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Ärzteschaft

Neue Studie überrascht Allergologen

Donnerstag, 11. Juni 2015

dpa

Berlin – Die Ergebnisse der sogenannten LEAP-Studie („Learning Early About Peanut“) stellen Routinen in der Allergologie infrage. Darauf hat die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA) hingewiesen.

Über Jahrzehnte hinweg lautete die Empfehlung von Allergologen, hoch allergie­aus­lösende Nahrungsmittel wie Erdnüsse zur Vorbeugung von Nahrungsmittelallergien zu meiden. Die Empfehlung galt besonders für Säuglinge und Kinder mit einem erhöhten familiären Allergierisiko. Die Studie zeigte nun, dass die frühe Einführung von Erdnüssen in die Säuglingsernährung zwischen dem vollendeten vierten und elften Lebensmonat zu einer deutlichen Reduzierung der Häufigkeit von Erdnussallergien führen kann.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der kindliche Magen-Darm-Trakt im ersten Lebensjahr durch eine regelmäßige Auseinandersetzung mit Nahrungsmitteln eine Toleranz statt einer allergischen Immunantwort entwickeln könnte. Laut Lars Lange, einem der beiden Koordinatoren der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Nahrungs­mittelallergie der GPA, ist jedoch zurzeit noch gänzlich ungeklärt, welche Nahrungsmittel früh und regelmäßig gegeben werden sollten.

Darüber hinaus bestehe bei Gabe zum Beispiel von Erdnüssen oder anderen Nüssen bei kleinen Kindern die Gefahr der Aspiration, was zu lebensbedrohlichen Erstickungs­ereignissen führen könne. Sinnvolle Zubereitungen hoch allergener Nahrungsmittel als Alternative stünden für dieses Alter jedoch kaum zur Verfügung.

Zudem wurden im Rahmen der Studie nur Kinder untersucht, die unter einer ausge­prägten Neurodermitis litten, also Kinder mit einem bekannt erhöhten Risiko für eine Nahrungsmittelallergie. Daher ließen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres auf gesunde Kinder übertragen.

Die GPA betont, dass rund zehn Prozent der an Neurodermitis erkrankten Kinder bereits vor dem ersten Kontakt mit Erdnüssen allergisch waren und auf die erste Gabe mit Allergiesymptomen reagierten. Noch gravierender war das Risiko allergischer Reaktionen in einer Studie aus Australien, bei der ebenfalls das Prinzip der frühen Einführung getestet wurde, allerdings mit Hühnerei. Diese Studie wurde von den Initiatoren vorzeitig abgebrochen, weil zu viele Kinder bereits beim ersten Kontakt mit Hühnereiweiß zum Teil schwere allergische Symptome zeigten.

„Trotz der ermutigenden Ergebnisse ist die Zeit für einen Paradigmenwechsel noch nicht gekommen“, zieht Bodo Niggemann, Koordinator der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe Nahrungsmittelallergie der GPA, ein Fazit. Im Moment liefen in Deutschland und weltweit weitere Studien zur frühen Beikosteinführung von bisher vermiedenen Nahrungsmitteln. Bis zum Vorliegen der Studienergebnisse seien seriöse Empfehlungen hinsichtlich der Einführung potentiell allergener Nahrungsmittel nicht möglich.

Wenn Kinder aber einen Kontakt mit Nüssen oder Erdnuss zum Beispiel in Form von Brotaufstrichen bereits problemlos vertrügen, sollten Eltern diese Nahrungsmittel regelmäßig verabreichen, um dem Körper die Möglichkeit zur Toleranzentwicklung zu erhalten, hieß es aus der Fachgesellschaft.  © hil/aerzteblatt.de

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