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Weiter große Defizite bei der Arzneimittel­versorgung von Kindern

Montag, 8. Juni 2015

dpa

Bonn – Die pharmazeutische Industrie nimmt Zulassungs-Regelungen, mit denen bereits verfügbare und patentfreie Arzneimittel bei Kindern angewendet werden könnten, nicht an. Seit 2007 haben Firmen erst zwei solcher „PUMA“-Zulassungen („Paediatric use marketing authorisation“) erfolgreich beantragt. Das wurde heute auf einem Symposium des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zum Thema Kinderarzneimittel deutlich.

Fortschritte gebe es hingegen bei neu entwickelten Arzneimitteln. „Wir wollen die Zahl sicherer Kinderarzneimittel erhöhen. Dafür müssen die verfügbaren Arzneimittel darauf­hin untersucht werden, ob und in welcher Dosierung und Darreichungsform sie für eine Behandlung von Kindern und Jugendlichen geeignet sind. Ziel ist es, zu mehr zuge­lassenen Arzneimitteln für Kinder zu kommen und damit die Gesundheit unserer Kinder weiter zu verbessern“, sagte Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, auf dem Symposium.

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Im Augenblick werden viele zugelassene Arzneimittel bei Kindern notgedrungen angewendet, ohne dass systematische klinische Studien zur Dosierung oder zur Darreichungsform für Kinder vorliegen. Dosierungen werden häufig nur an das Körpergewicht angepasst, obwohl sich der Stoffwechsel von Erwachsenen und Kindern teils erheblich unterscheidet.

Wegen fehlender geeigneter Darreichungsformen müssen außerdem Tabletten für jüngere Kinder häufig zerkleinert und in Flüssigkeiten oder Lebensmittel eingerührt werden. Eine genaue Dosierung des Arzneimittels ist dann nicht immer sicher zu gewährleisten. Zudem ist bisher nicht ausreichend überprüft, inwieweit die Arzneimittelwirkung durch die beigemischten Lebensmittel beeinflusst wird.

„Die Arzneimittelsituation von Kindern und Jugendlichen muss dringend weiter verbessert werden. Mit der Weiterentwicklung bewährter und patentfreier Arzneimittel könnten Versorgungslücken in dieser Altersgruppe schnell geschlossen werden“, sagte der Präsident des BfArM, Karl Broich. Gemeinsam mit dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium, der pharmazeutischen Industrie, Kinderärzten, dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss und Patientenvertretern will das BfArM daher Hemmschwellen für die Zulassung von bestehenden Arzneimitteln für Kinder identifizieren und abbauen. © hil/aerzteblatt.de

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