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Medizin

Studie untersucht Gedächtnisverlust durch Statine

Dienstag, 9. Juni 2015

Newark/New Jersey - In den ersten 30 Tagen einer Statintherapie kam es in einer Studie in JAMA Internal Medicine (2015; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.202) vier Mal häufiger zu akuten Gedächtnisstörungen als bei Nichtanwendern von Statinen. Die Autoren halten einen kausalen Zusammenhang dennoch für unwahrscheinlich, weil die Nebenwirkung in gleicher Häufigkeit auch nach der Einnahme anderer Lipidsenker beobachtet wurde.

Anders als in den deutschen Fachinformationen wird in den US-Labels von Statinen auf die Gefahr von akuten Gedächtnisstörungen hingewiesen, zu denen es insbesondere zu Beginn der Therapie kommen könne. Auslöser des Warnhinweises waren Einzelfallbe­richte, in denen die Patienten nach dem Beginn der Therapie über plötzliche kognitive Einschränkungen klagten, von denen sich einige nach dem Absetzen des Statins wieder erholten.

Für die US-Arzneibehörde FDA sind dies überzeugende Argumente, die einen Warnhinweis rechtfertigten. Dass die Nebenwirkungen vor allem nach der Einnahme von Simvastatin und Atorvastatin auftreten, wurde als weiterer Hinweis auf einer Kausalität gewertet. Beide Wirkstoffe sind lipophil und überwinden die Blut-Hirn-Schranke.

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Brian Strom von der Rutgers University in Newark/New Jersey und Mitarbeiter haben hierzu jetzt das „Health Improvement Network“ ausgewertet, das die Daten britischer Hausärzte (General practitioners) speichert. Die Epidemiologen stellten zunächst die Daten von 482.543 Patienten, denen zwischen 1987 und 2013 Statine verordnet wurden, einer gleich großen Anzahl von Patienten gegenüber, die keine Lipidsenker erhalten hatten.

Tatsächlich hatten die Ärzte bei 3,03 Prozent der Anwender im Verlauf der Therapie unterschiedliche Störungen des Gedächtnisses angegeben. Die Definition war hier weit gefasst. Sie reichte von vereinzelten Gedächtnislücken bis hin zu einer retrograden Amnesie. Diese Störungen traten auch bei 2,31 Prozent der Nichtanwender von Statinen auf. Strom ermittelte eine adjustierte Odds Ratio von 1,23, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,18 bis 1,28 signifikant war, was auf einen leichten Anstieg von Gedächtnisstörungen hinweist.

Sehr viel deutlicher war die Assoziation in den ersten 30 Tagen der Therapie. Hier klagten 0,08 Prozent der Statin-Anwender gegenüber 0,02 Prozent der Nicht-Anwender über Gedächtnisstörungen. Strom ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 4,40 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 3,01 bis 6,41. Auch hier war die Assoziation statistisch signifikant.

Die Epidemiologen führten danach eine zweite Untersuchung durch, in der sie 26.484 Statin-Nutzer mit der gleichen Anzahl von Patienten verglichen, denen andere Lipid­senker (wie Cholestyramin, Colestipol, Colesevelam, Clofibrat, Gemfibrozil, Fenofibrat oder Niacin) verordnet worden waren. Der Einsatz dieser Mittel war ebenfalls mit Gedächtnisstörungen assoziiert. Strom ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,51 (1,34-1,69) für die Gesamtdauer der Anwendung und von 3,60 (1,34-9,70) für die akute Anwendung.

Diese Ergebnisse lassen zwei Interpretationen zu. Zum einen könnten alle Lipidsenker, unabhängig von der Wirkstoffgruppe das Risiko von akuten Gedächtnisstörungen erhöhen, wobei noch zu klären wäre, wie die Nebenwirkung zustande kommt. Strom zieht diese Möglichkeit nicht in Betracht. Für ihn sind die Wirkungsmechanismen der Substanzen zu unterschiedlich, um die gleiche Nebenwirkung auslösen zu können.

Als Erklärung für die erhöhte Rate von Gedächtnisstörungen vermutet Strom einen „detection bias“: Patienten, die ein neues Medikament erhalten, besuchen ihre Ärzte häufiger als andere und geben bei dem Arztbesuch Beschwerden an, die bei anderen Patienten, die den Arzt nicht besuchen, nicht erfasst werden. ES bleibt abzuwarten, ob die FDA diese Einschätzung teilt. Strom und seine Mitautoren geben Interessenkonflikte mit mehreren Herstellern von Statinen an. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #779016
blau_steinbock
am Freitag, 10. Januar 2020, 13:11

Erstaunliche Studienergebnisse

Es verwundert, wenn der Bericht schon mit einem Denkfehler beginnt. Zitat:“ Die Autoren halten einen kausalen Zusammenhang dennoch für unwahrscheinlich, weil die Nebenwirkung in gleicher Häufigkeit auch nach der Einnahme anderer Lipidsenker beobachtet wurde.“ Lipidsenker, gleich welcher Stoffklasse, ob Fibrate, Statine oder die relativ neuen PSCK9-Hemmer haben die Aufgabe die Blutfette zu senken. Dabei sind sie auf Grund ihrer Chemie alle in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Der Cholesterin-Stoffwechsel im Hirn erfüllt aber essentielle Aufgaben im Bezug auf die kognitive Leistungsfähigkeit der Patienten. Eine Senkung des Hirn-Cholesterins muß also zwingend Auswirkungen auf die geistige Leistungsfähigkeit haben.
Wissenschaft.de berichtete vor Kurzem Zitat:“ Wer von Natur aus einen höheren Cholesterinspiegel hat, besitzt eine bessere mentale Leistungsfähigkeit. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Forscher, die eine umfangreiche Langzeitstudie statistisch ausgewertet haben. Ihre Arbeit präsentieren Penelope Elias und ihre Kollegen von der Universität Boston in der Fachzeitschrift Psychosomatic Medicine (Bd. 67, S. 24)
Unter diesem Aspekt stellt sich die Frage, welchen volkswirtschaftlichen Schaden die extremen Verordnungskosten der Lipidsenker verursachen. Vor allem unter Berücksichtigung der Pflegekosten für Patienten, welche häufig an arzneimittelinduzierter Demenz leiden dürften. Der Kreis der Betroffenen vergrößert sich zudem ständig durch die sinkenden Cholesterin-Grenzwerteis. Einen evidenten Beweis für den Zusammenhang zwischen Blutfettwerten und Herz-Kreislauferkrankungen steht für die Forschung immer noch aus.
Ich kann die Dokumentation auf ARTE „Cholestrin, der große Bluff“ nur wärmstens Allen ans Herz legen.
https://www.youtube.com/watch?v=JfiaYLl6EA4
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