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Suizidbeihilfe: Onkologen gegen Sonderregelungen für Ärzte

Montag, 8. Juni 2015

Berlin – In der Debatte um die Beihilfe zum Suizid hält die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) eine Veränderung der gesetzlichen Regelungen „nicht für notwendig und nicht für wünschenswert“. Weder der Suizid noch die Beihilfe zum Suizid sollten mit Strafen belegt werden, erklärte die Fachgesellschaft heute in Berlin.

„Bei der ärztlich assistierten Selbsttötung ist es gut, wenn der Staat in einer so individuellen und mit Not behafteten Situation den Raum für Gewissensentscheidungen offen lässt. Wir haben großes Vertrauen, dass die Ärztinnen und Ärzte hier verantwortlich handeln", sagte der Geschäftsführende Vorsitzende der DGHO, Mathias Freund. Dabei verwies der Onkologe auf die Seltenheit der Fälle: Es gebe nur wenige Bitten um Sterbehilfe an die Krebsärzte.

Dies bestätigt die heute gleichzeitig veröffentliche Umfrage der DGHO unter ihren Mitgliedern zu Aspekten der ärztlich assistierten Selbsttötung, an der sich im Februar 700 Onkologen beteiligten. „Es gibt es eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und dem im klinischen Alltag tatsächlich geäußerten Wunsch nach ärztlicher Assistenz bei der Selbsttötung“, erläuterte Jan Schildmann vom Institut für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin an der Ruhr-Universität Bochum und Hauptautor der Umfrage, die als 7. Band der Gesundheitspolitischen Schriftenreihe der DGHO erscheint.

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Die Umfrage zeige, dass Fragen von Patientinnen und Patienten zur Assistenz bei der Selbsttötung keinesfalls ein häufiges Phänomen sind.

Konkrete Anfragen zur Verschreibung von Medikamenten zur Selbsttötung haben der Umfrage zufolge nur 13 Prozent der befragten Onkologen im Verlauf ihres Berufslebens erhalten. „Augenscheinlich schlägt sich in der öffentlichen Debatte eine 'gefühlte Realität' nieder, die der tatsächlichen Datenlage nicht entspricht", wertete Carsten Bokemeyer, Direktor der II. Medizinischen Klinik – Onkologie und Hämatologie – des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, dieses Ergebnis.

Der persönliche Standpunkt zur Suizidbeihilfe ist bei den Onkologen allerdings unterschiedlich: Für 57 Prozent der Befragten kommt es unter keinen Bedingungen in Frage, einen Patienten bei der Selbsttötung zu unterstützen. 34 Prozent konnten sich dies unter bestimmten Bedingungen vorstellen, 9 Prozent waren unentschieden.

Nur 41 Prozent der befragten Onkologen befürworten jedoch das in der Musterberufs­ordnung festgeschriebene Verbot der ärztlichen Assistenz bei der Selbsttötung. Ein Verbot der ärztlichen Hilfe bei der Selbsttötung ist auch aus Sicht des DGHO-Vorstands kein Thema für das Berufsrecht der Ärztinnen und Ärzte, da das Strafrecht als übergeordnete Norm bereits eindeutig Stellung beziehe. „Eine Sonderregelung für Ärztinnen und Ärzte in dieser Frage ist nicht angemessen, und die uneinheitliche Umsetzung der Musterberufsordnung durch die Lan­des­ärz­te­kam­mern führt zu einer unerträglichen Situation“, sagte Freund.

Deutlich abgelehnt wird von der DGHO die aktive Sterbehilfe. Zudem sprach sich die Fachgesellschaft für einen stärkeren Ausbau von Hospizen und Schmerzmedizin aus. Auch die Ausbildung der Ärzte und ihre Begleitung bei schwierigen ethischen Entscheidungen müssten verbessert werden. © hil/aerzteblatt.de

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