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Politik

Gematik kritisiert zu kurze Fristen für den Aufbau der Telematik­infrastruktur

Mittwoch, 17. Juni 2015

dpa

Berlin – Die Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) hat das neue E-Health-Gesetz grundsätzlich begrüßt, kritisiert aber wesentliche Punkte bei der Umsetzung der neuen Infrastruktur im Gesundheitswesen. „Das Gesetz eröffnet neue Möglichkeiten und fördert die sichere elektronische Kommunikation im Gesundheits­wesen“, betonten die Vertreter von Ärzten, Zahnärzten, Apothekern und Krankenhäusern in der Gematik heute in Berlin. Sinnvolle Anwendungen wie der Medikationsplan und der Not­fall­daten­satz kämen damit auf den Weg.

Aber im Gesetz angedrohte Sanktionen wie mögliche Honorarkürzungen lehnen die Gesellschafter der gematik deutlich ab. Außerdem kritisieren sie weiterhin, dass Leistungserbringer die Versichertendaten auf den Gesundheitskarten aktualisieren sollen.

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Zeitplan lässt keine Erprobung der Vernetzung zu
Die Gematik weist außerdem darauf hin, dass die Vernetzung mit Industrielösungen erprobt werden muss, um sicher zu gehen, dass in den Praxen praktikable und funktionierende Technik installiert wird. An dieser Stelle entsteht nach dem bisherigen Zeitplan des E-Health-Gesetzes ein Problem: Das Gesetz schreibt die Vernetzung der Leistungserbringer ab Juli 2016 vor. Sollte das nicht gelingen, drohen der Kassenärztlichen und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung sowie dem Spitzenverband der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung Sanktionen.

Allerdings sei das Ende der Erprobung erst für Juli 2016 geplant. „Der Zeitplan lässt keine Auswertung der Erprobungsergebnisse zu. Dabei muss die Erprobung erst einmal zeigen, ob geeignete Lösungen für Praxen und Krankenhäuser entwickelt wurden, bevor ausgerollt werden kann. Bisher gibt es daran noch berechtigte Zweifel“ warnte Thomas Kriedel, Vorsitzender der Gesellschafter der Gematik und Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe.

Zeitdruck ist gefährlich für die Qualität der Produkte
Des Weiteren kritisiert die Gematik, dass durch die Ausschreibung der Erprobung bereits zwei Industriekonzerne Produkte aus Versichertengeldern entwickeln könnten, andere Anbieter aber aufgrund des engen Zeitplans kaum eine Chance mehr dazu bekämen, in den Markt einzusteigen und gleichwertige oder bessere Produkte anzubieten. Die Gematik-Gesellschafter befürchten, dass unreife oder gar schlechte Produkte zu völlig überhöhten Preisen in die Praxen und Kliniken gelangen könnten und bei den beteiligten Ärzten, Zahnärzten, Apothekern und Krankenhäusern die Akzeptanz weiter schmälern. © hil/aerzteblatt.de

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