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Medizin

Mammakarzinom: Palbociclib verlängert progressionsfreies Überleben

Mittwoch, 3. Juni 2015

dpa

London – Das Zytostatikum Palbociclib, der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffgruppe von CDK4/6-Inhibitoren, hat in einer randomisierten klinischen Studie in Kombination mit einer Hormontherapie das progressionfreie Überleben von Patientinnen mit metasta­siertem Mammakarzinom mehr als verdoppelt. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Jahrestagung der American Society for Clinical Oncology in Chicago vorgestellt und im New England Journal of Medicine (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1505270) publiziert.

Die Enzyme CDK4 und 6 (für Cyclin-dependent kinases 4 and 6) veranlassen in den Zellen den Übergang von der G1-Phase in die S-Phase und schaffen damit die Voraussetzungen für eine Zellteilung. Hormonrezeptor-positive Brustkrebszellen nutzen diesen Mechanismus, um das Tumorwachstum voranzutreiben. CDK4/6-Inhibitoren sind deshalb ein vielversprechender Ansatz für die Krebstherapie, den verschiedene Hersteller derzeit verfolgen. Novartis führt derzeit eine Phase 3-Studie zu Ribociclib (NCT01958021) durch. Lilly testet Abemaciclib (NCT02246621).

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Der erste Vertreter wird jedoch Palbociclib sein, den der Hersteller Pfizer kürzlich in den USA als Ibrance zur Behandlung des metastasierten Mammakarzinoms bei postmenopausalen Frauen eingeführt hat. Vorgesehen ist eine Kombination mit dem Aromatasehemmer Letrozol. Grundlage der Zulassung waren die Ergebnisse der PALOMA-1-Studie, in der Palbociclib das progressionsfreie Überleben von 10,2 auf 20,2 Monate verlängerte. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse der PALOMA-3-Studie zeigen, dass Palbociclib auch bei prämenopausalen Frauen wirksam ist.

An der Studie beteiligten sich an 144 Standorten in 17 Ländern (darunter 5 Zentren in Deutschland) 521 Patientinnen aller Altersgruppen. Darunter waren auch 108 prä- oder perimenopausale Frauen, deren Ovarialfunktion durch Goserelin blockiert wurde. Alle Patientinnen wurden im Verhältnis 2 zu 1 auf eine Therapie mit Palbociclib (125 mg einmal täglich oral für drei von vier Wochen im jedem Zyklus) plus Fulvestrant (500 mg intramuskulär an Tagen 1 und 15 des Zyklus 1 und dann am Tag 1 jedes nachfolgenden Zyklus von 28 Tagen) oder auf eine Therapie mit Fulvestrant plus Placebo randomisiert. Alle Frauen waren Hormonrezeptor-positiv und HER2-negativ und hatten auf eine vorherige Hormontherapie nicht (mehr) angesprochen.

Die Studie war ursprünglich für 427 Patientinnen geplant und sollte 2017 abgeschlossen werden. Sie wurde nach einer Zwischenauswertung Anfang April 2015 vorzeitig gestoppt, weil im primären Endpunkt, der Verlängerung des progressionsfreien Überlebens, ein signifikanter Vorteil der Kombination aus Palbociclib plus Fulvestrant erkennbar war.

Nach den von Nicholas Turner vom Institute of Cancer Research, London, und Mitar­beitern vorgestellten Zahlen vergingen unter der Kombinationstherapie im Durchschnitt 9,2 Monate bis zum erneuten Tumorprogress gegenüber 3,8 Monaten unter der alleinigen Behandlung mit Fulvestrant. Die Hazard Ratio auf Tumorprogression oder Tod betrug 0,42 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,32 bis 0,56 hochsignifikant.

Die Vorteile waren in den meisten Subgruppen nachweisbar und es gab keine Unter­schiede zwischen prä- und postmenopausalen Frauen. Der Hersteller rechnet sich deshalb gute Chancen auf eine Erweiterung der Indikation aus, die in den USA derzeit auf postmenopausale Frauen beschränkt ist. In Europa ist Palbociclib derzeit nicht zugelassen.

Da Palbociclib vom Ansatz her ein Zytostatikum ist – es verhindert die Proliferation von Zellen – treten auch die für diese Mittel typischen Nebenwirkungen auf. Im Vordergrund standen Veränderungen des Blutbildes wie Neutropenien (62,0 Prozent gegenüber 0,6 Prozentunter der Monotherapie mit Fulvestrant), Leukopenie (25,2 Prozent versus 0,6 Prozent), Anämie (2,6 Prozent versus 1,7 Prozent), Thrombozytopenie (2,3 Prozent versus 0 Prozent) und Müdigkeit (2,0 Prozent versus 1,2 Prozent). Aber auch Fatigue (38 Prozent versus 26,7 Prozent), Übelkeit (29,0 Prozent versus 26,2 Prozent) und Kopfschmerzen (21,1 Prozent versus 17,4 Prozent) waren häufiger als unter der Monotherapie mit Fulvestrant.

Die meisten Patientinnen tolerierten die Begleiterscheinungen der Therapie jedoch. Die Abbruchrate aufgrund von Nebenwirkungen war mit 2,6 Prozent kaum höher als in der Kontrollgruppe. Bei einem Drittel der Patientinnen wurde die Dosis von Palbociclib jedoch reduziert. © rme/aerzteblatt.de

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