NewsMedizinBrustkrebs­diagnostik: Neue Methode weist Tumor über Urin nach
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Brustkrebs­diagnostik: Neue Methode weist Tumor über Urin nach

Mittwoch, 10. Juni 2015

Mit Hilfe von Microarrays können Wissenschaftler die Konzentration von Hunderten Molekülen, in diesem Fall von Mikro-RNA, gleichzeitig bestimmen. /Universitätsklinikum Freiburg

Freiburg – Kurze RNA-Moleküle, die im Zellkern den Stoffwechsel von Krebszellen regulieren, werden teilweise über die Nieren im Urin ausgeschieden. Dort könnten sie ein Marker für die Diagnose von Krebserkrankungen sein, wie eine Pilotstudie in BMC Cancer (2015, 15: 193) am Beispiel Mammakarzinom zeigt.

MikroRNA-Moleküle sind nur etwa 22 Nukleotide lang, sie haben aber einen erheblichen Einfluss auf den Stoffwechsel. Als Transkriptionsfaktoren oder Steuergene legen sie fest, welche Proteine in einer Zelle gebildet werden. MikroRNA gibt es in größerer Anzahl in jeder Zelle. In Krebszellen werden jedoch andere MikroRNA gebildet als in gesunden Zellen. Die Aufgabe der Arbeitsgruppe um Elmar Stickeler, Ärztlicher Leiter der Seno­logie, Klinik für Frauenheilkunde und Leiter des Brustzentrums des Universitäts­klinikums Freiburg, bestand darin, jene MikroRNA zu finden, die nur in den Tumorzellen in anderer Konzentration gebildet werden als in gesunden Zellen.

Anzeige

Die Forscher ermittelten ein Quartett, bestehend aus miR-155, das von Brust­krebs­tumoren vermehrt gebildet wird, sowie miR-21, miR-125b und miR-451, die im Urin von Brustkrebspatientinnen vermindert auftreten. Der Test wurde in einer Pilotstudie an 24 gesunden Probandinnen und 24 Patientinnen mit einem kürzlich diagnostizierten Mammakarzinom in den Tumorstadien 1, 2 oder 3 untersucht. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Anhand des MikroRNA-Profils konnten die Forscher mit einer Sicherheit von 91 Prozent darauf schließen, ob eine Probandin gesund oder krank war.

Der Test, den die Wissenschaftler bereits als Patent angemeldet haben, würde nur ein paar Milliliter Urin benötigen. Im Idealfall könnte er den Krebs ohne Entnahme von Blut- oder Gewebeproben erkennen. Ob er tatsächlich einen Stellenwert in der Diagnostik oder Früherkennung erlangt, lässt sich derzeit natürlich nicht vorhersagen. Zunächst müssten die Ergebnisse an einer größeren Zahl von Teilnehmern reproduziert werden. Dann könnte er gezielt an Patientinnen im Frühstadium der Erkrankung erprobt werden.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

8. Oktober 2019
Bremen – Scharfe Kritik an einer Empfehlung im British Medical Journal (BMJ) zum Darmkrebsscreening hat das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) geübt. In dem Beitrag
Präventionsforscher betonen Bedeutung des Darmkrebsscreenings
2. Oktober 2019
Berlin – Als hohe Priorität für die nächste Europäische Kommission hat die designierte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides den Kampf gegen Krebs bezeichnet. „Es gibt kaum Familien in Europa,
Designierte EU-Gesundheitskommissarin will Kampf gegen den Krebs vorantreiben
27. September 2019
Heidelberg – Die Genetik spielt beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko offenbar eine weniger wichtige Rolle als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine epidemiologische Studie des Deutschen
Beim familiären Darmkrebsrisiko werden die Gene überschätzt
18. September 2019
Düsseldorf – Kohlenstoff-Nanopartikel werden nach der Aufnahme in die Zelle in sogenannten Lysosomen gespeichert und verändern die Genexpression nicht nennenswert – zumindest nicht in den den ersten
Was mit Nanopartikeln in der Zelle geschieht
18. September 2019
Erlangen – Mit einem zwei Tonnen schweren Magnetroboter sollen künftig Krebszellen effektiver bekämpft werden können. Mittels winziger Nanopartikel leitet die derzeit in einem Forschungsprojekt am
Magnetroboter soll Krebszellen präzise bekämpfen
16. September 2019
London – Eine vorangegangene Behandlung mit Breitbandantibiotika hat in einer Kohortenstudie in JAMA Oncology (2019; doi: 10.1001/jamaoncol.2019.2785) die Effektivität einer Krebsbehandlung mit
Krebs: Antibiotika können Checkpoint-Inhibitoren wirkungslos machen
16. September 2019
Aberdeen – Frauen mit einer Menorrhagie, denen zu einer chirurgischen Behandlung geraten wurde, waren in einer randomisierten Vergleichsstudie im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31790-8) nach
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER