NewsAuslandIrak droht humanitäre Katastrophe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Irak droht humanitäre Katastrophe

Donnerstag, 4. Juni 2015

Bombenanschlag in Bagdad /dpa

Bagdad/Brüssel – Nach jahrelanger massiver Gewalt der Terrormiliz IS wird der Irak zunehmend von einer humanitären Katastrophe bedroht. Die Lebensumstände von Millionen Menschen könnten sich nach UN-Angaben dramatisch verschlechtern, weil Hilfsgelder fehlten.  „Wenn es nicht mehr Unterstützung gibt, könnten in den kommenden Wochen etwa die Hälfte der humanitären Programme gekürzt oder eingestellt werden müssen“, warnte Kyung Wha Kang vom UN-Nothilfebüro am Donnerstag bei einem Krisentreffen in Brüssel. Es bestehe die konkrete Gefahr, dass Millionen Menschen ohne sauberes Wasser, Nahrung und medizinische Versorgung dastehen.

Um eine Katastrophe abzuwenden, rufen Europäische Union und Vereinte Nationen nun dazu auf, für einen neuen Hilfsplan bis Jahresende knapp eine halbe Milliarde US-Dollar (rund 441 Millionen Euro) zu mobilisieren. Die EU erhöhte ihre Unterstützung für das laufende Jahr am Donnerstag um 25 Millionen Euro auf mehr als 63 Millionen.

Anzeige

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) berichtete zudem von Krankheiten wie Masern oder Polio, die im Irak auf dem Vormarsch seien: „Das zeigt uns, dass das Gesundheits­system zusammengebrochen ist“, erklärte Generaldirektorin Margaret Chan. „Die Zahl der Menschen im Irak, die lebensrettende Hilfe benötigen, ist in weniger als einem Jahr um 400 Prozent gestiegen“, kommentierte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides. Nach UN-Angaben benötigen derzeit mehr als acht Millionen Iraker Hilfe. Die Zahl drohe bis Ende des Jahres auf zehn Millionen anzusteigen.

Die Situation wird durch die blutigen Kämpfe zwischen dem IS und Regimetruppen zusehends verschärft. So sind seit der Eroberung der irakischen Provinzhauptstadt Ramadi vor etwa zweieinhalb Wochen nach Angaben der Vereinten Nationen 85 000 Menschen auf der Flucht. Wie das UN-Flüchtlingshilfswerk am Donnerstag berichtete, seien im gesamten Land fast drei Millionen Menschen gezwungen worden, ihre Häuser zu verlassen.

Die Rückeroberung Ramadis, das westlich von Bagdad liegt, geht nach Aussagen eines Provinz-Politikers „sehr langsam“ voran. Obwohl die Stadt von drei Seiten umschlossen sei, habe es noch keinen Durchbruch in Richtung Zentrum gegeben, sagte er einer lokalen Nachrichtenseite.

Nach gegenseitigen Vorwürfen zwischen Bagdad und Washington zum schleppenden Kampf gegen die Extremisten sprechen die USA aber zumindest davon, dem IS „enorme Verluste“ zugefügt zu haben. 10 000 der Extremisten seien seit Beginn der Initiative vor neun Monaten getötet worden, sagte Vize-Außenminister Antony Blinken dem Sender France Inter. Trotzdem werde der Kampf noch Jahre andauern. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2019
Köln – Seit dem Beginn der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien befinden sich nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef fast 70.000 Kinder auf der Flucht. Bis heute seien in Nordostsyrien
Fast 70.000 Kinder in Nordsyrien auf der Flucht
15. Oktober 2019
Berlin – Die Welthungerhilfe warnt vor neuen Gefahren für die Ernährungssicherheit durch den Klimawandel in ohnehin gefährdeten Staaten. „Die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung in einem sich
Der Klimawandel verschärft den Hunger
15. Oktober 2019
Athen/Lesbos – Im völlig überfüllten Migrantenlager der griechischen Insel Samos hat es am gestern Abend nach einem Streit zwischen Syrern und Afghanen schwere Krawalle gegeben. Nach einer
Ausschreitungen in Migrantenlager auf Samos
15. Oktober 2019
Rom – Italien hat der Hilfsorganisation SOS Méditerranée erlaubt, die 176 Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffs „Ocean Viking“ an Land zu bringen. Das teilte die Organisation gestern am späten Abend
Italien lässt Flüchtlinge von „Ocean Viking“ an Land
14. Oktober 2019
Kairo – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat sich besorgt über die humanitäre Lage im Nordosten Syriens nach dem Beginn der türkischen Offensive gegen die Kurdenmiliz YPG gezeigt. Bei den Kämpfen
WHO besorgt über humanitäre Situation im Nordosten Syriens
11. Oktober 2019
Bonn – Hilfswerke haben sich besorgt über die Kämpfe in Nordsyrien gezeigt und den Schutz der Zivilbevölkerung gefordert. Die Diakonie Katastrophenhilfe und Ärzte ohne Grenzen verlangten heute in
Ruf nach Schutz und humanitärer Hilfe in Nordsyrien
10. Oktober 2019
Lyon – Die USA, Deutschland und andere internationale Geldgeber haben im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria 14 Milliarden US-Dollar (rund 12,7 Milliarden Euro) für die kommenden drei Jahre
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER