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Politik

G7 wollen Antibio­tika-Resistenzen bekämpfen

Montag, 8. Juni 2015

Schloss Elmau – Angesichts der Zunahme von Antibiotika-Resistenzen wollen die sieben führenden Industriestaaten den Einsatz der Medikamente einschränken und die Forschung dazu international abstimmen. „Antibiotika spielen für die heutigen und zukünftigen Erfolge in der Human- und Veterinärmedizin eine entscheidende Rolle“, erklärten sie zum Abschluss des G7-Gipfels am Montag in dem bayerischen Schloss Elmau. Die sieben Staaten wollen daher nationale Aktionspläne umsetzen, bei denen der Einsatz von Antibiotika bei Mensch und Tier gemeinsam in den Blick genommen wird.

Politik und Medizin beobachten mit Sorge die zunehmende Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika. Als ein Grund dafür wird gesehen, dass die wichtigen Medikamente zu oft und zu viel bei Mensch und Tier eingesetzt werden. „Man denkt immer, es sind Antibiotika gegen alle Krankheiten vorhanden“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Aber wenn einmal Resistenzen auftreten, dann ist es sehr schwer, neue Antibiotika zu entwickeln.“

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Merkel kündigte an, dass die G7-Staaten die Erforschung von Antibiotika-Resistenzen und von neuen Medikamenten untereinander abstimmen wollen, „um die großen Lücken“ in dem Bereich aufzudecken. Kritiker bezeichneten die Beschlüsse als unzureichend.

Es sei eine „Schlappe für den Gesundheitsschutz“, dass die G7-Länder keine konkreten Maßnahmen zur Senkung des Antibiotikaeinsatzes in der Fleisch- und Fischerzeugung beschlossen hätten, sagte der Vorsitzende der Naturschutzorganisation Bund, Hubert Weiger. „In der Massentierhaltung in Deutschland werden wie in vielen G-7-Staaten mehr als doppelt so viele Antibiotika wie in der Humanmedizin eingesetzt.“ Um die Verbraucher vor Antibiotikaresistenzen zu schützen, müsse der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung streng reglementiert werden.

Auch Bundes­ärzte­kammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery hatte im Vorfeld des G/Gipgels gefordert, den Einsatz von Antibiotika, die in der humanmedizinischen Therapie unver­zichtbar seien, in der Veterinärmedizin gänzlich zu verbieten.

Das Bundeskabinett hatte Mitte Mai die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie 2020 (DART) beschlossen, mit der unter anderem die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika, alternativer Therapiemethoden und schnellerer Testverfahren verstärkt werden soll. © afp/mis/aerzteblatt.de

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Avatar #115916
WiseDoc/ii
am Mittwoch, 10. Juni 2015, 07:23

Wie Dr. Schaetzler richtig schreibt

werden viele Infektionen von außen in Klinik und Praxis gebracht.

Also wäre ein Weg, die weitgehend unnützen Besucherströme in die Erlebniswelt Krankenhaus zu unterbinden.

Aber dann machen die Krankenhäuser zu wenig Umsatz im Non-disease-Bereich, sprich in der Krankenhaus-Cafeteria, die in manchen Städten das beste Cafe im Ort ist...
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 8. Juni 2015, 22:37

Zunehmende Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika?

Der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen und multiresistente Keime muss multimedial, multifaktoriell, multi-lokulär und multizentrisch geführt werden. Vage Absichtserklärungen und unverbindliche Kommuniqués der führenden G7-Länder bringen keinerlei Fortschritte bei konkreten Maßnahmen zur Senkung des Antibiotikaeinsatzes in der Fleisch- und Fischerzeugung bzw. Lebensmittel- und Agrarindustrie.

Die repräsentative Emnid-Befragung im Rahmen des Forschungsprojektes RAI - Rationaler Antibiotikaeinsatz durch Information und Kommunikation - ,von der Berliner Uniklinik Charité (BUC) in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut (RKI) initiiert, ist ein kleiner Anfang. Denn fast 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass e i g e n e s Verhalten k e i n e n Einfluss auf Infektions- und Resistenzbildung hat. Da ist offensichtlich das Kindergarten-Motto: "Nach dem Klo und vor dem Essen, Hände-Waschen nicht vergessen!" noch nicht ausreichend implementiert. Selbst einer meiner Berufskollegen publizierte kürzlich, wegen möglicher kontaminierter Lebensmittel sich nur n a c h deren Zubereitung die Hände waschen zu wollen. Und n i c h t nach üblichen berufsgenossenschaftlichen Vorschriften für die gesamte Nahrungskette verbindlich dies auch und besonders v o r jeglichem Hantieren, Verarbeiten, Zubereiten und/oder Kochen von Lebensmitteln zu tun.

