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Medizin

MRSA: Dekolonisierung vermeidet postoperative Wundinfektionen

Mittwoch, 3. Juni 2015

Staphylococcus-aureus /dpa

Iowa City – Ein Bündel von Maßnahmen zur prä-operativen Dekolonisierung von Patienten mit einem positiven Nachweis von S. aureus hat in US-Kliniken die Rate von postoperativen Wundinfektionen halbiert, wie aus einer „pragmatischen“ Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2015; 313: 2162-2171) hervorgeht.

Staphylococcus aureus ist der häufigste Erreger von postoperativen Wundinfektionen, die besonders schwierig zu behandeln sind, wenn die Erreger resistent gegen Antibiotika sind, was zunehmend häufiger der Fall ist. Infektiologen haben eine Reihe von Maß­nahmen zur Dekolonisierung vorgeschlagen, deren „gebündelte“ Effektivität in einer US-Studie erstmals in einer größeren multizentrischen Studie untersucht wurde.

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An der Studie beteiligten sich 20 Kliniken aus neun US-Bundesstaaten, die die Häufigkeit von komplexen Wundinfektionen in den 39 Monaten vor Einführung des Maßnahmen­bündels und in den ersten 21 Monaten der Intervention vergleichen ließen. Das Maß­nahmenbündel begann mit einem Nasenabstrich, der beim Vorgespräch (in der Regel 10 bis 14 Tage vor der Operation) entnommen wurde und auf eine Kolonisierung mit Staphylococcus aureus untersucht wurde.

Patienten mit einem positiven Abstrich wurden gebeten, an den fünf Tagen vor der Operation zweimal täglich das Antibiotikum Mupirocin intranasal anzuwenden und an diesen Tagen täglich ein Bad mit dem Antiseptikum Chlorhexidin zu nehmen. Patienten mit einem negativen Abstrich sollten nur einmal mit Chlorhexidin baden. Sie konnten auf die Anwendung von Mupirocin verzichten.

Alle Patienten erhielten eine peri-operative Antibiotika-Prophylaxe. Bei den Patienten, die nicht mit S. aureus kolonisiert waren oder bei denen Methicillin-empfindliche S. aureus (MSSA) nachgewiesen worden waren, erhielten die Antibiotika Cefazolin oder Cefuroxim. Für die mit Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) besiedelten Patienten wurde zusätzlich die Gabe von Vancomycin empfohlen.

Im Rahmen der pragmatischen Studie gab es keine Verpflichtung für die Ärzte, die Empfehlungen umzusetzen. Das Team um Loreen Herwaldt vom Carver College of Medicine in Iowa City wertete jedoch später die elektronischen Krankenakten aus und setzte die Adhärenz mit dem Maßnahmenpaket mit der Häufigkeit komplexer Wund­infektionen in Beziehung.

In der Prä-Interventionsphase kam es nach 28.218 Operationen zu 101 komplexen chirurgischen Infektionen mit S. aureus. In der Interventionsphase waren es 29 komplexe chirurgische Infektionen auf 14.316 Operationen. Bezogen auf 10.000 Operationen entspricht dies einem Rückgang von 36 auf 21 Infektionen, also einer absoluten Reduk­tion um 17 komplexe Wundinfektionen pro 10.000 Operationen. Herwaldt ermittelt ein relatives Risiko von 0,48, also eine Halbierung der Infektionen, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,29-0,80 statistisch signifikant war.

Der geringe Rückgang der absoluten Zahlen wirft Fragen nach der klinischen Relevanz auf. Chirurgische Wundinfektionen können für den einzelnen Patienten jedoch schwer­wiegende Folgen haben, argumentiert Preeti Malani von der University of Michigan in Ann Arbor im Editorial. Dazu gehören eine eventuelle monatelange parenterale Antibio­tikagabe, zusätzliche chirurgische Eingriffe und eine Verlängerung der stationären Behandlung.

Ihre Vermeidung sollte den Einsatz der relativ einfachen Dekolonisierung rechtfertigen, meint Malani, zumal das Risiko einer Mupirocin-Resistenz sehr gering zu sein scheint. Andererseits würden die Zahlen jedoch zeigen, dass sich auch bei einer optimalen Dekolonisierung nicht alle chirurgischen Wundinfektionen vermeiden lassen. Eine Lücke bestehe vor allem bei den gram-negativen Erregern.

© rme/aerzteblatt.de

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