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Wissenschafts­akademien: Public Health sollte koordinierter und interdisziplinärer aufgestellt sein

Dienstag, 16. Juni 2015

Berlin – In Deutschland müssen Public Health und Global Health gestärkt werden, fordern die deutschen Wissenschaftsakademien, konkret die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die acatech ─ Deutsche Akademie der Technik­wissen­schaften und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften.

Bestehende Programme sollten gebündelt  und koordiniert werden, heißt es in ihrer heute veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme „Public Health in Deutschland ─ Strukturen, Entwicklungen und globale Herausforderungen“. Diese ist das Ergebnis einer interdisziplinären Arbeitsgruppe, an der Wissenschaftler aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden und dem Vereinigten Königreich mehr als zwei Jahre lang arbeiteten.

„Die akademischen Strukturen in Deutschland im Bereich Public Health sind nicht schlecht, aber sehr zersplittert“, sagte Detlev Ganten, Mitglied der Leopoldina und Sprecher der Arbeitsgruppe Public Health. Zwar gäbe  es in diesem Bereich durchaus hervorragende Einzelpersonen und Forschungsinstitutionen. Doch diese benötigten mehr politische Unterstützung, bessere Strukturen und mehr Investitionen in die Forschung. „Gesundheit in allen Politikbereichen“ (Health in all Policies) müsse zur Priorität in Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft werden. „Dies ist ein Prozess, der international von uns erwartet wird“, sagte Ganten.

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Auf die enge Verbindung von Public Health auf nationaler Ebene und den Herausfor­derungen im Bereich Global Health, wie beispielsweise bei der Ebola-Epidemie, wies Ilona Kickbusch vom Hochschulinstitut für internationale Studien und Entwicklung in Genf hin. Hier könne sich Deutschland noch stärker in die internationale Zusammenarbeit einbringen.

Lücken bestehen beziehungsweise neue Perspektiven im Bereich Public Health sehen die Akademien bei der Gesund­heits­förder­ung und Krankheitsprävention, dem Umgang mit Ausbrüchen von Infektionskrankheiten und der Auswertung umfangreicher Gesundheitsdatensätze. Auch die Kommunikation zwischen Politik und Wissenschaft sei verbesserungswürdig. Hier gäbe es zusätzliche Möglichkeiten, gesicherte wissen­schaftliche Erkenntnisse auch für die politische Entscheidungsfindung heranzuziehen.

„Das Papier ist keine Blaupause“, sagte Günter Stock, Präsident der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. „Wir werben für Kooperation und den  mentalen Wandel: Gesundheit ist mehr als Medizin.“  Konkret empfehlen die  Akademien im Bereich der Aus- und Weiterbildung eine bessere Zusammenarbeit von Public-Health-Forschung, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, Public-Health-Praktikern und der Öffentlichkeit, eine bundesweite Koordination von Berufsbildungszielen, interdisziplinäre Ausbildungen, neue Karrierewege im Bereich Public Health sowie die Aufnahme von Elementen aus Public Health in die Curricula aller medizinischer Berufe. Zudem müsste Public Health mehr akademische Wertschätzung erhalten.

Aber auch die  Qualität und die Interdisziplinarität der Forschung müsse verbessert werden, heißt es in der Stellungnahme. Empfohlen wir  eine Forschungsagenda, um politische Maßnahmen sowie Programme zur Verbesserung der Gesundheit zu entwickeln und die Gesundheitssysteme zu stärken. Zur Umsetzung der Forschungs­ergebnisse in die Praxis empfehlen die Akademien einen öffentlichen Dialog sowie insbesondere den Aufbau strategischer Beziehungen zwischen der Wissenschaft, dem Öffentlichen Gesundheitsdienst, Politik, Gesundheitswirtschaft und Zivilgesellschaft.

Für strukturelle Reformen unterbreiten die Akademien vier Vorschläge: Ein Netzwerk mit wettbewerbsorientierter Finanzierung, eine virtuelle Koordinierungsstelle, ein Public-Health-Institut oder die Steuerung aller Aktivitäten in diesem Bereich durch ein Zentrum für Public und Global Health.

© ER/aerzteblatt.de

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