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Politik

Pharmadialog: Ärzte sollen Antibiotika rationaler einsetzen

Dienstag, 9. Juni 2015

dpa

Köln – Bessere Informationen für Ärzte und Patienten sowie Verordnungs­ein­schrän­kungen für Innovationen können nach Ansicht der Unterarbeitsgruppe Antibiotika des Pharmadialogs dazu beitragen, diese Präparate rationaler einzusetzen und damit die Gefahr von Resistenzentwicklungen einzudämmen. Dem Pharmadialog gehören Vertreter von Politik, Wissenschaft und Arzneimittelindustrie an. Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag auf dieses Forum geeinigt, um den Pharmastandort Deutschland in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Produktion zu stärken.

Wie aus Teilnehmerkreisen verlautete, nehmen 30 bis 50 Prozent der Patienten Medika­mente nicht, wie vom Arzt verordnet, ein. Ein allgemeines Antibiotika-Informationsblatt könne deshalb eine sinnvolle Unterstützung bieten. Auch Ärztinnen und Ärzte wichen vielfach von den in Fachinformationen genannten Therapieregimen oder Indikationen ab. Die Unterarbeitsgruppe empfiehlt deshalb, eine Zusammenstellung wichtiger Informationen mit konkreten Handlungsanweisungen für den Einsatz von Antibiotika zu entwickeln.

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85 Prozent der Antibiotika würden im ambulanten Bereich verordnet. Dort sei aber nur bei Pneumonien eine sofortige Antibiotikatherapie zwingend notwendig. Bei vielen anderen Indikationen kann nach Ansicht der Sachverständigen vorab eine differenzierende Diagnostik durchgeführt werden, um gegebenenfalls gezielt Schmalspektrumantibiotika einzusetzen.

Neue Antibiotika nur eingeschränkt verordnen
Neue Antibiotika sollten der Unterarbeitsgruppe zufolge bevorzugt in der Humanmedizin und dort nur bei entsprechender Indikation als Reserveantibiotikum verordnet werden. Um das Verordnungsverhalten der niedergelassenen Ärzte entsprechend zu steuern, regen die Experten Therapieleitlinien und Zielvereinbarungen mit den Kassenärztlichen Vereinigungen an. Für die Krankenhäuser sei denkbar, die Verordnung von Antibiotika auf Ober- oder Chefärzte zu beschränken.

Der Einsatz von Antibiotika sei insbesondere bei Atemwegs- und Harnwegsinfektionen problematisch. Hier werde zu häufig, zu schnell und zu viel verschrieben, kritisierte die Unterarbeitsgruppe. Um das zu unterbinden, sei es vorstellbar, den Ärzten Rückmel­dungen über ihre Verordnungspraxis zur Verfügung zu stellen, damit diese ihr Ver­schreibungsverhalten mit dem Durchschnitt ihrer Fachkollegen vergleichen könnten.

Insgesamt, so die Experten, müsse die Therapie weg von den Standarddosierungen hin zu auf den Patienten zugeschnittene personalisierte Antibiotikadosierungen und –thera­pien. Zwar sei die Diagnostik bakterieller Erreger und ihrer Resistenzen sowie die Überwachung von Wirkstoffspiegeln bei den  Patienten teuer. Kostspielige Komplikationen könnten auf diese Weise aber vermieden werden. Dieser finanzielle Vorteil werde bislang nur wenig mitbedacht.

Anreizsysteme für Forschung und Entwicklung schaffen
Zu den Lösungsansätzen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen gehört nach Ansicht der Unterarbeitsgruppe auch, die Weiterentwicklung älterer Antibiotika zum Einsatz in neuen Indikationen zu fördern. Da das für die Pharmaunternehmen wirtschaftlich meist nicht lukrativ sei, müssten entsprechende Anreizsysteme geschaffen werden. Dasselbe gelte für die Forschung und Entwicklung neuer Antibiotika. Wie aus Teilnehmerkreisen verlautete, hat die Arbeitsgruppe in diesem Zusammenhang die Einrichtung eines Fonds diskutiert.

In Zukunft würden insbesondere Antibiotika benötigt, die gegen gram-negative Bakterien, wie Klebsiella pneumoniae oder E. coli, wirken. Gebraucht würden aber auch neue Breitspektrumantibiotika, damit es Alternativen zu den Carbapenemen gebe, die sowohl gegen gram-negative wie auch gram-positive Bakterien wirksam seien. Um Forschung und Entwicklung voranzutreiben, müsse die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Industrie und regulatorischen Behörden gestärkt werden.

Antibiotikaresistenzen bildeten eines der Schwerpunktthemen der 2. offiziellen Sitzung des Pharmadialogs am 3. Juni, die erste hatte am 21. Januar stattgefunden. Die dritte Dialogsitzung im Oktober soll den Fokus auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Pharmaindustrie legen, wie das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium mitteilte. © HK/aerzteblatt.de

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Avatar #115916
WiseDoc/ii
am Mittwoch, 10. Juni 2015, 07:18

Sind mit "Ärzte" auch "Tierärzte" gemeint?

Solange mit der flächendeckenden falschen Applikation von Antibiotika in der Tierindustrie nicht endlich aufgräumt wird, ist das alles Unfug.

Bloß, weil die Menschen Probleme mit resistenten Keimen haben, heißt das noch lange nicht, dass die Humanmediziner das relevante "Problem" sind.

Aber das hat die Politik wohl immer noch nicht verstanden...
LNS

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