Ärzteschaft

Studie: Viele Kranken­hausaufenthalte sind vermeidbar

Montag, 15. Juni 2015

Köln – Fast zwei Millionen Krankenhausfälle jährlich wären durch eine effektive und rechtzeitige ambulante Versorgung vermeidbar. Das geht aus einem Gutachten des IGES-Instituts im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) hervor. Auf Grundlage der Krankenhausdaten von 2013 wurden insbesondere die sogenannten Kurzliegerfälle untersucht, bei denen Patienten weniger als drei Tage im Krankenhaus lagen. Erstmals wurden zudem regionale Unterschiede analysiert.

Bei den im Krankenhaus ergriffenen Maßnahmen standen nach Angaben des ZI die ärztlichen Diagnosen im Vordergrund. Operative Eingriffe erfolgten eher selten. Das ZI wertet dies als Hinweise darauf, dass Patienten in vielen Fällen statt im Krankenhaus auch ambulant hätten behandelt werden können.

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Höhere ambulante Arztdichte, weniger Krankenhausfälle
Das Gutachten belegt darüber hinaus einen deutlichen Unterschied zwischen Stadt und Land: Während im Bundesdurchschnitt 2.624 vermeidbare Krankenhausfälle auf je 100.000 Einwohner kamen, waren es in Großstadtzentren 2.257 und in ländlichen Regionen 2.894. Auch die Zahl der Kurzliegerfälle lag in Großstadtzentren mit 723 je 100.000 Einwohner elf Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. „Je höher die ambulante Arztdichte, desto weniger werden typischerweise ambulant behandelbare Fälle im Krankenhaus versorgt“, folgerten die Gutachter.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, forderte, diese Ergebnisse in gesundheitspolitische Planungen einfließen zu lassen. „Wenn wir in den vermeintlich überversorgten städtischen Regionen Arztpraxen schließen sollen, müssen die Patienten häufiger ins Krankenhaus. Das kann nicht im Interesse einer effizienten ärztlichen Versorgung sein“, erklärte Gassen, der auch dem Vorstand des ZI vorsteht. © EB/aerzteblatt.de

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