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Medizin

Brustkrebs: Adipositas erhöht Risiko auf rezeptor-positive Tumore nach der Menopause

Sonntag, 14. Juni 2015

Seattle – Übergewicht und Fettleibigkeit sind bekannte Brustkrebs-Risikofaktoren. Eine Auswertung der Women's Health Initiative-Beobachtungsstudie im JAMA Oncology (2015; doi: 10.1001/jamaoncol.2015.1547) zeigt jetzt, dass der Anstieg auf rezeptor-positive Tumore beschränkt ist. Das Risiko steigt bei einer Gewichtszunahme in den Wechseljahren relativ rasch an.

Östrogene sind ein wichtiger Wachstumsfaktor für (rezeptor-positive) Mammakarzinome. Die Hormonersatztherapie, zu der Frauen nach der Menopause viele Jahre geraten wurde, führt deshalb zum Anstieg des Brustkrebsrisikos, wie die Ergebnisse der Women's Health Initiative (WHI) denn auch ab 2002 gezeigt haben. In der Menopause versiegt die Östrogenproduktion in den Ovarien. Auch eine Adipositas kann das Risiko steigern, da das Hormon von Fettzellen produziert wird.

Der Zusammenhang wurde bereits in früheren Studien erkannt. Die WHI-Studie bot jedoch erstmals die Möglichkeit, in einer größeren Kohorte den Rezeptorstatus in die Untersuchung einzubeziehen. Die Analyse von Marian Neuhouser vom Fred Hutchison Cancer Research Center in Seattle erstreckt sich über 13 Jahre. Sie umfasst die Dauer der randomisierten Studie und die anschließende prospektive Beobachtungsstudie. In dieser Zeit sind von den 67.142 Teilnehmerinnen – postmenopausale Frauen im Alter von 50 bis 79 Jahren – 3.388 an einem invasiven Brustkrebs erkrankt und 166 an der Krebserkrankung gestorben.

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Wie die Autoren herausfanden, stieg das Brustkrebsrisiko mit zunehmendem Body Mass Index (BMI) an. Eine Assoziation war – wie zu erwarten – nur für das rezeptor-positive Mammakarzinom nachweisbar. Am höchsten war das Risiko für Frauen mit einem BMI über 35 (Adipositas 2 oder 3). Ihr Risiko auf einen Östrogen- und Progesteron-Rezeptor-positiven Brustkrebs war um 86 Prozent höher als bei normalgewichtigen Frauen (Hazard Ratio HR 1,86; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,60-2,17). Die Adipositas 2 oder 3 erhöhte auch das Risiko auf einen größeren Tumor (HR 2,12; 1,67-2,69), auf einen Befall der Lymphknoten (HR 1,89; 1,46-2,45) und auf eine metastasierte Erkrankung (HR 1,94; 1,52-2,47). Frauen mit Adipositas 2 oder 3 hatten zudem ein erhöhtes Risiko, an einem Brustkrebs zu sterben (HR 2,11; 1,57-2,84).

Frauen, die im Verlauf der Studie mehr als 5 Prozent an Körpergewicht zugenommen hatten, erkrankten ebenfalls häufiger an Brustkrebs (HR, 1,36; 1,1-1,65). Eine protektive Wirkung für eine Gewichtsabnahme war dagegen nicht nachweisbar. Dies könnte allerdings daran liegen, dass eine ungewollte Gewichtsabnahme häufig ein Frühsymptom einer Krebserkrankung ist.

Die Studie erhält ihre Aktualität durch die zunehmende Adipositas in der Bevölkerung. Bei Frauen ist eine Gewichtszunahme nach den Wechseljahren nicht ungewöhnlich. Die Folgen für das Herz-Kreislauf-Risiko sind allgemein bekannt. Dass die Frauen auch ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, dürfte der Öffentlichkeit weniger bewusst sein.

© rme/aerzteblatt.de

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