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Ausland

Milliardenstrafe für Tabakhersteller in Kanada

Dienstag, 2. Juni 2015

dpa

Montréal – Nach einem jahrelangen Rechtsstreit sind in Kanada drei internationale Tabakkonzerne zu Rekord-Entschädigungszahlungen an Raucher verurteilt worden. Imperial Tobacco Canada, Rothmans Benson & Hedges und JTI-MacDonald müssten den mehr als eine Million Betroffenen 15,5 Milliarden kanadische Dollar (11,3 Milliarden Euro) an Entschädigungen und Zinsen zahlen, entschied der oberste Gerichtshof der kanadischen Provinz Québec am Montag. Die Unternehmen kündigten an, in Berufung zu gehen.

Richter Brian Riordan befand die Hersteller für schuldig, gegen die „allgemeine Pflicht, anderen nicht zu schaden“, sowie gegen die Pflicht, „seine Kunden über Risiken und Gefahren seiner Produkte aufzuklären“, verstoßen zu haben. In den vergangenen Jahren hätten die Unternehmen „auf Kosten der Lungen“ und des allgemeinen Wohlbefindens ihrer Kunden Milliarden Dollar verdient, unterstrich der Richter in seiner 276 Seiten langen Entscheidung.

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Verteilung der Entschädigungssumme steht noch nicht fest
Riordan erließ die höchste Entschädigungssumme, die jemals in Kanada verhängt wurde. Bis Ende Juli müssen die Konzerne demnach bereits mehr als eine Milliarde Dollar auszahlen. Wie das Geld verteilt werden soll, muss noch geklärt werden.

Vor dem Gericht waren zwei Sammelklagen verhandelt worden, die knapp 1,02 Millionen Raucher oder ehemalige Raucher aus der Provinz Québec bereits 1998 eingereicht hatten. Mit der Verhandlung der Klagen war aber erst im März 2012 begonnen worden. Einige der Kläger hatten bereits in den 60er Jahren mit dem Rauchen angefangen.

Die Kläger machten die Tabakhersteller für ihre Nikotinsucht sowie für Leiden wie Lungenemphyseme, Lungen- oder Kehlkopfkrebs verantwortlich. Sie warfen den Unternehmen vor, sie nicht ordentlich über die Gefahren des Rauchens informiert und überdies mit Werbung zum Tabakkonsum verführt zu haben. Außerdem hätten die Hersteller für das Verfahren relevante Unterlagen vernichtet.

Tabakhersteller verweisen auf Warnhinweise
Die Unternehmen kritisierten die Entscheidung scharf. Seit den 50er Jahren hätten die Kanadier ein „starkes Bewusstsein der Gesundheitsrisiken beim Rauchen“, machte JTI-MacDonald in einer Erklärung geltend. Dieses Bewusstsein sei überdies seit mehr als 40 Jahren durch Warnhinweise auf jeder Zigarettenpackung verstärkt worden.

Auch Imperial Tobacco Canada wandte ein, dass die Risiken des Rauchens Verbrauchern und Regierungen „seit Jahrzehnten“ bekannt seien. Das Urteil in Québec wolle „erwachsene Konsumenten von jeder Verantwortung für ihr Verhalten entbinden“, kritisierte der zu British American Tobacco gehörende Konzern, der mit 10,5 Milliarden den größten Teil der Entschädigungszahlung leisten soll.

Rothmans Benson & Hedges monierte, dass vor Gericht kein einziger Kläger aussagen musste. „Niemand ist aufgetaucht, um zu sagen, dass er oder sie sich der Risiken des Rauchens nicht bewusst war“, erklärte das Unternehmen.

Das juristische Tauziehen zwischen den Tabakherstellern und den Betroffenen ist mit dem Urteil noch nicht beendet: Die Berufungsverhandlung könnte sich über Jahre hinziehen. Letztlich könnte sich dann der Oberste Gerichtshof Kanadas mit den Sammelklagen beschäftigen. © afp/aerzteblatt.de

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