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Medizin

Intensivmedizin: Delirium erhöht Sterberisiko

Sonntag, 7. Juni 2015

Baltimore – Etwa ein Drittel aller Intensivpatienten entwickelt ein Delirium, das nach einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2015; 350: h2538) das Risiko auf längere Liegezeiten oder einen Tod im Krankenhaus erhöht. Viele überlebende Patienten leiden noch Jahre nach der Entlassung unter kognitiven Folgeschäden.

Ein Delirium mit Störungen des Bewusstseins und der Aufmerksamkeit oder Änderungen der Wahrnehmung (Gedächtnis, Orientierung, Sprache, Auffassung) ist eine häufige Beobachtung bei Intensivpatienten. Früher wurde es auch als Durchgangssyndrom bezeichnet in der Hoffnung, dass die meisten Patienten sich früher oder später von der Störung ihrer Hirnfunktion erholen.

In Wirklichkeit ist ein Delirium ein prognostisch ungünstiges Zeichen. Nicht selten zeigt es an, dass der Patient die Station nicht lebend verlassen oder mit langfristigen kognitiven Einschränkungen entlassen wird. Nach den jetzt von Robert Stevens von der Johns Hopkins University School of Medicine vorgelegten Zahlen, die auf 16.595 Patienten aus 42 Studien beruhen, kommt es bei 32 Prozent aller Intensivpatienten zu einem Delirium.

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Verglichen mit anderen Patienten war das Sterberisiko in der Klinik um den Faktor 2,19 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,78-2,70) erhöht. Die Patienten wurden 1,79 Tage länger künstlich beatmet und im Durchschnitt einen Tag und 9 Stunden später von der Station entlassen. Das Schicksal der Patienten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ist weniger gut untersucht. Nach zwei von Stevens zitierten Studien ist das Sterberisiko in den ersten sechs Monaten jedoch deutlich erhöht (41,2 versus 15,4 Prozent in einer und 34 versus 15 Prozent in der anderen). Die überlebenden Patienten leiden häufig unter bleibenden kognitiven Schädigungen, die ihre Lebensqualität und Selbstständigkeit im Alltag herabsetzen.

Die Ursachen für das Delirium sind nicht bekannt. Nach einer „Entzündungshypothese“ sollen Erkrankungen in verschiedenen Körperregionen eine Fernwirkung auf das Gehirn entfalten. Nach einer anderen Hypothese kommt es infolge von Durchblutungsstörungen zu Mikroinfarkten im Gehirn. Dies würde erklären, warum sich viele Patienten nicht wieder vollständig erholen. Umstritten ist, ob der häufige Einsatz von Sedativa die Entwicklung eines Deliriums fördert.

© rme/aerzteblatt.de

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