NewsHochschulenGewalt bleibt als Ursache für Erkrankungen oft unerkannt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Hochschulen

Gewalt bleibt als Ursache für Erkrankungen oft unerkannt

Donnerstag, 4. Juni 2015

Aachen/Düsseldorf – Obwohl fast jeder zweite Mensch in seinem Leben Opfer von körperlicher oder psychischer Gewalt wird, wird dies als Auslöser für gesundheitliche Beeinträchtigung oft nicht erkannt. Zu diesem Ergebnis kommt das vom Land Nordrhein-Westfalen (NRW) und der Europäischen Union geförderte Projekt „Gender Gewaltkonzept“ der Uniklinik Aachen gemeinsam mit der Aachener Beratungsstelle „Frauen helfen Frauen“.

Im Rahmen des Projekts haben die Wissenschaftler 5.000 Patienten des Klinikums Aachen systematisch nach ihren Gewalterfahrungen befragt und die gesundheitlichen Auswirkungen erfasst. 43 Prozent der weiblichen und 38 Prozent der männlichen Befragten gaben an, körperliche und/oder psychische, sexuelle oder wirtschaftliche Gewalt erlebt zu haben.

Während betroffene Frauen häufig mit Depressionen, Schlafstörungen oder Selbst­verletzungen reagieren, zeigen Männer mehr körperliche Verletzungen und ein problematisches gesundheitliches Verhalten wie Suchtmittelmissbrauch oder riskantes Sexualverhalten. Beide Geschlechter leiden je nach Art und Ausmaß der erlebten Gewalt unter posttraumatischen Belastungsstörungen, sexuellen Störungen, Suizidgefahr sowie Haut- und Atemwegserkrankungen.

Anzeige

Eine Befragung unter den Ärzten des Klinikums Aachens im Rahmen des Projekts zeigte außerdem, dass viele von ihnen im Umgang mit Gewaltopfern unsicher sind und Gewalt als mögliche Ursache häufig nicht berücksichtigen. Fortbildungen konnten diese Kompetenzen deutlich verbessern.

„Die Ergebnisse des Projekts sind wegweisend. Sie zeigen wie wichtig es ist, dass Ärzte Gewalt als Ursache für gesundheitliche Beeinträchtigungen erkennen und ihnen dabei die unterschiedlichen Auswirkungen bei Frauen und Männern bekannt sind“, sagte NRWs Ge­sund­heits­mi­nis­terin Barbara Steffens (Bündnis 90/Grüne).

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

2. Oktober 2020
Berlin – Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) der Bundesregierung appelliert an die Politik, die Bekämpfung von sexualisierter Gewalt an Kindern nicht allein
Mehr Anstrengungen im Kampf gegen sexuelle Gewalt erforderlich
29. September 2020
München – Der Ausbau von Frauenhäusern geht nach Ansicht der Landtags-FDP in Bayern viel zu langsam voran. Innerhalb eines Jahres sei die Zahl staatlich geförderter Plätze für schutzsuchende Frauen
FDP für schnelleren Ausbau von Frauenhäusern in Bayern
14. September 2020
Stuttgart – Baden-Württemberg setzt auf Telemedizin und sogenannte Augmented Reality (AR), um den Kinderschutz im Land zu verbessern. „Eine Schlüsselrolle bei der Erkennung von Gewalt und der Klärung,
Baden-Württemberg: Telemedizin und AR-Technologien sollen Ärzten bei Erfassung von Kindesmisshandlungen helfen
8. September 2020
Lyon – Im Zuge der Coronapandemie sind nach Angaben der internationalen Polizeiorganisation Interpol Fälle des Kindesmissbrauchs weniger häufig gemeldet worden. Die Mitgliedsstaaten hätten angegeben,
Interpol: Kindesmissbrauch während Pandemie seltener gemeldet
27. August 2020
Wiesbaden – Die Zahl der von Jugendämtern festgestellten Kindeswohlgefährdungen ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand gestiegen. Im Jahr 2018 stellten die Behörden bei rund 55.500
Zahl der Kindeswohlgefährdungen steigt auf neuen Höchststand
27. August 2020
Stuttgart – Im vergangenen Jahr sind Sanitäter und Feuerwehrleute in Baden-Württemberg so oft wie nie zuvor angegriffen und auch verletzt worden. Im Vergleich zum Jahr 2011 seien sie mindestens drei
Angriffe auf Rettungsdienste auf Rekordniveau
21. August 2020
Bristol – Einen Zusammenhang zwischen Misshandlungen im Kindesalter wie körperlicher Misshandlung, sexuellem Missbrauch oder Vernachlässigung und späteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen sehen
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER