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Medizin

Brustkrebs­diagnostik: Neue Methode weist Tumor über Urin nach

Mittwoch, 10. Juni 2015

Mit Hilfe von Microarrays können Wissenschaftler die Konzentration von Hunderten Molekülen, in diesem Fall von Mikro-RNA, gleichzeitig bestimmen. /Universitätsklinikum Freiburg

Freiburg – Kurze RNA-Moleküle, die im Zellkern den Stoffwechsel von Krebszellen regulieren, werden teilweise über die Nieren im Urin ausgeschieden. Dort könnten sie ein Marker für die Diagnose von Krebserkrankungen sein, wie eine Pilotstudie in BMC Cancer (2015, 15: 193) am Beispiel Mammakarzinom zeigt.

MikroRNA-Moleküle sind nur etwa 22 Nukleotide lang, sie haben aber einen erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel. Als Transkriptionsfaktoren oder Steuergene legen sie fest, welche Proteine in einer Zelle gebildet werden. MikroRNA gibt es in größerer Anzahl in jeder Zelle. In Krebszellen werden jedoch andere MikroRNA gebildet als in gesunden Zellen. Die Aufgabe der Arbeitsgruppe um Elmar Stickeler, Ärztlicher Leiter der Seno­logie, Klinik für Frauenheilkunde und Leiter des Brustzentrums des Universitäts­klinikums Freiburg, bestand darin, jene MikroRNA zu finden, die nur in den Tumorzellen in anderer Konzentration gebildet werden als in gesunden Zellen.

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Die Forscher ermittelten ein Quartett, bestehend aus miR-155, das von Brust­krebs­tumoren vermehrt gebildet wird, sowie miR-21, miR-125b und miR-451, die im Urin von Brustkrebspatientinnen vermindert auftreten. Der Test wurde in einer Pilotstudie an 24 gesunden Probandinnen und 24 Patientinnen mit einem kürzlich diagnostizierten Mammakarzinom in den Tumorstadien 1, 2 oder 3 untersucht. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Anhand des MikroRNA-Profils konnten die Forscher mit einer Sicherheit von 91 Prozent darauf schließen, ob eine Probandin gesund oder krank war.

Der Test, den die Wissenschaftler bereits als Patent angemeldet haben, würde nur ein paar Milliliter Urin benötigen. Im Idealfall könnte er den Krebs ohne Entnahme von Blut- oder Gewebeproben erkennen. Ob er tatsächlich einen Stellenwert in der Diagnostik oder Früherkennung erlangt, lässt sich derzeit natürlich nicht vorhersagen. Zunächst müssten die Ergebnisse an einer größeren Zahl von Teilnehmern reproduziert werden. Dann könnte er gezielt an Patientinnen im Frühstadium der Erkrankung erprobt werden.

© rme/aerzteblatt.de

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