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Politik

Diabetes-Hilfe: G7-Gipfel soll Impulse auch für Deutschland setzen

Dienstag, 2. Juni 2015

Berlin – Soziale Ungleichheit trägt dazu bei, dass das Diabetesrisiko bestimmter Bevölkerungsgruppen steigt. Dies führt zu einer weiteren Verschlechterung ihrer Gesundheit und ihrer Lebenschancen. Auf diesen Zusammenhang haben heute in Berlin Experten im Rahmen einer Veranstaltung der Deutschen Diabetes Hilfe hingewiesen. Sie erhoffen sich vom G7-Gipfel Impulse für eine Verbesserung der Situation auch in Deutschland.

Während des Treffens am 7. und 8. Juni auf Schloss Elmau stehen unter anderem gesundheitspolitische Themen auf der Agenda, so die Suche nach sinnvollen Strategien gegen vernachlässigte und armutsassoziierte Krankheiten. In einem Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble fordert die Diabetes Hilfe für Deutschland Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Chancenungleichheiten sowie effektive Strategien der Primärprävention.

Diabetes-Häufigkeit variiert regional stark
„Menschen aus benachteiligten Regionen sind kränker und leben kürzer“, erläuterte Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender der Diabetes Hilfe. „Unter anderem steigt ihr Risiko für Diabetes Typ 2 um zwanzig, für Fettleibigkeit um dreißig Prozent.“ Während die Diabeteshäufigkeit in Hamburg-Blankenese bei 4,3 Prozent liege, so Danne, betrage sie im strukturschwachen Bad Belzig in Brandenburg 13,5 Prozent. Auch bei Kindern aus benachteiligten Regionen gebe es schon ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, es resultiere unter anderem aus einem ungünstigen Ernährungsverhalten.

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„Schon heute gibt es in Deutschland sechs Millionen Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden. 400 Millionen sind es weltweit. Wenn die Nationen auf diesen Diabetes-Tsunami nicht mit wirkungsvollen Präventionsstrategien reagieren, werden nach Schätzungen der Internationalen Diabetes-Föderation bis zum Jahr 2035 etwa 600 Millionen Menschen von Diabetes betroffen sein“, so Danne. Die hohen Kosten im Gesundheitswesen durch die Zunahme der chronischen Krankheiten stellen nach seinen Worten in allen G7-Ländern zunehmend auch eine wachsende Bedrohung für die wirtschaftliche Prosperität dar.

Diskutiert wurden im Rahmen der Veranstaltung der Diabetes Hilfe verschiedene Maßnahmen: für Kinder und Jugendliche ein gezielter Ausbau von Bewegungs- und Sportangeboten, Qualitätskriterien für eine bessere Ernährung in den Schulen, ein Marketingverbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel, aber auch eine Zucker-Fett-Steuer.

Betriebskrankenkassen: eigene Kampagne
Von den Bemühungen der Betriebskrankenkassen (BKKen) berichtete Franz Knieps, Vorstand des BKK-Dachverbands. „Gerade die Betriebskrankenkassen stehen gemeinsam mit den Unternehmen vor der Herausforderung, möglichst viele Diabetes-Erkrankte im Arbeitsprozess zu halten“, sagte er. Deswegen hätten viele Kassen vor Ort funktionierende Lösungen entwickelt. Eine eigene Diabetes-Kampagne habe zudem zum Ziel, bisher nicht diagnostizierte Diabetiker und Menschen mit einem hohen Diabetes­risiko zu erkennen und sie frühzeitig in eine ärztliche Behandlung zu steuern.

Auch aus den Daten der Krankenkassen lässt sich nach Knieps‘ Worten der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Diabetesrisiko erkennen. So ist die Diabetesprävalenz bei arbeitslosen Versicherten deutlich höher als bei freiwilligen Mitgliedern der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Andere Daten wiederum lassen für ihn keine einfachen Rückschlüsse zu: So habe sich gezeigt, dass es bei der Medikamentenverordnung und der Inanspruchnahme ambulanter Leistungen keine derart deutlichen Unterschiede zwischen Diabetikern gibt.

Knieps hält es für wichtig, Diabetikern Sorgen und Schuldgefühle zu nehmen. Viele hätten wegen ihrer Erkrankung Angst, die Krankenkasse zu wechseln. Sie sorgten sich, dort würden sie schlechter behandelt. Seiner Meinung nach muss man Betroffene befähigen, gut mit ihrer Erkrankung zu leben und Präventions- und Unterstützungs­angebote der Krankenkassen zu nutzen. Entscheidend sei es zukünftig, sich um Bevölkerungsgruppen zu kümmern, die Beratung und Hilfe dringend benötigen, aber nicht bekommen: „Eine türkische Ehefrau ist nicht mit einem Kochkurs an der Volkshochschule zu erreichen.“ © Rie/aerzteblatt.de

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Avatar #675503
Widerstand
am Donnerstag, 4. Juni 2015, 12:21

Als Rufer in der Wüste...

...fordert die Diabetes Hilfe für Deutschland Maßnahmen zur Verringerung gesundheitlicher Chancenungleichheiten.
Denn sie wissen nicht was sie tun...
Das Problem: Genau diese Tatsachen sprechen für den Erfolg der politisch eingeführten und ständig weiter pervertierten Todesprogramme: Hartz4, Sklavenarbeit für Null Euro, Aufstocker im Interesse betrügerischer Unternehmen, Rentenpausen. Fast alle der Betroffenen haben jahrelang Sozialbeiträge geleistet und werden nun schleichend getötet. Entschuldigug liebe Redaktion, aber das sind Fakten aus dem realen Leben, die keinen anderen Schluss zulassen. Kein Mensch kann sich vollwertig ernähren und notwendige Medikamente und Behandlungen sind ausgeschlossen.
Ich spreche nur von Deutschland, weil mir die Mittel fehlen, muss ich in diesem Land leben und ich sage: 90% der deutschen Politiker sind Schuldig am Tod eines Teils der Bevölkerung, insbesondere der "unproduktiven".
Es gibt Forschugnen, Berichte und Studien massenhaft, doch die Perversion der Armutsförderung mit Inkaufnahme von Todesfolgen wird fortgesetzt.
Nur zur Ergänzung: Ich bin Diabetiker II mit Infarkt und das seit ich in dem Todesprogramm festsitze.
LNS

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