überwunden, wie die regelmäßig von der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) veröffentlichten Berichte („Disease outbreak news“) zeigen. Global wurden bislang 1.154 Erkrankungen durch Labortests bestätigt. Wenigstens 434 Patienten erlagen den Folgen von MERS: Sie erkrankten an einem Atemnotsyndrom, das durch einen septischen Schock und ein Multiorganversagen kompliziert wurde.

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Touristen haben das Virus in den letzten Jahren immer wieder von der arabischen Halbinsel in andere Länder eingeschleppt, wo die Erkrankung oft nicht sogleich erkannt wird. Der koreanische Index-Patient war am 4. Mai nach einer Rundreise durch mehrere arabische Länder in Südkorea eingetroffen. Er war bei seiner Ankunft noch asymp­tomatisch. Die ersten Symptome traten erst eine Woche später am 11. Mai auf.

Der Patient wurde drei Tage lang in einer Klinik behandelt, ohne dass die MERS-CoV bemerkt wurde. Erst als er am Tag der Entlassung eine weitere Klinik aufsuchte, wurde Verdacht geschöpft. Ein Test fiel am 30. Mai positiv aus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Indexpatient mindestens 12 andere Menschen infiziert. Trotz der Untersuchung von Kontakt-Personen ist es den koreanischen Behörden bislang nicht gelungen, den Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen. Am Montag starben dann die ersten beiden Patienten, eine 58jährige Frau und ein 71-jähriger Mann, an MERS. Die Behörden geben die Zahl der Infizierten mittlerweile mit 25 an. Mehr als 680 Kontakte sollen isoliert worden sein.

Dass sich der Index-Patient im Frühjahr infizierte, ist möglicherweise kein Zufall. Auch in den vergangenen Jahren kam es um den April und Mai herum auf der arabischen Halbinsel zu einem Anstieg der Erkrankungszahlen. Experten bringen dies mit der Übertragung durch neu infizierte junge Kamele in Verbindung, die in den ersten Lebensmonaten eine enge Betreuung benötigen. Als mögliche Übertragungswege gelten auch der Besuch von Kamelrennen und das Melken der Muttertiere. Da nicht alle Infizierte Kontakt zu Kamelen hatten, werden weitere Tiere als Überträger vermutet, bei denen die Infektion möglicherweise asymptomatisch verläuft.

Wie der aktuelle Ausbruch in Südkorea zeigt, ist eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Die meisten Erkrankten haben Begleiterkrankungen, die die Ausbreitung des Erregers im menschlichen Körper fördern. In Deutschland sind bislang drei Personen an MERS erkrankt. Zuletzt wurde im März diesen Jahres ein 65 Jahre alter Mann in Osnabrück behandelt. Er hatte sich bei einer Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate infiziert.

Einschränkungen für Reisen in Länder der arabischen Halbinsel gibt es derzeit nicht. Das Robert Koch-Institut empfiehlt aber Menschen mit einer Grunderkrankung wie zum Beispiel Diabetes, vor einer Reise eine Ärztin oder einen Arzt zu konsultieren. Die WHO rät Reisenden, den Kontakt zu Dromedaren zu unterlassen. Besuche auf Farmen oder Märkten, auf denen sich Dromedare aufhalten, sollten vermieden werden, zudem sollten Reisende keine rohen oder unvollständig erhitzten Kamelprodukte zu sich nehmen. © rme/aerzteblatt.de

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