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EU-Beobach­tungsstelle besorgt über Vielzahl neuer legaler Drogen

Freitag, 5. Juni 2015

Der Online-Drogenmarkt boomt /dpa

Lissabon – Der Heroinkonsum in Europa geht zurück, aber legale Drogen sind auf dem Vormarsch: Die EU-Drogenbeobachtungsstelle (EBDD) hat sich besorgt über die rasante Zunahme neuer psychoaktiver Substanzen gezeigt. Laut dem am Donnerstag in Lissa­bon vorgestellten Jahresbericht der EBDD kamen im vergangenen Jahr durchschnittlich zwei sogenannte Legal Highs pro Woche neu auf den Markt. Unter den illegalen Drogen bleibt Cannabis die meistkonsumierte Substanz.

2014 seien 101 neue legale Drogen gezählt worden, 2013 seien es 81 gewesen, heißt es in dem Bericht. Insgesamt sind der EBDD 450 dieser Substanzen bekannt. Legal Highs enthalten chemische Substanzen, die ähnliche Wirkungen entfalten wie illegale Drogen wie etwa Ecstasy oder Kokain.

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 Zwar hätten die Legal Highs bei den Nutzern noch nicht die Oberhand gewonnen, heißt es in dem Bericht. „Aber sogar ein begrenzter Konsum gibt aufgrund der starken Giftigkeit einiger (neuer Drogen) Anlass zur Sorge.“ Das Bundeskriminalamt (BKA) hatte erst im April vor diesen Drogen gewarnt, die oft als harmlose Badesalze oder Kräutermischungen angeboten werden.

Der Online-Drogenmarkt wächst stark
Sie werden meist im Internet vertrieben – oft anonym und mit virtuellen Währungen wie Bitcoin. Die EBDD hat 650 Online-Drogenhändler identifiziert, die Legal Highs an Europäer verkaufen. „Der Anstieg von Online- und virtuellen Drogenmärkten stellt eine große Herausforderung für die Strafverfolgungsbehörden und Drogenfahnder dar“, heißt es in dem Jahresbericht.

„Relativ positiv“ wertete die Behörde die Entwicklung bei den traditionellen illegalen Drogen wie Heroin, das eine stagnierende Nachfrage erlebe. Die Zahl der Menschen, die sich in den EU-Ländern wegen Heroinsucht in Behandlung begeben haben, ging dem Bericht zufolge von 2007 bis 2013 um mehr als die Hälfte zurück – von 59.000 auf 23.000. Die Hälfte der 1,3 Millionen Langzeit-Heroinsüchtigen befinde sich in Behandlung. Weiter heißt es in dem Bericht, dass die Polizei weniger Heroin beschlagnahmt habe.

 Allerdings warnte die Drogenbeobachtungsstelle, dass die steigende Opium-Produktion in Afghanistan die Nachfrage in Europa wieder verstärken könnte. Auch hätten Schmuggler ihre Routen ausgeweitet: Die Drogen würden nicht mehr nur über den Balkan auf dem Landweg transportiert, sondern kämen auch per Flugzeug oder Schiff aus Afrika und von der Arabischen Halbinsel.

Meistkonsumierte illegale Droge bleibt Cannabis
Unter den aufputschenden Drogen ist Kokain die am meisten konsumierte illegale Substanz in der EU. Im vergangenen Jahr hätten in der EU geschätzte 3,4 Millionen Erwachsene Kokain konsumiert, gefolgt von Ecstasy mit 2,1 Millionen Erwachsenen. Acht der elf Länder, die Daten zum Kokainkonsum erheben, verzeichneten einen Rückgang des Konsums.

Die meistkonsumierte illegale Droge insgesamt in der Europäischen Union war auch im vergangenen Jahr Cannabis mit 19,3 Millionen Nutzern. Schätzungen zufolge greift ein Prozent der EU-Bevölkerung täglich oder nahezu täglich zu Cannabis. Deutschland verzeichnete im vergangenen Jahr ebenso wie Spanien und Großbritannien einen Rückgang, während der Cannabis-Konsum in anderen Ländern zunahm, etwa in Frankreich und in den nordischen Ländern. Nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung ist Cannabis bei den unter 25-Jährigen in Deutschland der häufigste Grund, im Zusammenhang mit Drogen eine Suchthilfeeinrichtung aufzusuchen. © afp/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 6. Juni 2015, 01:43

Die Zunahme der "NPA"

... ist die logische Konsequenz der Illegalisierung der gut bekannten und erforschten klassischen Drogen.
Es ist doch kompletter Irrsinn, dass völlig unerforschte, in ihren Wirkungen, Nebenwirkungen und Risiken völlig unbekannte Substanzen völlig frei verkauft werden können, während die deutlich ungefährlicheren und bestens bekannten "Ursubstanzen" legal nicht verfügbar sind.
Wer mit hochgiftigen, hochrislanten Stoffen herumexperimentiert, tut dies straflos, muss nicht um seine Fahrerlaubnis fürchten, braucht keine Polizeikontrolle fürchten...
LNS

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