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Medizin

Low-Grade-Gliome: Genom-Analysen führt zu neuer Klassifizierung

Freitag, 12. Juni 2015

dpa

Atlanta/Rochester – Genmutationen haben einen größeren Einfluss auf die Prognose eines Glioms als die histologischen Merkmale des Tumors. Zwei US-Gruppen schlagen im New England Journal of Medicine (NEJM) auf der Basis von Genom-Analysen vereinfachte Klassifikationen für Low-Grade-Gliome vor, deren Malignität bisher schwer abschätzbar ist.

Gliome werden – wie die meisten Krebserkrankungen – nach der Herkunft ihrer Zellen bezeichnet. Am häufigsten sind Astrozytome, die sich von Astrozyten ableiten, und Oligodendrozytome, deren Ursprungszellen die Oligodendrozyten sind. Daneben gibt es Ependymome, die sich von den Epithelzellen ableiten, die die Hirnventrikel auskleiden.

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Der klinische Nutzen der Einteilung ist umstritten, da viele Gliome vom Aspekt her aus einem Gemisch von Astrozyten und Oligodendrozyten bestehen. Außerdem sagt die Herkunft wenig über die Aggressivität der Tumore aus, von denen einige innerhalb weniger Monate zum Tod führen, während andere sich über Jahre kaum verändern.

Aussagekräftiger ist die WHO-Einteilung nach Grad I bis IV. Grad I ist ein Sonderfall für niedrigmaligne Astrozytome im Kindesalter. Grad IV umfasst hochmaligne Glioblome. Grad II und III werden als Low-Grade-Gliome zusammengefasst. Hier gibt es erhebliche Unterschiede in der Prognose, die sich aus der Histologie allein nicht ablesen lassen. Hinzu kommt, das sich die Aggressivität der Gliome im Verlauf der Zeit verändern kann.

In den letzten Jahren wurden mehrere Gen-Mutationen entdeckt, die die Malignität stärker beeinflussen als die Histologie. Dazu gehören eine Co-Deletion der Chromosomenarme 1p und 19q sowie Mutationen in den Genen IDH1 oder IDH2. Tumore, die beide Merkmale aufweisen, zeigten in der Studie des Cancer Genome Atlas Research Network, die Daniel Brat vom Winship Cancer Institute in Atlanta vorstellt, eine mediane Überlebenszeit von 8,0 Jahren (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1402121). Wenn nur die Gene IDH1 oder IDH2 mutiert waren, aber keine 1p/19q-Co-Deletion vorlag, überlebten die Patienten median 6,3 Jahre. Patienten mit dem nicht-mutierten Wildtyp von IDH1/2 starben dagegen bereits 1,7 Jahre nach der Diagnose. Dieser Gliom-Typ ist von der Prognose her mit den Grad IV Gliomen nach der WHO-Klassifikation vergleichbar.

Das Team um Robert Jenkins von der Mayo Clinic in Rochester bezieht in seiner Analyse als dritten Faktor Mutationen im Gen TERT in die Klassifikation ein (NEJM 2015; doi: 10.1056/NEJMoa1407279). Dies ergibt fünf Gruppen von Gliomen. Die medianen Überlebenszeiten schwanken hier zwischen 1,8 Monaten bei Patienten, deren Gliome einzig TERT-Mutationen aufweisen, und mehr als 10 Jahren bei Patienten mit Triple-positiven Glimmen (TERT, IDH und 1p/19q codeletion).

Auch wenn die Ergebnisse der beiden Studien noch durch andere Gruppen bestätigt werden müssen, dürfte die vorgeschlagene „molekulare Klassifikation" eine verlässlichere Einstufung erlauben als die bisherige WHO-Klassifikation, die nach Auskunft des Editorialisten David Ellison vom St. Jude Children’s Research Hospital in Memphis derzeit überarbeitet wird und künftig auch die Ergebnisse genetischer Untersuchungen berücksichtigen wird.

© rme/aerzteblatt.de

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