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Medizin

MERS traf südkoreanische Behörden unvorbereitet

Montag, 8. Juni 2015

Eine Wärmebildkamera zeigt die Körpertemperatur der Besucher eines Einkaufszentrum in Seoul dpa

Genf/Stockholm/Berlin – Den südkoreanischen Behörden ist es bislang nicht gelungen, die Ausbreitung des MERS-Coronavirus im Land aufzuhalten. Nachdem sich die Regierung zunächst weigerte, die betroffenen Kliniken zu nennen, wurde am Sonntag bekanntgegeben, dass an mehreren Kliniken Patienten behandelt werden. Am Montag­morgen war die Zahl der Patienten auf 87 gestiegen. Sechs Patienten sind an den Folgen der Erkrankung gestorben. Auch in China wurde ein erster Fall bekannt.

Weder das südkoreanische Ge­sund­heits­mi­nis­terium noch die südkoreanischen Centers for Disease Control and Prevention haben bislang detaillierte Informationen zum Ausbruch veröffentlicht. Erst am Sonntag wurde bekannt gegeben, wo der Index-Patient, ein 68-jähriger Geschäftsreisender, behandelt wurde. Es handelt sich um das St. Mary’s Hospital in Pyeongtaek, etwa 60 km von der Hauptstadt entfernt.

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Dort war zwischen dem 15. und 17. Mai der Index-Patient nach seiner Rückkehr von einer Geschäftsreise in mehreren Ländern der arabischen Halbinsel behandelt worden. Wie Science recherchiert hat, wurde der Patient in einem Zimmer mit einer Klimaanlage aber einer schlechten oder fehlenden Außenlüftung isoliert. Die ständige Umwälzung der Luft könnte dann die Viruskonzentration in der Raumluft erhöht haben. Dies würde erklären, warum sich in der Klinik insgesamt 35 weitere Personen infizierten. Eine offizielle Bestätigung gibt es jedoch nicht.

Unklar bleibt, wie sich der Ausbruch auf weitere Krankenhäuser ausweitete. Am Sonntag wurden 24 Kliniken genannt, in denen Patienten behandelt werden. In sechs der 24 Kliniken soll es zu Übertragungen auf andere Personen gekommen sein. Darunter war auch das Samsung Medical Centre in Seoul, wo 17 Fälle aufgetreten sind. Das Virus wurde vermutlich von einem Patienten eingeschleppt, der zuvor im  St. Mary’s Hospital in Pyeongtaek behandelt wurde. Demnach handelt es sich um eine zweite Welle. Zumindest in zwei Fällen ist es nach Informationen des Robert Koch-Instituts zu Infektionen der „dritten Generation“ gekommen. Aus China wurde eine aus Südkorea importierte Erkrankung gemeldet.

Die koreanischen Gesundheitsbehörden versuchen, eine weitere Ausbreitung zu verhindern, indem sie im großen Umfang Personen isolieren. Inwischen dürfen 2.300 Personen ihre Wohnung nicht verlassen. Als Kontrolle werden die Signale der Mobiltelefone ausgewertet. Eine weitere Maßnahme, deren Sinn sich Beobachtern am Wochenende nicht erschloss, war die Schließung von 1.150 Kindergärten und Schulen in Südkorea.

Auch außerhalb von Südkorea hat es in den letzten Wochen Erkrankungsfälle gegeben. Laut einer Meldung der ECDC vom 5.Juni waren dies 81 Erkrankungen in Saudi-Arabien (darunter 48 Todesfälle), 3 Erkrankungen in Katar (1 Todesfall), eine Erkrankung in Oman, zwei in den Vereinigten Arabischen Emiraten und eine im Iran.

Das MERS-Coronavirus wurde erstmals im September 2012 auf der arabischen Halbinsel entdeckt. Bis zum 6. Juni zählte die Welt­gesund­heits­organi­sation 1.190 labormedizinisch bestätigte Fälle, darunter mindestens 444 Todesfälle. Es wird vermutet, dass das Virus in erster Linie von Dromedaren auf den Menschen übertragen wird. Möglicherweise wurde das Virus durch einen Import von Tieren aus Afrika nach Saudi-Arabien einschleppt. In archivierten Proben aus den Jahren 1983 und 1984 wurden Antikörper bei Kamelen aus Somalia beziehungsweise dem Sudan nachgewiesen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 8. Juni 2015, 23:38

Wofür gibt es Falldefinitionen?

Der ganze Ausbruch hätte vermieden werden können, wenn am Anfang keine groben Fehler passiert wären. Zu den Grundregeln einer Krankenhausaufnahme gehört die Reiseanamnese. Und in den Falldefinitionen des RKI steht z.B. ganz klar, bei Aufenthalt auf der arabischen Halbinsel + Pneumonie bzw. Atemnotsyndrom sollte MERS ausgeschlossen werden. Auf den RKI-Seiten stehen auch die Ansprechpartner für die Labordiagnostik. Nach IfSG §6 Abs. 5 ist MERS als Gefahr für die Allgemeinheit zu betrachten, damit ist hier bereits der Verdacht an das GA zu melden.

Ich kenne nicht die Strukturen des ÖGD in Südkorea, aber dieser Fall zeigt, was passiert, wenn man bei einem Ausbruch tatenlos zuschaut. Ich behaupte nicht, daß so etwas in Deutschland unmöglich wäre. Es hängt alles davon ab, ob jemand in der Frühphase des Ausbruchs die richtigen Fragen stellt und die vorhandenen Möglichkeiten nutzt.
LNS

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