NewsPolitikDAK-Gesundheit fordert Krankenkassen­budgets für Forschung und Entwicklung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

DAK-Gesundheit fordert Krankenkassen­budgets für Forschung und Entwicklung

Montag, 8. Juni 2015

Hamburg – Einen „Neubeginn im Wettbewerb der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung“ fordert die DAK-Gesundheit. Die Kasse stützt sich dabei auf ein Gutachten des IGES-Instituts in Berlin. Dieses hat im Auftrag der DAK Schwachstellen und Hemmnisse im bestehenden System analysiert und macht Reformvorschläge.

„Als große bundesweit agierende Versorgerkasse mit 6,2 Millionen Versicherten wollen wir auf fehlsteuernde Anreizstrukturen im System aufmerksam machen und Alternativen aufzeigen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kasse, Herbert Rebscher. Er betonte, der Wettbewerb in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung sei kein Selbstzweck, sondern müsse die Suche nach besseren Versorgungsverträgen zum Ziel haben. Stattdessen finde derzeit aber ein reiner Preiswettbewerb statt, der vor allem den 80 Prozent der meist gesunden, jungen Versicherten Anreize biete, Geld zu sparen, und damit das Solidarsystem finanziell schwäche.

„Eine solidarische Kran­ken­ver­siche­rung kann nicht im Angebot von Individualtarifen und medizinisch teils fragwürdigen Satzungsleistungen bestehen“, betonte Rebscher. Das entziehe dem System Mittel, die für die Versorgung chronisch Kranker dringend nötig seien.

Anzeige

„Krankenkassen sollten spürbare Anreize haben, die Qualität und Effizienz der Versor­gung zu erhöhen“, sagte der Geschäftsführer des IGES Instituts, Martin Albrecht. Neue Versorgungs- und Vertragsformen sollten immer einen nachweisbaren Nutzen für Patienten haben. Dies sei in der Vergangenheit zu kurz gekommen.

IGES schlägt daher ein eigenständiges Krankenkassenbudget für die „Forschung und Entwicklung innovativer Versorgungsprozesse“ vor und nennt als Größenordnung 0,5 Prozent des gesamten Beitragsaufkommens in der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung. Dies würde aktuell einer Summe von rund 922 Millionen Euro entsprechen. Die Gelder, über deren Verwendung die einzelnen Krankenkassen nach dem Konzept selbst entscheiden, sollen dem bestehenden Gesundheitsfonds entnommen werden, erklärt das Gutachten.

Um die sinnvolle Verwendung der Gelder zu kontrollieren, schlägt das Institut neben einer Evaluations- auch eine Publikationspflicht vor, sodass erfolgreiche Angebote in die Regelversorgung übergehen können. Krankenkassen, die sich selektivvertraglich engagieren und damit Innovationen in das System tragen, müssten mit diesem Sonderbudget keine Wettbewerbsnachteile befürchten.

„Im Gutachten von IGES wird gezeigt, wie selektivvertraglicher Wettbewerb im Gesundheitswesen der Suche und Entdeckung innovativer Lösungen dienen kann anstatt dem primären Streben nach Preisrabatten und Ausgabensenkungen“, sagte Rebscher.  

Unterstützung bekam die DAK von den Grünen. Deren gesundheitspolitische Sprecherin Maria Klein-Schmeink erklärte: „Wir weisen schon lange darauf hin, dass der reine Preiswettbewerb, wie die Bundesregierung ihn mit den Zusatzbeiträgen schafft, zu großen sozialen Schieflagen geführt hat.“ Die Kassen sparten zulasten der Versorgung der Patienten. Dabei wären neue Versorgungsformen dringend nötig, die insbesondere der steigenden Zahl hochbetagter Patienten mit Mehrfacherkrankungen zugutekomme. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. Oktober 2019
Gütersloh/Berlin – Für eine Neugestaltung der Finanzierung von gesetzlich und privat Versicherten plädiert die Bertelsmann-Stiftung im Rahmen einer von ihr in Auftrag gegebenen Studie. Autoren der
Neuer Vorstoß zum Angleich der Honorarsysteme für gesetzlich und privat Versicherte
2. Oktober 2019
Berlin – Neuer Name und wesentlicher Inhalt gestrichen: Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat eine veränderte Version des Faire-Kassenwahl-Gesetzes (FKG) vorgelegt, das künftig
Spahn sagt AOK-Öffnung ab und will Morbi-RSA reformieren
26. September 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat vor Vertretern des GKV-Spitzenverbandes Änderungen bei seinen Umbauplänen des Verwaltungsrates angedeutet. Der Minister, der zu einer
Spahn deutet Änderungen bei Kassenreform an
24. September 2019
Berlin – Das Nebeneinander der gesetzlichen (GKV) und privaten (PKV) Kran­ken­ver­siche­rung wird von Gesundheits- und Rechtsexperten nach wie vor unterschiedlich bewertet. Das zeigte sich gestern in
Grundsatzstreit über gesetzliche und private Kran­ken­ver­siche­rung
20. September 2019
Mainz – Menschen ohne Kran­ken­ver­siche­rung in Rheinland-Pfalz können sich künftig an eine Clearingstelle wenden. Die Clearingstelle bietet individuelle Beratungsgespräche in verschiedenen Sprachen an,
Rheinland-Pfalz schafft Beratungsstelle für Menschen ohne Kran­ken­ver­siche­rung
13. September 2019
Erfurt – Die Barmer beobachtet in Thüringen ein steigendes Interesse von Landesbeamten an einer gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Hintergrund sei eine vom Landtag beschlossene und ab Januar 2020
Thüringens Beamte haben Interesse an gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung
5. September 2019
Bad Segeberg – Geflüchtete Menschen sollten in die Normalversorgung überführt werden. Dafür hat sich die Ärztekammer Schleswig-Holstein ausgesprochen. Für viele sei das deutsche Gesundheitssystem
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER