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Medizin

HPV: Impfschutz schon nach einer Dosis

Donnerstag, 11. Juni 2015

Human-papilloma-virus HPV

Bethesda – Der HPV-Impfstoff Cervarix erzielt möglicherweise bereits nach einer einmaligen Dosis einen guten Impfschutz. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung von Epidemiologen des US-National Cancer Institute (NCI) in Lancet Oncology (2015; doi: 10.1016/S1470-2045(15)00047-9). Sie bestätigen die Ergebnisse einer früheren Untersuchung.

Bereits vor anderthalb Jahren war der NCI-Epidemiologin Mahboobeh Safaeian aufgefallen, dass Teilnehmerinnen des Costa Rica Vaccine Trial, die nur einen Impftermin eingehalten hatten, nach vier Jahren vergleichbare Antikörper-Konzentrationen im Blut hatten wie Frauen, die alle drei vorgesehenen Impfungen erhalten hatten.

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An der Studie hatten 7.466 Frauen im Alter von 18 bis 25 Jahren teilgenommen, von denen viele bereits vor der Impfung sexuell aktiv waren. Empfohlen wird die Impfung in erster Linie für jüngere Mädchen und sie sollte nach Möglichkeit vor dem ersten Geschlechtsverkehr abgeschlossen sein, um eine Erstinfektion zu verhindern.

Ein Team um Cosette Wheeler, ebenfalls vom NCI, hat jetzt die Analyse um die Daten einer zweiten Studie erweitert. Am Papilloma Trial against Cancer in Young Adults (PATRICIA) hatten 18.644 Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren aus Asien, Europa, Lateinamerika und Nordamerika teilgenommen. Darunter waren auch viele jüngere Frauen ohne sexuelle Kontakte. Wheeler schloss in ihrer Analyse zudem Frauen aus, bei denen eine HPV-Infektion bekannt war.

Die Analyse stützt sich auf insgesamt 24.055 Frauen, von denen 1.183 nur zwei und 543 Frauen nur eine Impfdosis erhalten hatten. Die Schutzwirkung vor den beiden HPV-Typen 16 und 18, die von dem Impfstoff erfasst werden, betrug nach der kompletten Gabe aller drei Impfungen 77,0 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 74,7-79,1 Prozent). Nach zwei Impfungen waren 76,0 Prozent (62,0-85,3 Prozent) und nach einer Impfung 85,7 Prozent (70,7-93,7 Prozent) geschützt, wobei die weiten Konfidenzintervalle die Aussagekraft der Studie einschränken. Laut Wheeler wurde auch in den Unter­gruppen nach einer Impfung bereits eine gute Wirkung erzielt. Dies gelte auch für jüngere Frauen ohne Hinweise auf eine HPV-Infektion.

Wheeler ist allerdings bewusst, dass Post hoc-Analysen von randomisierten Studien häufig mit methodischen Mängeln behaftet sind. Sie fordert deshalb die Bestätigung durch eine neue randomisierte Studie, deren Zustandekommen jedoch fraglich erscheint. Ungeklärt ist auch, ob der zweite in Deutschland zugelassene Impfstoff Gardasil ebenfalls nach einer einzelnen Impfung eine ausreichende Schutzwirkung erzielt.

In Deutschland richtet sich die Zahl der empfohlenen Impfungen nach dem Alter. Im Alter von 9 bis 13 (Gardasil) beziehungsweise 9 bis 14 Jahren (Cervarix) sind zwei Impfungen ausreichend (sofern ein Mindestabstand von sechs Monaten zwischen den Impfungen eingehalten wird). In einem höheren Alter wird bei beiden Impfstoffen zu drei Impfungen geraten.

© rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #106651
Gromer
am Donnerstag, 11. Juni 2015, 21:11

Antikörpertiter

Bei HBV und HPV spielen die Titer eine untergeordnete Rolle (das sieht bei anderen Erkrankungen wie Tetanus, Diphtherie oder Influenza anders aus). Wichtiger ist das immunologiwsche Gedächtnis. Dazu gibt es bei Gardasil auch schöne Daten.
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