Nach übereinstimmenden Berichten werden multiresistente Keime n i c h t überwiegend von unsachgemäß hantierenden, "unhygienisch" arbeitenden Krankenhaus- und Praxismitarbeitern auf arglose Patienten übertragen. Sondern diese Keime werden häufiger durch Kranke und Begleitpersonen von a u ß e n in Praxis und Klinik eingebracht:
1.http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/887024/fruehchen-charite-keimbefall-geht-wohl-mutter-zurueck.html und
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62982/Erkrankte-Fruehgeborene-in-Berliner-Charite-in-stabilem-Zustand?s=serratia
2. http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/klinikmanagement/article/882083/klinik-hygiene-groehes-plan-killer-keime.html#comment - Mit der Not-Operation eines Infizierten, aus der Türkei eingeflogenen Patienten war es zur Ausbreitung von Acinetobacter baumannii gekommen.
3. J Med Microbiol 2015; 305: 148 - Infektiologisch-mikrobiologische Risikobeweise aus Leipzig mit Daten von Fernreisenden: Die Erreger werden oft mit nach Hause gebracht ["Colonization with extended-spectrum beta-lactamase-producing and carbapenemase-producing Enterobacteriaceae in international travelers returning to Germany"] usw. usf.

Der englische Fachbegriff "communicable diseases" trifft den Sachverhalt: übertragbare Krankheiten, die durch interagierende, kommunizierende Personen übertragen werden. Wie gut deren Beherrschung heute schon in vielen institutionellen Einrichtungen weltweit funktionieren kann, wird an der EBOLA-Endemie deutlich: In keinem Fall kam es unter professioneller Pflege- und Versorgungsqualität zu nosokomialen Infektionen und der Gefahr einer kontinentalen Epidemie bzw. globalen Pandemie.

Jedoch sind jeder Landwirt aus einem Tiermastbetrieb, jeder Krankenhausbesucher mit Straßenschmutz an den Schuhen, jeder Tierhalter, egal ob Hund, Katze, Maus, Pferd o. ä., jeder Klempner, Müllwerker und Entsorger, aber auch Lehrer, Erzieher und alle, die mit vielen Menschen beruflich oder privat zu tun haben, Träger von potenziell multiresistenten Keimen. Mittlerweile gehören auch Menschen, die nur kontaminiertes Fleisch kaufen, zum Kreis der "Verdächtigen".

Für über 2000 Kliniken, für große interventionelle Praxen und jedes MVZ in Deutschland brauchen wir Hygiene-Fachkräfte. Diese sollen keineswegs nur auf Prozess- und Ergebnisqualität achten. Und darüber wachen, dass allgemeine und spezielle Hände-Hygiene-Regeln bei Mitarbeitern, Patienten und Besuchern eingehalten werden. Vom Klinik- bzw. Praxisparkplatz bis zum Schornstein, vom Empfang, der Küche/Kantine, den Betten- und Funktionsräumen bis zum (Hybrid-)OP bzw. von der Ver- bis hin zur Entsorgung müssen a l l e infektiologischen Belange der Praxis- bzw. Krankenhaushygiene bei Patienten, Gebäude, Personal, Arbeitsabläufen und Logistik berücksichtigt werden.

International verglichen, liegen die Ärzte in Deutschland im unteren Antibiotika-Verordnungs-Drittel aller EU-Staaten. Dagegen gehört Deutschland EU-weit zu Hochverbrauchern beim Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft und damit in der fleischverarbeitenden Industrie: 2013 "nur" 1.452 Tonnen, 2011 sogar 1.706 Tonnen.

Mit handelsüblichen Haushalts-Putzmitteln kann man übrigens seinen privaten Haushalt gar nicht keimfrei machen, auch wenn unverantwortliche Werbung dies suggeriert. Es handelt sich dabei höchstens um Desinfektionsmittel mit allenfalls passagerer Wirkung, denn nach 30-60 Minuten sind alle präexistenten Keime wieder aktiv. Eine Multiresistenz-Problematik geht von deren oberflächlichen Wirkungen aber nicht aus. Klassische Scheuer-Wisch-Mittel und Flächendesinfektion kontaminierter Bereich z. B. bei "undichten" Windeln machen dagegen auch zu Hause durchaus Sinn.

Sagrotan®-Produkte sind dafür keineswegs gut geeignet. Der von mir hochgeschätzte Dortmunder Dr. Walter Krämer, Professor für Statistik (VWL-BWL) an der Technischen Universität Dortmund (TUDO) und Mitherausgeber der "Unstatistik des Monats" stellt dazu fest:
"Die Werbesprüche von Sagrotan® sind vom gleichen Kaliber wie etwa die Behauptung von VW: unser neuer Polo braucht pro 100 Kilometer nur 4 Liter Sprit. Das stimmt zwar, aber nur unter bestimmten Versuchsbedingungen. Im normalen Alltag braucht er natürlich mehr, und genauso tötet Sagrotan® im normalen Alltag auch weniger als 99,9 Prozent aller Bakterien ab.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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