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Politik

DAK-Gesundheit fordert Krankenkassen­budgets für Forschung und Entwicklung

Montag, 8. Juni 2015

Hamburg – Einen „Neubeginn im Wettbewerb der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung“ fordert die DAK-Gesundheit. Die Kasse stützt sich dabei auf ein Gutachten des IGES-Instituts in Berlin. Dieses hat im Auftrag der DAK Schwachstellen und Hemmnisse im bestehenden System analysiert und macht Reformvorschläge.

„Als große bundesweit agierende Versorgerkasse mit 6,2 Millionen Versicherten wollen wir auf fehlsteuernde Anreizstrukturen im System aufmerksam machen und Alternativen aufzeigen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kasse, Herbert Rebscher. Er betonte, der Wettbewerb in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sei kein Selbstzweck, sondern müsse die Suche nach besseren Versorgungsverträgen zum Ziel haben. Stattdessen finde derzeit aber ein reiner Preiswettbewerb statt, der vor allem den 80 Prozent der meist gesunden, jungen Versicherten Anreize biete, Geld zu sparen, und damit das Solidarsystem finanziell schwäche.

„Eine solidarische Kran­ken­ver­siche­rung kann nicht im Angebot von Individualtarifen und medizinisch teils fragwürdigen Satzungsleistungen bestehen“, betonte Rebscher. Das entziehe dem System Mittel, die für die Versorgung chronisch Kranker dringend nötig seien.

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„Krankenkassen sollten spürbare Anreize haben, die Qualität und Effizienz der Versor­gung zu erhöhen“, sagte der Geschäftsführer des IGES Instituts, Martin Albrecht. Neue Versorgungs- und Vertragsformen sollten immer einen nachweisbaren Nutzen für Patienten haben. Dies sei in der Vergangenheit zu kurz gekommen.

IGES schlägt daher ein eigenständiges Krankenkassenbudget für die „Forschung und Entwicklung innovativer Versorgungsprozesse“ vor und nennt als Größenordnung 0,5 Prozent des gesamten Beitragsaufkommens in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Dies würde aktuell einer Summe von rund 922 Millionen Euro entsprechen. Die Gelder, über deren Verwendung die einzelnen Krankenkassen nach dem Konzept selbst entscheiden, sollen dem bestehenden Gesundheitsfonds entnommen werden, erklärt das Gutachten.

Um die sinnvolle Verwendung der Gelder zu kontrollieren, schlägt das Institut neben einer Evaluations- auch eine Publikationspflicht vor, sodass erfolgreiche Angebote in die Regelversorgung übergehen können. Krankenkassen, die sich selektivvertraglich engagieren und damit Innovationen in das System tragen, müssten mit diesem Sonderbudget keine Wettbewerbsnachteile befürchten.

„Im Gutachten von IGES wird gezeigt, wie selektivvertraglicher Wettbewerb im Gesundheitswesen der Suche und Entdeckung innovativer Lösungen dienen kann anstatt dem primären Streben nach Preisrabatten und Ausgabensenkungen“, sagte Rebscher.  

Unterstützung bekam die DAK von den Grünen. Deren gesundheitspolitische Sprecherin Maria Klein-Schmeink erklärte: „Wir weisen schon lange darauf hin, dass der reine Preiswettbewerb, wie die Bundesregierung ihn mit den Zusatzbeiträgen schafft, zu großen sozialen Schieflagen geführt hat.“ Die Kassen sparten zulasten der Versorgung der Patienten. Dabei wären neue Versorgungsformen dringend nötig, die insbesondere der steigenden Zahl hochbetagter Patienten mit Mehrfacherkrankungen zugutekomme. © hil/aerzteblatt.de

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